Abgeschlossene Hülle

In der Topologie und der Analysis ist die abgeschlossene Hülle (auch Abschließung oder Abschluss) einer Teilmenge U eines topologischen oder metrischen Raums die kleinste abgeschlossene Obermenge von U.

Inhaltsverzeichnis

Definition

Ist X ein topologischer Raum, also beispielsweise ein metrischer Raum mit der durch die Metrik induzierten Topologie, so ist die abgeschlossene Hülle oder der Abschluss einer Teilmenge U\subseteq X der Durchschnitt \overline{U} aller abgeschlossenen Teilmengen von X, die U beinhalten. Die Menge \overline{U} ist selbst abgeschlossen, also ist sie die kleinste abgeschlossene Obermenge von U.

Ein Punkt b\in X heißt Berührpunkt oder Adhärenzpunkt von U, wenn in jeder Umgebung von b mindestens ein Element von U enthalten ist. \overline{U} besteht genau aus den Berührpunkten von U.

Der Abschluss als Menge von Grenzwerten

Erfüllt X das erste Abzählbarkeitsaxiom (dies gilt beispielsweise dann, wenn X ein metrischer Raum ist), so ist \overline U die Menge aller Grenzwerte von konvergenten Folgen, deren Glieder in U liegen.

Ist X ein beliebiger topologischer Raum, so ist der Abschluss einer Teilmenge U\subseteq X die Menge der Grenzwerte konvergenter Netze, deren Glieder in U liegen.

Abschluss von Kugeln in metrischen Räumen

Es sei X ein metrischer Raum mit Metrik d. Man beachte, dass im Allgemeinen die abgeschlossene Hülle \overline{B(x,r)} einer offenen Kugel

B(x,r)=\{y\in X\mid d(x,y)<r\}

mit Radius r und Mittelpunkt x\in X nicht dasselbe ist wie die abgeschlossene Kugel

\overline{B}(x,r)=\{y\in X\mid d(x,y)\leq r\}.

Da die abgeschlossene Kugel eine abgeschlossene Menge ist, die die offene Kugel enthält, enthält sie auch ihren Abschluss:

\overline{B(x,r)} \subseteq \overline{B}(x,r)

Um ein Beispiel zu geben, in dem diese Inklusion echt ist, sei X eine Menge (mit mindestens zwei Elementen), auf der eine Metrik durch

d(x,y)=\left\{\begin{matrix}1&\mathrm{f\ddot ur}\ x\not=y\\
0&\mathrm{f\ddot ur}\ x=y\end{matrix}\right.

definiert ist. Dann gilt für jedes x\in X:

\{x\} = B(x,1) = \overline{B(x,1)} \subsetneq \overline{B}(x,1) = X.

Darüber hinaus gibt es auch metrische Räume, in dem für einen Punkt x und einen Radius r beide Inklusionen gleichzeitig echt sind:

B(x,r) \subsetneq \overline{B(x,r)} \subsetneq \overline{B}(x,r)

Ein Beispiel ist die Menge X = \{(a,0)|a\in\mathbb{R},-1 \leq a \leq 1\} \cup \{(0,1)\} mit der vom euklidischen Raum \mathbb{R}^2 induzierten Metrik. Hier erfüllt x = (0,0),r = 1 die angegebene Inklusionsbedingung:

B(0,1) = \{(a,0)|a\in\mathbb{R},-1 < a < 1\} \subsetneq
\overline{B(0,1)} = \{(a,0)|a\in\mathbb{R},-1 \leq a \leq 1\} \subsetneq
\overline{B}(0,1) = \{(a,0)|a\in\mathbb{R},-1 \leq a \leq 1\} \cup  \{(0,1)\} = X

Literatur

  • Gabriele Castellini: Categorical Closure Operators. Birkhäuser, Boston MA u. a. 2003, ISBN 0-8176-4250-1.

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