Ableitstrommessung


Mit der Ableitstrommessung werden Geräte oder Anlagenteile auf höchstzulässige, betriebsbedingte Ströme überprüft, die über den Schutzleiter oder metallische Teile zur Erde fließen.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung und Wirkungen von Ableitströmen

Durch Kapazitäten von Leitungen, Wicklungen, Entstörgliedern oder elektrischen Heizungen mit Metallrohrmantel können auch bei vorschriftsmäßigem Isolationswiderstand Wechselströme zur Erde abfließen. Sind diese zu hoch, so kann z.B. bei unterbrochenen Schutzleitern oder schutzisolierten Geräten ein lebensgefährlicher Körperstrom über eine berührende Person zur Erde fließen.

Messung des Ableitstroms

direkte Messung des Schutzleiterstroms

Hierbei muss das entsprechende Gerät bis auf die Netzleitung isoliert werden, d.h., dass alle leitenden Verbindungen zur Erde (z.B. Rohr-, Daten- oder Antennenleitungen) getrennt werden müssen. Dann wird der Schutzleiter des Gerätes aufgetrennt, ein Strommessgerät zwischengeschaltet und das Gerät in Betrieb genommen. Das Messgerät zeigt dann den Schutzleiterstrom an.

indirekte Messung des Schutzleiterstroms

Bei der indirekten Messung wird mit einem speziellen Zangenamperemeter der Summenstrom des hin- und rückfließenden Netzstroms gemessen. Der Differenzstrom entspricht dabei dem Ableitstrom. Der Schutzleiter darf bei dieser Messart nicht mit durch die Stromzange geführt werden. Dafür braucht das Gerät nicht isoliert zu werden, so dass alle betriebsbedingten, metallischen Verbindungen erhalten bleiben können.

Messung des Berührungsstroms

Geräte der Schutzklasse 2 (Schutzisolierung) haben keinen Schutzleiter, weshalb der Ableitstrom hier Berührungsstrom genannt wird, da ja ein Stromfluss nur bei Berührung mit geerdeten Personen oder Gegenständen zustande kommt. Trotz doppelter Isolierung dieser Geräte können über metallische Gehäuseteile (Getriebe, Wellen, Griffe, Zierleisten ...) Ströme gegen Erde abfließen.

Wie bei der Schutzleiterstrommessung kann hier direkt oder indirekt der mögliche Strom zur Erde gemessen werden, der bei Berührung zum fließen käme. Der Berührungsstrom wird an den entsprechenden Metallteilen des Gehäuses gemessen. Während der Messung muss die Netzspannung umgepolt werden, wobei der höhere Strom als Messergebnis gilt.

Ersatzableitstrommessung

Da die oben angeführten Messungen mit Netzspannung durchgeführt werden, bergen sie ein nicht unerhebliches Gefahrenpotential. Deshalb kann auch eine Ersatzableitstrommessung durchgeführt werden, bei der der Messkreis galvanisch vom Netz getrennt ist und auch niedrigere Spannung (ab 25 Volt) führen kann. Bei niedrigerer Messspannung muss der gemessene Ableitstrom auf die Betriebsspannung hoch gerechnet werden.

Die Ersatzableitstrommessung darf nur Verwendung finden, wenn sich im zu prüfenden Gerät keine von der Netzspannung abhängige Bauteile befinden. Diese Bauteile verfälschen das Ergebnis. Vor der Ersatzableitstrommessung muss eine Messung des Isolationswiderstandes positiv durchgeführt worden sein.

Grenzwerte des Ableitstroms

  • für Geräte der Schutzklasse 1 (Geräte mit Schutzleiter) bis 3,5 kW: 3,5 mA
  • für Geräte der Schutzklasse 1 (Geräte mit Schutzleiter) über 3,5 kW: 1 mA/kW bis max. 10mA
  • für Geräte der Schutzklasse 2 (schutzisoliert): 0,5 mA

(Grenzwerte gem. DIN VDE 0701 Teil 1)


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