Ablassbrief
Ablassbrief im Namen Leos X. von 1515

Der Ablassbrief (auch Indulgenzbriefe, von lateinisch litterae indulgentiales oder Ablassblatt oder – insbesondere bei größerem Bildteil – Ablassbild genannt) war ein "Nachlass von auferlegten Strafen, die von dem Sünder nach seiner Umkehr noch zu verbüßen sind".[1] Er gehörte formal zu den Einblattdrucken, die im 15. Jahrhundert von Briefmalern als Holzschnitte oder Kupferstiche mit christlichen Darstellungen und beigefügten Gebeten angefertigt und verkauft wurden.

Ausgestellt wurde der Ablassbrief im Namen eines vom Papst beauftragten Bischofs oder Kardinals, wobei die Kirche den Käufern einen Nachlass zeitlicher Sündenstrafen oder einen vollkommenen Ablass gewährte. Im Unterschied dazu ist eine Ablassbulle vom Papst selber ausgestellt worden. Auflagen waren die Verrichtung bestimmter Gebete (beispielsweise mit einem Rosenkranz) oder gottgefälliger Werke (etwa Spenden für den Bau von Kirchen). Im Zuge der Verbreitung dieser Briefe spielte der Dominikanermönch Johann Tetzel eine besondere Rolle, vor allem mit dem berühmten Satz: „Wenn das Geld im Kasten klingt, die Seele aus dem Fegefeuer springt.“

Für Martin Luther war die Praxis, durch Ablassbriefe zum Beispiel den Bau des Petersdoms im Rom zu finanzieren, einer der Hauptkritikpunkte an der katholischen Kirche und motivierte ihn letztlich zur Verfassung der 95 Thesen.

Am 8. Februar 1567 hob Papst Pius V. in der Konstitution Etsi Dominici alle Almosenablässe auf und verfügte am 2. Januar 1570 in der Konstitution Quam plenum die Exkommunikation für jene, die mit den Ablässen Handel treiben wollten, was noch im Codex Iuris Canonici von 1917 zum Can. 2327 mit der Strafe einer Exkommunikation führte.

Literatur

  • Raimond Pérault: Ablaßbrief. Pfälzische Landesbibliothek, Speyer 1990 (Faksimile der Ausgabe Speyer 1490).
  • Alexander Seibold: Sammelindulgenzien. Ablaßurkunden des Spätmittelalters und der Frühneuzeit. Böhlau, Köln 2001, ISBN 3-412-12099-5 (zugl. Dissertation, Universität Regensburg 1999).

Einzelnachweise

  1. Duden: Deutsches Universalwörterbuch. Bibliographisches Institut (Dudenverlag). Mannheim (6. Aufl. 2007) ISBN 978-3-411-05506-7.

Weblinks

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