Akkommodation (Religion)

Unter missionarischer Akkommodation oder Adaption versteht man die Anpassung einer durch Mission neu eingeführten Religion an die vorgefundenen gesellschaftlichen Verhältnisse. In der protestantischen Theologie wurde dafür oft der Begriff Einwurzelung verwendet. Ab 1975 begann sich der Terminus Inkulturation, auch wegen der Ähnlichkeit mit dem Wort Inkarnation, durchzusetzen.

Die Akkommodation kann in einer Angleichung an die äußeren Lebensformen (Kleidung, Nahrung, Wohnung), an die Sprache (Verwendung der Landessprache oder einer Kultsprache wie Latein), an die Ästhetik und Kunst (Baukunst, Malerei, Musik), an die sozialen Gewohnheiten und Rechtsnormen oder an die philosophisch-religiöse Denkart bestehen.

Bei der christlichen Mission übernahm die Kirche im Altertum weitgehend die Sitten der damaligen Zeit; in der Forschung wurde dazu der Begriff Germanisierung des Christentums diskutiert. Im Mittelalter wurden bei der Mission viele vorgefundene Bräuche durch christliche Bräuche ersetzt. Im Laufe der Zeit wurden die Tendenzen immer stärker, die religiösen Formen in allen Völkern zu vereinheitlichen. Die Theologie wurde durch die Scholastik auf der griechischen aristotelischen Philosophie aufgebaut. Diese Fixierung bereitete bei der Missionierung in der Neuzeit die größten Probleme.

In der römisch-katholischen Kirche waren die 1534 gegründeten Jesuiten bei ihren Missionen in China (Matteo Ricci, Johann Adam Schall von Bell) und Indien (Roberto de Nobili) am großzügigsten bei der Anpassung an die vorgefundenen Bräuche. Da andere Missionsorden wie Dominikaner, Franziskaner und Augustiner eine Akkommodation weitgehend ablehnten, kam es zum Ritenstreit. Papst Benedikt XIV. entschied sich dabei 1742 und 1744 gegen die Jesuiten.

Siehe auch

Literatur

  • Johannes Bettray: Die Akkommodationsmethode des P. Matteo Ricci SJ. in China. Universita Gregoriana, Rom 1955 (Analecta Gregoriana. Series Facultatis Missiologicae. Sectio B, 76, 1, ZDB-ID 1140510-7).
  • Basilius Doppelfeld: Ein Gott aller Menschen. Vier-Türme-Verlag, Münsterschwarzach 1991, ISBN 3-87868-425-8 (Münsterschwarzacher Kleinschriften 65).
  • Monika Gänßbauer (Hrsg.): Christsein in China. Chinesische Stimmen aus Kirche und Forschung. Evangelisches Missionswerk in Deutschland, Hamburg 2000 (Blaue Reihe 6, ISSN 1436-2058).
  • Klaus Gantert: Akkommodation und eingeschriebener Kommentar. Untersuchungen zur Übertragungsstrategie des Helianddichters. Gunter Narr Verlag, Tübingen 1998 ISBN 3-8233-5421-3 (ScriptOralia 111), (Zugleich: Freiburg (Breisgau), Univ., Diss., 1997) Google Bücher.
  • Paulus Gordan (Hrsg.): Evangelium und Inkulturation. (1492–1992). Styria, Graz u. a. 1993, ISBN 3-222-12193-1.
  • Andreas Lienkamp, Christoph Lienkamp (Hrsg.): Die „Identität“ des Glaubens in den Kulturen. Das Inkulturationsparadigma auf dem Prüfstand. Echter, Würzburg 1997, ISBN 3-429-01922-2.
  • Monika Pankoke-Schenk, Georg Evers (Hrsg.): Inkulturation und Kontextualität. Theologien im weltweiten Austausch. Festgabe für Ludwig Bertsch zum 65. Geburtstag. Knecht, Frankfurt am Main 1994, ISBN 3-7820-0705-0
  • Walter Puchner: Akkommodationsfragen. Einzelbeispiele zum paganen Hintergrund von Elementen der frühkirchlichen und mittelalterlichen Sakraltradition und Volksfrömmigkeit. tuduv, München 1997, ISBN 3-88073-556-5 (Kulturgeschichtliche Forschungen 23).

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