Adolf Bierbrauer

Adolf Bierbrauer (* 1915 in Düsseldorf) ist ein deutscher Künstler und Arzt. Bekannte Arbeiten von ihm sind seine "Hypnose - und somnambulen Bilder", sowie seine Skulpturen.

Werkbeschreibung

Adolf Bierbrauer wurde im Jahr 2000 mit seinem Werk im NRW-Forum und der Präsentation seiner Monographie in Düsseldorf erstmals einer breiteren Öffentlichkeit vorgestellt. Beeindruckend sind vor allem seine Hypnose-Bilder aus den 1950er-Jahren und seine in den letzten fünf Jahrzehnten geschaffenen somnambulen Bilder.

Im Zentrum seiner Arbeiten steht der Mensch. Finden sich im Frühwerk reine Menschendarstellungen, wie Portraits und Aktbilder, so näherte er sich im Laufe seiner Tätigkeiten als Künstler, Arzt und Psychotherapeut immer mehr den verborgenen Inhalten der menschlichen Psyche.

Bierbrauer malte die Hypnosebilder nach den Schilderungen der seiner Patienten im Trancezustand erschienen Bilder. Die bereits nach dem Ende des zweiten Weltkriegs bis Anfang der 1950er-Jahre entstandenen Bilder basieren auf Bierbrauers Erkenntnis, Wege zu finden, um Patienten ihrer durch Krieg und persönlichen Vergangenheit entwickelten Traumata durch die Hypnose und der unter ihr erzählten Bilder zu befreien, in dem er diese erzählten Bilder für die Patienten malte, um sie im Anschluss mit ihnen zu besprechen.

Auf diese Art und Weise ist es Bierbrauer nicht nur gelungen, seinen Patienten zu helfen, sondern für ihre Zeit ganz neue Kunstwerke durch die Mithilfe des Patienten zu gestalten. Dies im Sinne seines Verständnisses der Künstler als Heilender des an der Gesellschaft erkrankten Individuums.

Diese Hypnosebilder verglich Bazon Brock bereits vor einigen Jahren mit der Bedeutung der von Joseph Beuys durchgeführten Fußwaschungen.

Bei Bierbrauers seit den in den späten 1960er-Jahren entstandenen somnambulen Arbeiten finden sich viele Parallelen zu Werken bekannter informeller Künstler. Bierbrauer, geschult durch die Hypnose seiner Patienten, beginnt in diesem Abschnitt seines künstlerischen Schaffens von den Patientenbildern zu abstrahieren und begibt sich nun selbst in einen somnambulen, d.h. tagtraumartigen Zustand, um als Künstler an sein ureigenes Selbst heranzukommen.

Diese Bilder, die er bis heute schafft, beeindrucken durch die Wechselwirkung zwischen der "Inkorporation" der Anderen im Wechselspiel mit der Suche nach der eigenen Identität.

Ebenso beachtenswert sind seine Skulpturen, die bereits in den 1950er-Jahren entstanden sind und bis heute durch ihre Ausdruckskraft und ihren Einfallsreichtum, sowie der eigenen Formensprache und Titelfindung bestechen. Bei seinen Bronzefiguren wie dem Elefantösen Tobsuchtsanfall aus dem Jahr 2001 setzt er eine expressive freie, sich nicht an die konkrete Form gebundene Gestaltung ein, die ihren informellen Ausdruck durch die Steigerung der Titelfindung erhält. Sie erscheinen wie trash-artige Skulpturen, meist zusammengesetzt aus Materialresten (s. Arte povera) verbunden mit Leim, Metalldrähten, Stanniolpapier.

Literatur

  • Adolf Bierbrauer, Hrsg. von Martin Leyer-Pritzkow mit Beiträgen von Helmut Reuter u. Veronika Kolbe, sowie Roswitha Mösl. Euregio Dr., Nordhorn 1999, ISBN 3-926820-70-5
  • Bazon Brock, Gesammelte Schriften 1991-2002, Bd.III, Der Barbar als Kulturheld,Ästhetik des Unterlassens, IV Strategien der Ästhetik, Bildende Wissenschaft, 8, Inporporation und Repräsentation, S. 465 ff., DuMont Literatur und Kunst Verlag, Köln 2002, ISBN 3-8321-7149-5
  • Rudolf Heinz,Hrsg. Pathognostische Studien, VII, Texte zu einem Philosophischen-Psychoanalyse-Finale,S.113ff., IV. Wie die Hypnosebilder zu deuten sind, Bd.31, Die Blaue Eule Verlag, Essen 2002, ISBN 3-89206-016-9
  • ebenso,Pathognostische Studien, VIII, Importune Philosophie-Regresse auf die Psychoanalyse, S. 47, Annäherungen an Adolf Bierbrauers "Hypnosebilder", Bd. 32, Die Blaue Eule Verlag, Essen 2003, ISBN 3-89924-065-0
  • Klaus Sebastian, Botschaften aus dem Unterbewußtsein, Rheinische Post, 29. Januar 2003

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