Charmides (Politiker)

Charmides (Politiker)

Charmides (griechisch Χαρμίδης, * um 445 v. Chr.; † 403 v. Chr.) war ein antiker griechischer Politiker in Athen und Anhänger des Philosophen Sokrates.

Charmides war ein Onkel mütterlicherseits des Philosophen Platon. Sein Vater hieß Glaukon, seine Schwester war Platons Mutter Periktione. Nach Glaukons Tod übernahm sein Vetter väterlicherseits Kritias, der später zu den Dreißig Tyrannen gehörte, die Vormundschaft über Charmides.

Charmides tritt in Platons nach ihm benanntem Dialog Charmides als Jugendlicher (meirákion) auf;[1] er war damals etwa 14 bis 17 Jahre alt. Er war einige Jahre jünger als der wohl 451 geborene Alkibiades. Die Dialoghandlung ist Frühjahr 429 zu datieren, unmittelbar nach der Rückkehr des Sokrates von einem Feldzug, der von 432 bis Mai 429 gedauert hatte; während Sokrates' Abwesenheit war Charmides noch unter Vormundschaft gestanden. Daher fällt seine Geburt wohl in den Zeitraum von 446 bis 443.[2]

Xenophon lässt in seinem Gastmahl einen verarmten Charmides auftreten, der nach dem Verlust seines Vermögens von öffentlichen Mitteln lebt. Unklar ist, wie Charmides um sein Vermögen kam. Unter den Jünglingen, die 415 v. Chr. die Mysterien von Eleusis in Privathäusern parodierend nachahmten und dadurch profanierten, wird ein "Charmides" genannt. Infolge einer Anklage wurde diese Person in Abwesenheit zum Tode verurteilt und ihr Vermögen konfisziert. Falls dieser Charmides mit dem Onkel Platons identisch ist[3], könnte die Konfiskation den Verlust des Vermögens erklären. Die Todesurteile gegen die Mysterienfrevler wurden nach dem Peloponnesischen Krieg aufgehoben.

Charmides gehörte zum Freundeskreis um den Philosophen Sokrates. Xenophon berichtet, dass Sokrates Charmides schätzte und ihn ermutigte, seine Zurückhaltung und Schüchternheit zu überwinden und sich politisch zu betätigen, was in Athen mit einem Auftreten vor der Volksversammlung verbunden war.

Charmides nahm den Rat seines Mentors an und ging tatsächlich in die Politik. Da er oligarchisch gesinnt war, beteiligte er sich nach der Niederlage Athens gegen Sparta im Peloponnesischen Krieg an dem Regime der Dreißig Tyrannen. Er gehörte aber nicht – wie oft fälschlich behauptet wird – selbst zu dem Gremium der Dreißig, sondern nur zu einem Ausschuss von zehn Männern, die von den Dreißig für die Verwaltung der Hafenstadt Piräeus eingesetzt wurden.[4] Er fiel zusammen mit Kritias 403 v. Chr. bei Munychia im Kampf gegen die Streitmacht der Demokraten unter Thrasybulos.

Literatur

  • Luc Brisson: Charmidès. In: Richard Goulet (Hrsg.): Dictionnaire des philosophes antiques. Bd. 2, CNRS, Paris 1994, S. 299−302.
  • Alan S. Henry: Charmides Son of Glaukon. In: Rheinisches Museum für Philologie. Bd. 117, 1974, S. 360–362.
  • Debra Nails: The People of Plato. A prosopography of Plato and other Socratics. Indianapolis 2002, ISBN 0-87220-564-9, S. 90–94 (und Stammtafel S. 244).
  • György Németh: Kritias und die Dreißig Tyrannen. Untersuchungen zur Politik und Prosographie der Führungselite in Athen 404/403 v. Chr. Franz Steiner Verlag, Stuttgart 2006, ISBN 3-515-08866-0.

Anmerkungen

  1. Platon, Charmides 154b.
  2. Zur Chronologie vgl. Nails S. 90f., 311f.
  3. Nails S. 94.
  4. Platon, Siebter Brief 324c5; Aristoteles, Athenaion politeia 35,1.

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