Der Richter und der Teufel

Der Richter und der Teufel

Der Richter und der Teufel ist ein Märchen aus Ludwig Bechsteins Deutsches Märchenbuch, das sich sowohl in der Erstausgabe von 1845 (mit der Nummer 23), als auch in der Ausgabe letzter Hand von 1857 (mit der Nummer 18) finden lässt und das direkt auf einem Text aus dem 13. Jahrhundert basiert.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Das Märchen berichtet vom reichen Richter einer Stadt, der rücksichtslos, ungerecht und geizig ist. Am Morgen eines Markttages reitet er aus, um seinen Lieblingsweinberg zu besichtigen, als ihm ein kostbar gekleideter, vornehm aussehender Mann begegnet. Der Richter erkundigt sich sehr unhöflich danach, wer der Fremde sei und woher er komme. Als dieser ihm antwortet, dass es besser für ihn sei, dies nicht zu wissen, droht ihm der Richter mit dem Tod. Darauf hin gibt sich der Fremde als Teufel zu erkennen. Der Richter will weiter wissen, was der Teufel in der Stadt zu tun gedenke. Der gibt ihm zu verstehen, dass ihm an diesem Tag die Macht gegeben ist, alles mit sich zu nehmen, was ihm in vollem Ernst gegeben wird. Der Richter fordert den Teufel auf, ihn mitgehen zu lassen, damit er sehe, was man dem Teufel in der Stadt gibt. Der Teufel versucht es ihm auszureden, doch der Richter zwingt den Teufel unter Anrufung Gottes dazu, so dass der Teufel gar nicht anders kann, als den Richter mitzunehmen. Auf dem Markt angekommen, wird zuerst ein Schwein von einer Frau zum Teufel gewünscht, danach ein Rind und als drittes ein Kind. Der Richter fordert den Teufel jedes Mal zum Zugreifen auf; der Teufel lehnt aber ab, da es nicht ernst gemeint sei. Zuletzt begegnen sie einer alten, kranken, bekümmerten Frau. Als diese den Richter erblickt, beginnt sie zu klagen: Der Richter habe ihr in seiner Ungerechtigkeit ihre einzige Kuh genommen, die alles war, was sie noch zum Leben hatte. Schlussendlich wünscht sie ihn zum Teufel. Der Teufel antwortet, dass dies ernst gemeint sei, packt den Richter bei den Haaren und fliegt mit ihm durch die Luft davon.

Das Märchen endet mit der Moral:

»Es ist ein unweiser Rat,

Der mit dem Teufel umgaht.

Wer gern mit ihm umfährt,

Dem wird ein böser Lohn beschert.«[1]

Herkunft

Das Märchen ist die Übertragung einer mittelhochdeutschen Kurzerzählung ins Neuhochdeutsche. Der Text ist ursprünglich ein Spruchgedicht eines Dichters, dessen richtiger Name der Forschung unbekannt ist, der aber in der Literatur "Der Stricker" genannt wird. Er stammt vermutlich aus dem Fränkischen und wirkte in der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, etwa von 1230-1250 in Österreich. Seine Kurzerzählungen gelten als seine bedeutendste literarische Leistung. "Der Richter und der Teufel" des Strickers ist in mehreren Handschriften überliefert.

Trivia

Das Märchen wurde im Jahr 1994 von der Band Corvus Corax für ihre Kinder-CD "Corvus Corax erzählen Märchen aus alter Zeit" ausgewählt.[2] Dort wird die Handlung in die Hansestadt Wismar verlegt.

Literatur

  • Hans Fischer (Hg.): Der Stricker. Verserzählungen II. (Altdeutsche Texbibliothek 68), Max Niemeyer Verlag, Tübingen 1997, S. 31-41.

Einzelnachweise

  1. http://www.hekaya.de/txt.hx/der-richter-und-der-teufel--maerchen--bechstein_22
  2. http://www.corvuscorax.de/index.php?select=diskografie

Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Поможем написать курсовую

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Teufel — (s. ⇨ Teixel). 1. A mol muess ma m Teuffel uff de Wedel treta. – Birlinger, 1036. 2. All, wat de Düwel nich lesen kann (will), dat sleit he vörbi (oder: sleit he äwer). – Frommann, II, 389, 123; Eichwald, 346; Goldschmidt, 57; Kern, 1430. 3. Als… …   Deutsches Sprichwörter-Lexikon

  • Teufel — Der Teufel kommt in unzähligen sprichwörtlichen Redensarten vor, von denen hier nur ein Teil herausgegriffen werden kann.{{ppd}}    Den Teufel mit Beelzebub austreiben: ein Übel durch ein noch schlimmeres Übel beseitigen. Die Redensart geht auf… …   Das Wörterbuch der Idiome

  • Der Spiegel im Spiegel — Der Spiegel im Spiegel: Ein Labyrinth ist eine surrealistische Geschichtensammlung von Michael Ende aus dem Jahr 1983. Alle Geschichten in Der Spiegel im Spiegel haben eigene Hauptfiguren, beziehen sich jedoch durch literarische Leitmotive… …   Deutsch Wikipedia

  • Der seltsame Mister Quin — (Originaltitel The Mysterious Mr. Quin) ist eine Sammlung von Kurzgeschichten von Agatha Christie, die erstmals am 4. April 1930 im Vereinigten Königreich bei William Collins Sons [1] und später im selben Jahr in den USA bei Dodd, Mead and… …   Deutsch Wikipedia

  • Der Klosterjäger (1953) — Filmdaten Originaltitel Der Klosterjäger Produktionsland Deutschland …   Deutsch Wikipedia

  • Der Unheimliche — Filmdaten Originaltitel: Der große Unbekannte Produktionsland: Deutschland Erscheinungsjahr: 1927 Länge: 101 Minuten Originalsprache: Deutsch Stab …   Deutsch Wikipedia

  • Der grosse Unbekannte — Filmdaten Originaltitel: Der große Unbekannte Produktionsland: Deutschland Erscheinungsjahr: 1927 Länge: 101 Minuten Originalsprache: Deutsch Stab …   Deutsch Wikipedia

  • Der Rosenkavalier — Werkdaten Titel: Der Rosenkavalier Originaltitel: Der Rosenkavalier Originalsprache: deutsch Musik: Richard Strauss Libretto …   Deutsch Wikipedia

  • Der Glöckner von Notre Dame (1939) — Filmdaten Deutscher Titel Der Glöckner von Notre Dame Originaltitel The Hunchback of Notre Dame …   Deutsch Wikipedia

  • Der Hexer (1932) — Filmdaten Deutscher Titel Der Hexer Produktionsland Deutschland, Österreich …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”