12 Grundsätze der Stadterneuerung

Die 12 Grundsätze der Stadterneuerung entstanden als Programm der Internationalen Bauausstellung 1984 in Berlin-Kreuzberg.

Maßgeblicher Autor der 12 Grundsätze der Stadterneuerung war Hardt-Waltherr Hämer. Die 12 Grundsätze markierten die Wende der Berliner Sanierungspolitik von der vorangegangenen Flächensanierung zur demokratisch organisierten behutsamen Stadterneuerung unter Berücksichtigung gewachsener baulicher und sozialer Strukturen. Sie wurden vom Abgeordnetenhaus von Berlin förmlich bestätigt und von Kreuzberg auf die übrigen Erneuerungsgebiete West-Berlins übertragen.

Als 12 Leitsätze der Stadterneuerung in Berlin fanden sie ab 1993 in abgewandelter Form Anwendung auch auf den späteren Stadterneuerungsprozess in Ost-Berlin.

Wortlaut der 12 Grundsätze der Stadterneuerung

  1. Die Erneuerung muß mit den jetzigen Bewohnern und Gewerbetreibenden geplant und – substanzerhaltend – realisiert werden.
  2. Planer sollen mit Bewohnern und Gewerbetreibenden in den Zielen der Erneuerungsmaßnahmen übereinstimmen, technische und soziale Planungen Hand in Hand gehen.
  3. Die Eigenart Kreuzbergs soll erhalten, Vertrauen und Zuversicht in den gefährdeten Stadtteilen müssen wieder geweckt werden. Substanzbedrohende Schäden an Häusern sind sofort zu beseitigen.
  4. Behutsame Änderung von Grundrissen soll auch neue Wohnformen möglich machen.
  5. Die Erneuerung von Wohnungen und Häusern soll stufenweise geschehen und allmählich ergänzt werden.
  6. Die bauliche Situation soll durch wenige Abrisse, Begrünung im Blockinneren, Gestaltung von Fassaden verbessert werden.
  7. Öffentliche Einrichtungen sowie Straßen, Plätze und Grünbereiche müssen bedarfsgerecht erneuert und ergänzt werden.
  8. Beteiligungsrechte und materielle Rechte der Betroffenen bei der Sozialplanung müssen geregelt werden.
  9. Entscheidungen für die Stadterneuerung müssen offen gefunden und möglichst am Ort diskutiert werden. Die Betroffenenvertretung ist zu stärken.
  10. Stadterneuerung, die Vertrauen erzeugt, braucht feste Finanzzusagen. Das Geld muß schnell und auf den Fall bezogen ausgegeben werden können.
  11. Es sind neue Formen der Trägerschaft zu entwickeln. Treuhänderische Sanierungsträgeraufgaben (Dienstleistungen) und Baumaßnahmen sollen getrennt werden.
  12. Die Stadterneuerung nach diesem Konzept muß über die Zeit der IBA hinaus gesichert sein.

Literatur

Hardt-Waltherr Hämer: Behutsame Stadterneuerung; in: Senatsverwaltung für Bau- und Wohnungswesen (Hrsg.): Stadterneuerung Berlin. Berlin 1990

Weblinks


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Gustav Hämer — Hardt Waltherr Hämer im August 2006 Hardt Waltherr Gustav Hämer (* 13. April 1922 in Hagen bei Lüneburg) ist ein deutscher Architekt insbesondere im Theaterbau und Hochschullehrer. Er gilt als „Vater der behutsamen Stadterneuerung“ …   Deutsch Wikipedia

  • Hardt-Waltherr Hämer — im August 2006 Hardt Waltherr Gustav Hämer (* 13. April 1922 in Hagen bei Lüneburg) ist ein deutscher Architekt insbesondere im Theaterbau und Hochschullehrer. Er gilt als „Vater der behutsamen Stadterneuerung“ …   Deutsch Wikipedia

  • Internationale Bauausstellung 1984 — Die Internationale Bauausstellung 1984 (IBA) war eine Architekturausstellung und ein städteplanerisches Konzept des Berliner Senats, um die West Berliner Innenstadt als Wohnstandort zurückzugewinnen. Die Idee stammte von dem damaligen Berliner… …   Deutsch Wikipedia

  • Stadt — Berlin (Deutschland) La Paz (Bolivien) …   Deutsch Wikipedia

  • Stadtbaugeschichte — Die Stadtbaugeschichte beschäftigt sich mit der baulichen Entwicklung von Städten. Die moderne Stadtplanung beschäftigt sich mit der Entwicklung der Stadt im Allgemeinen sowie mit den räumlichen und sozialen Strukturen in der Stadt. Ein anderer… …   Deutsch Wikipedia

  • Wiederaufbau — Die Stadtbaugeschichte beschäftigt sich mit der baulichen Entwicklung von Städten. Die moderne Stadtplanung beschäftigt sich mit der Entwicklung der Stadt im Allgemeinen sowie mit den räumlichen und sozialen Strukturen in der Stadt. Ein anderer… …   Deutsch Wikipedia

  • Denkmalpflege — Denkmalspflege * * * Dẹnk|mal|pfle|ge 〈f. 19; unz.〉 Schutz von historischen Denkmälern sowie von kunst u. kulturgeschichtlich bedeutenden Werken der Baukunst, Bildnerei, Malerei u. Ä.; oV Denkmalspflege; Sy Denkmalschutz * * * Dẹnk|mal|pfle|ge …   Universal-Lexikon

  • Städtebau — Stạ̈d|te|bau 〈m.; (e)s; unz.〉 planmäßiger, sinnvoller Bau von Städten * * * Städ|te|bau, der <o. Pl.>: Planung, Projektierung, Gestaltung beim Bau, bei der Umgestaltung von Städten. * * * Städtebau,   ein Teilgebiet der Urbanistik; umfasst… …   Universal-Lexikon

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”