Actor sequitur forum rei

Der lateinische Rechtssatz Actor sequitur forum rei (der Kläger muss dem Gerichtsstand des Beklagten folgen) befasst sich mit der gerichtlichen Zuständigkeit. Er besagt, dass der Kläger, wenn er Klage gegen den Beklagten erheben will, dies bei dem für den Beklagten örtlich zuständigen Gericht tun muss.

Grundgedanke dieser Regelung ist, dass damit die Waffengleichheit zwischen den Parteien eher gewahrt bleibt. Der Kläger kann entscheiden, mit welchem genauen Inhalt und zu welchem Zeitpunkt er den Beklagten verklagt. Der Beklagte muss dann unter gewissem Zeitdruck durch prozessuale Fristen seine Rechtsverteidigung vorbringen und unter Umständen zunächst einen Anwalt suchen. Dies soll ihm wenigstens dadurch erleichtert werden, dass er nicht auch noch bei einem weit entfernten Gericht prozessieren muss. Die Bestimmung des zuständigen Gerichts ist daher nicht allein eine Frage der Zweckmäßigkeit, der Grundsatz actor sequitur forum rei hat vielmehr Gerechtigkeitsgehalt [1]. Aus derartigen Überlegungen beschränkt das Gesetz auch zum Schutz des Beklagten die Möglichkeit, eine abweichende gerichtliche Zuständigkeit vertraglich zu vereinbaren [2].

Konträr wurde dieser Rechtssatz beim Militärrechtswesen im antiken Rom angewendet. Hier musste der zivile Beklagte nach dem 1. Jahrhundert dem Gerichtsstand des Soldaten, in der Regel zu dem örtlich zuständigen Militärlager, folgen[3].

Im deutschen Zivilprozessrecht findet sich eine Ausprägung des Grundsatzes in § 12 ZPO. Dort ist bestimmt, dass der allgemeine Gerichtsstand des Beklagten grundsätzlich die örtliche Zuständigkeit des Gerichts bestimmt. Allerdings gibt es daneben eine große Zahl besonderer Gerichtsstände, die diese Regel modifizieren.

In Fällen mit Auslandbezug ist zunächst die internationale Zuständigkeit zu prüfen. Hierfür gilt in den Mitgliedsstaaten der EU unter anderem die EuGVVO. Soweit deren Art. 2 Abs. 1 vorsieht, dass Personen, die ihren Wohnsitz im Hoheitsgebiet eines Mitgliedsstaates haben, ohne Rücksicht auf ihre Staatsangehörigkeit vor den Gerichten dieses Mitgliedsstaates zu verklagen sind, ist auch dies eine Ausprägung des Grundsatzes actor sequitur forum rei.

Einzelnachweise

  1. Zöller-Vollkommer, Kommentar zur ZPO, 26. Auflage, Rdn. 2 zu § 12
  2. vgl. § 38 ZPO
  3. Gabriele Welsch, Soziale Aspekte des römischen Heerwesens in der Kaiserzeit, Verlag Steiner, Franz Dezember 1998, S. 147 - 155; vgl. auch Hildegard Temporini, Wolfgang Haase: Aufstieg und Niedergang der römischen Welt. 1. Auflage, Bd.14, Recht (Materien, Fortsetzung), de Gruyter, 1982, S. 948 - 960

Literatur

Rechtshinweis Bitte den Hinweis zu Rechtsthemen beachten!

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Actor sequitur forum rei — es una locución latina empleada en el derecho procesal que viene a significar que el demandante debe litigar en el fuero del demandado. Se trata de poner de manifiesto el principio general de que en el pleito prevalece la jurisdicción territorial …   Wikipedia Español

  • actor sequitur forum rei — /aektor sekwatar foram riyay/ According as rei is intended as the genitive of res, a thing, or reus, a defendant, this phrase means: The plaintiff follows the forum of the property in suit, or the forum of the defendant s residence …   Black's law dictionary

  • actor sequitur forum rei — /aektor sekwatar foram riyay/ According as rei is intended as the genitive of res, a thing, or reus, a defendant, this phrase means: The plaintiff follows the forum of the property in suit, or the forum of the defendant s residence …   Black's law dictionary

  • Actor sequitur forum rei — The plaintiff must invoke jurisdiction in the forum in which the defendant resides or in which the property involved in the litigation is located. Fisher, Brown, & Co. v Fielding, 67 Conn 91, 34 A 714 …   Ballentine's law dictionary

  • Actor sequitur forum rei —    Procédure civile: le demandeur doit porter son action devant le tribunal du défendeur …   Lexique de Termes Juridiques

  • Forum non conveniens — (Latin for inconvenient forum or inappropriate forum ) is a discretionary power of mostly common law courts to refuse to hear a proceeding that has been brought before it. The courts will refuse to take jurisdiction over matters where there is a… …   Wikipedia

  • De lege ferenda — Traditionell werden Rechtsgrundsätze gern durch lateinische Begriffe oder Wendungen ausgedrückt. Sie sind teilweise aus der griechisch/römischen Antike überliefert, da insbesondere das deutsche Zivilrecht in wesentlichen Bereichen auf dem antiken …   Deutsch Wikipedia

  • Ex aequo et bono — Traditionell werden Rechtsgrundsätze gern durch lateinische Begriffe oder Wendungen ausgedrückt. Sie sind teilweise aus der griechisch/römischen Antike überliefert, da insbesondere das deutsche Zivilrecht in wesentlichen Bereichen auf dem antiken …   Deutsch Wikipedia

  • Liste lateinischer Rechtsbegriffe — Traditionell werden Rechtsgrundsätze gern durch lateinische Begriffe oder Wendungen ausgedrückt. Sie sind teilweise aus der griechisch/römischen Antike überliefert, da insbesondere das deutsche Zivilrecht in wesentlichen Bereichen auf dem antiken …   Deutsch Wikipedia

  • Rechtslatein — Traditionell werden Rechtsgrundsätze gern durch lateinische Begriffe oder Wendungen ausgedrückt. Sie sind teilweise aus der griechisch/römischen Antike überliefert, da insbesondere das deutsche Zivilrecht in wesentlichen Bereichen auf dem antiken …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”