Globus

Globus
Erdglobus – Globus Blaeu im Staatlichen Historischen Museum in Moskau

Ein Globus (Mehrzahl: die Globen oder Globusse; lateinisch für Kugel) ist in der Kartografie ein verkleinertes, kugelförmiges Modell der Erde (terrestrischer Globus oder lat. Globus terrestris), eines Himmelskörpers oder der scheinbaren Himmelskugel. Globen und Luftbilder gehören zu den kartenverwandten Darstellungen. Dementsprechend unterscheidet man Himmelsgloben und Planetengloben (Erdgloben und Globen erdnaher „Planeten“: meist Mond, Venus oder Mars). Himmelsgloben, die den Sternenhimmel auf der scheinbaren Himmelskugel (scheinbarer Sternhimmel) zeigen, haben eine ältere Geschichte als Erdgloben. Bis zum 19. Jahrhundert wurden Globen meist paarweise hergestellt: Ein Erdglobus und ein dazugehöriger Himmelsglobus.

Globenverwandte Instrumente sind Armillarsphären, Planetarien (Planetenmaschinen, Tellurien (ein Sonderfall der Orrery-Planetenmaschine – eine Planetenmaschine der Erde). Eine Armillarsphäre stellt jedoch trotz ihrer Kugelgestalt keinen Globus dar, sondern diente der Messung von Koordinaten am Himmel oder der Darstellung der Bewegung von Himmelskörpern.

Der große Vorteil gegenüber einer Karte ist, dass der Globus gleichzeitig form-, flächen-, winkel- und längengetreu ist. Diese Eigenschaften kann die Karte nicht gleichzeitig erfüllen, da sich die Fläche einer Kugel nicht auf einer ebenen Fläche abrollen lässt. Ein weiterer Vorteil der Globen ist die Anschaulichkeit etwa bei der Darstellung längerer Flugrouten und Schiffsrouten. Nachteile des Globus gegenüber der Karte sind umständliche Lagerung und Transport, höherer Preis, meist kleinerer Maßstab und die Unmöglichkeit der Betrachtung der gesamten Erdoberfläche auf einen Blick. Wenn von einem Globus gesprochen wird, ist vorzugsweise ein Erdglobus oder umgangssprachlich die Erde selbst gemeint (Beispiel: „um den Globus reisen“).

Erdglobus
Himmelsglobus

Inhaltsverzeichnis

Entstehungsgeschichte

Antike und Mittelalter

Atlas Farnese

Nach römischen Quellen soll um 150 v. Chr. Krates von Mallos den ersten Erdglobus gebaut haben. Bereits Eratosthenes (* ca. 276 v. Chr.; † 194 v. Chr.) kannte die Kugelgestalt der Erde und beschäftigte sich mit der Bestimmung des Erdumfangs. Im Mittelalter glaubten manche Christen an eine scheibenförmige Erde, da in ihrer „heiligen Schrift“ von den „vier Enden der Welt“ die Rede ist. Cicero beschrieb in seiner Schrift De re publica die Verwendung eines Himmelsglobus durch Archimedes (*287 v. Chr., † 212 v. Chr.).

Ein noch erhaltener antiker Himmelglobus aus der Zeit um 150 n. Chr. ist als Teil einer Skulptur (Atlas Farnese) im Archäologischen Nationalmuseum Neapel zu sehen. Es handelt sich um die römische Kopie einer griechischen Arbeit.

Der älteste erhaltene Himmelsglobus, der Mainzer Himmelsglobus, ist römischen Ursprungs und aus dem 2. Jahrhundert n. Chr. Der kleine Globus aus Bronze mit 11 cm Durchmesser (heute im Römisch-Germanischen Zentralmuseum, Mainz) hat vermutlich den Schattenstab einer Sonnenuhr geziert. Ungefähr zu dieser Zeit hat auch Ptolemäus die Herstellung solcher Globen beschrieben.

Der erste Erdglobus der Alten Welt wurde wahrscheinlich im Mittelalter von arabischen Kartografen und Astronomen angefertigt, die im Dienst des Abbasiden-Kalifen Al-Maʾmūn standen. Die Herstellung eines Himmelsglobus beschreibt gegen Ende des 10. Jahrhunderts Gerbert von Aurillac in einem Brief.[1]

Darstellungen der Erde und des Universums tauchten seit der Römerzeit immer wieder auch auf Münzen und Medaillen auf. Im 16. Jahrhundert verschwand die Darstellung von Globen auf Münzen weitgehend, um dann im 17. Jahrhundert eine besonders starke Verbreitung zu finden. Das fiel insbesondere in die Jahre 1670 bis 1720, als Globen in Europa besonders populär wurden.

15. Jahrhundert

Mit dem Zeitalter der Entdeckungen begann die große Zeit der Globenherstellung. Bereits 1477 hatte Donnus Nicolaus Germanus für Papst Sixtus IV. den ersten belegten Erdglobus der Neuzeit angefertigt. Die Globen wurden meist in lateinischer Sprache beschriftet, der Sprache der Wissenschaft zu jener Zeit.

Der Mathematiker und Kardinal Nikolaus von Kues interessierte sich für Astronomie und kaufte 1444 je einen in Nürnberg gefertigten hölzernen und einen kupfernen Himmelsglobus. Nürnberg war zu jener Zeit das erste große Zentrum der Globenherstellung in Europa.

Der älteste heute noch erhaltene Erdglobus ist Martin Behaims Erdapfel, welcher 1492 von Martin Behaim in Nürnberg geschaffen wurde und heute im Germanischen Nationalmuseum in Nürnberg aufbewahrt wird.

In der New York Public Library ist ein Globus aus dem Jahr 1506 ausgestellt.

1507 schuf Martin Waldseemüller einen Globus, der America zeigte. Sein Schüler Johannes Schöner, ebenfalls ein berühmter Kartograf, fertigte in Bamberg ebenfalls Erd- und Himmelsgloben an.

Ein anderer früher Globus war der Hunt-Lenox Globus, ca. 1507. Es wird angenommen, dass er die Quelle für den Ausspruch „Hic sunt dracones“ („Hier sind Drachen“) ist. 1541 brachte Gerhard Mercator in Duisburg seinen ersten Globus heraus, der sich über Jahrzehnte in großen Stückzahlen verkaufte.

Ein weiterer Erdglobus wurde 1570 von Taqi al-Din an seiner Sternwarte in Istanbul gebaut.

16. Jahrhundert

Globenhersteller Jodocus Hondius auf einem Stich des Jahres 1619 mit einem Erdglobus

Im frühen 16. Jahrhundert wurden grafische Reproduktionsverfahren eingeführt und ermöglichten so die Serienfertigung von Globen. Die Globusstreifen, sphärische Zweiecke (Globuszwickel), wurden auf Papier gedruckt, das dann auf den Globus geklebt wurde. Der Druck erfolgte mittels Hochdruckverfahren des Holzschnitts, seit Mitte des 16. Jahrhunderts dann mittels Tiefdruckverfahren des Kupferstichs und seit Anfang des 19. Jahrhunderts mittels Steindruck (Lithografie).

Den ersten gedruckten Globusstreifen stellte Martin Waldseemüller 1507 her. Ein anderer berühmter Kartograf und Globenhersteller jener Zeit war Johann Richter (latinisiert: Johannes Praetorius) in Nürnberg.

Im 16. Jahrhundert zeichneten sich Fracastori, Gemma Frisius, Gerhard Mercator und Jodocus Hondius durch die Konstruktion von Erdgloben aus.

Mit dem Aufstieg der Niederlande zur See- und Handelsnation stieg gegen Ende des 16. Jahrhunderts die Nachfrage nach Globen stark an. Reiche Kaufleute und Kapitänsfamilien hatten den Wunsch, die Routen der Seefahrer nachzuverfolgen. Amsterdam wurde Ende des 16. Jahrhunderts zum Herstellungszentrum für immer bessere geografische Karten, Globen und Navigationsinstrumente. Die Familie Blaeu etablierte eine Dynastie von Kartografen, die einige Jahrzehnte bestand. Der Begründer war Willem Blaeu, ein Astronom, der zusammen mit Tycho Brahe studiert hatte. Ein Konkurrent der Familie Blaeu war unter anderem der Kartograf Johannes Janssonius.

Die Globenherstellung in England begann mit Emery Molyneux († 1598), der 1592 mit großer finanzieller Unterstützung ein Paar große Globen schuf, auf denen insbesondere die englischen Unternehmungen zur See dargestellt wurden. Seine Globen wurden sehr zahlreich hergestellt. Ein Globenpaar wurde Elisabeth I. zum Geschenk gemacht. Sein einziges erhalten gebliebenes Globenpaar ist im Petworth House in Petworth, West Sussex ausgestellt. Der Globus war erst 1950 wiederentdeckt worden.

In Italien fertigten 1561 die Brüder Giulio und Livio Sanuto (* 1520; † 1576) einen Globus an, von dem heute einige Globussegmente erhalten sind. Aus den Maßen der Globussegmente lässt sich schließen, dass dieser venezianische Erdglobus einen Durchmesser von 68,6 cm hatte und einen Umfang von ca. 216 cm. Diese Globussegmente sind als Holzheimer Globussegmente (engl. Holzheimer Globe Gores) bekannt, da sie sich in der Sammlung von Arthur Holzheimer befinden. Es handelt sich wahrscheinlich um die größten gedruckten Globussegmente des 16. Jahrhunderts. Der Erdglobus des venezianischen Geografen Livio Sanudo wurde 2008 im Magazin des Museo Correr in Venedig wiederentdeckt.

17. Jahrhundert

Im 17. Jahrhundert legte man besonders Wert auf große Globen. Zu den bedeutendsten Globenherstellern des 17. Jahrhunderts zählten:

Im 17. Jahrhundert verschoben sich die Kräfte in Europa von den Niederlanden nach Frankreich und entsprechend verschob sich auch der Schwerpunkt der kartographischen Produktion und der Globenherstellung. Ende des 18. Jahrhunderts waren dann die britischen Kartographen führend.

Die anderen Zentren der Globenherstellung waren zu jener Zeit:

Der kleine Maßstab der Globen bedingt eine nur grobe Darstellung des Kartenbildes. Deshalb waren sie für Navigationszwecke ungeeignet. Jedoch wurden im 17. und 18. Jahrhundert Himmelsgloben als Standardausrüstung auf niederländischen Schiffen mitgeführt.

18. Jahrhundert

Ein Tischglobus von 1765, der eine fiktive Nordwestpassage zeigt.

Im 18. Jahrhundert waren die wichtigsten Zentren der Globenherstellung:

Die Globenherstellung erweiterte sich. Es wurden mehr Globen hergestellt und an immer mehr Orten. Die Globen wurden erschwinglicher, waren aber nicht mehr so kunstvoll gestaltet, sondern sachlicher und schmuckloser.

Die in früheren Jahrhunderten übliche Verzierung des Kartenbildes (Fabelwesen, Schiffe, Mootive aus der Seefahrt, Flaggen) verschwand immer mehr. Stattdessen fanden sich immer mehr geografische Angaben auf den Globen, die von neuen Entdeckungen zeugten, es wurden Seerouten auf den Globen eingetragen, Meeresströmungen und Tiefen. 1779 erschien das damals sehr populäre Buch A New and easy Guide to the Use of the Globes von Daniel Fenning.

Das alles war auch dem Einfluss der Aufklärung zu verdanken. In unerforschten Gebieten wurden keine geographischen Phantasieeintragungen mehr vorgenommen, sondern diese wurden als weiße Flecken auf der Karte belassen. Da durch die vielen Entdeckungsreiseen die geografischen Kenntnisse von der Erdoberfläche immer detaillierter wurden, wurden auch die Erdgloben immer besser. Beispielsweise brachten viele Globenhersteller nach dem Fahrten von James Cook verbesserte Neuauflagen ihrer Globen heraus.

Auf den Himmelsgloben tauchten viele neue Sternbilder auf.

Um 1780 übertrafen die britischen Globenmacher mit ihrem Können und geografischen Informationen die Globenverlage anderer Länder. Großbritannien war zu jener Zeit ein wichtiges Handelszentrum geworden und wurde auch ein Zentrum der Bildung und der wissenschaftlichen Erkenntnis. Bekannt waren beispielsweise der britische Globenverlag „Newton & Son“ (John Newton; *1759; † 1844), W. & S. Jones (William & Samuel Jones), George Philip & Son, John and William Cary. Als Qualitätssiegel gab es für die Firmen den Titel „Globe & Math Instrument Makers to the King“.

19. Jahrhundert

Im 19. Jahrhundert wurde der Globus zur standardisierten, industriellen Massenware, die in Gewerbebetrieben in Serienproduktion gefertigt wurde. Durch technische Neuerungen wurde die Herstellung der Globen billiger und präziser. Die Reproduktion der einzelnen Steifen für den Globus erfolgte jetzt mittels Lithografie statt mit dem bisher üblichen Kupferstichverfahren, zuerst handkoloriert, durch Farblithografie ab Mitte des 19. Jahrhunderts nochmals wesentlich billiger. Dies begünstigte auch die Verbreitung der Schulgloben, die als Anschauungs- und Demonstrationsobjekte eingesetzt wurden. Ende des 19. Jahrhunderts wurden Maschinen erfunden, die hohle Halbkugeln aus Karton pressten.

20. Jahrhundert

Kunststoff-Globus mit englischer Kartenschrift

Im 20. Jahrhundert ging man auch wegen des großen Bedarfs an Schulgloben von der Serien- zur Massenproduktion der Globen über, die nur noch wesentliche geografische Merkmale zeigten und von Einrichtungsgegenständen zu reinen Lehrmitteln und Demonstrationsobjekten wurden. Es wurden fast nur noch erschwingliche Erdgloben durch Tiefziehen von thermoplastischen Kunststoffen hergestellt.

Aufbau und Herstellung

Früher bestand der Globus meist aus zwei hohlen Halbkugeln aus Pappmaché. Der Globuskörper wurde dann aus den hohlen Halbkugeln zusammengefügt. Dieses Herstellungsverfahren war vom 16. Jahrhundert bis zu den 1950er Jahren am meisten verbreitet. Bis Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Pappmaché-Kugel zusätzlich noch mit einer dünnen Gipsschicht überzogen, die ganz glatt geschliffen wurde. Um den Herstellungspreis zu reduzieren, wurde dann auf den traditionellen Gipsüberzug verzichtet.

Im Inneren wurde die Globuskugel durch einen Holzstab verstärkt, durch den auch die Drehachse geführt wurde.

Globuskartennetz

Der Globus gibt nur die ideale Erdkugel wieder, nicht jedoch die Erdfigur (Geoid) mit der Erdabplattung, da sie mit einem Wert von 1:300 des Äquatordurchmessers auf einem 30-cm-Globus nur 1 mm beträgt. Moderne Globen sind meist mit einem groben Netz aus Längenkreisen und Breitenkreisen in Abständen von 10° versehen, bei kleinern Globen auch in Abständen von 20° oder 30°. Des Weiteren sind meist der Äquator, die Wendekreise und die Polarkreise eingezeichnet.

Globusmaßstab und Größe

Begehbarer Riesenglobus Great Globe von James Wyld („Georama“)
«Great Globe» aus Kalkstein im Durlston Country Park in Swanage (England) von 1887

Der Globusmaßstab ist der Maßstab eines Globus. Globen mit einem Durchmesser von 25 cm haben einen Maßstab von 1:50 Millionen. Bei einem Durchmesser von 50 cm beträgt der Maßstab 1:25 Millionen. Der typische Maßstab für einen Erdglobus beträgt 1:40 Millionen.

Je nach Größe und Art des Globus bezeichnet man ihn als Taschenglobus, Tischglobus, Standglobus oder Riesenglobus. Ein gebräuchlicher Tischglobus hat etwa einen Durchmesser von 25–30 cm.

Der wohl kleinste Globus mit 60 Mikrometer Durchmesser wurde im Februar 2004 von der japanischen Firma NTT DoCoMo vorgestellt[2] [3].

Es wurden im Laufe der Geschichte zahlreiche größere Globen oder Globenpaare (Erd- und Himmelsglobus) für Könige und Fürstenhäuser gebaut. In neuester Zeit dienen große Globen als Werbemittel und Blickfang.

Hier folgt eine Auflistung von Riesengloben, sortiert nach Durchmesser:

Durchmesser Bemerkung
1,75 m Ein Globenpaar von Vincenzo Coronelli geschaffen für den Herzog von Parma.
3,00 m Der aus 15 Steinstücken bestehende Große Globus (engl. «Great Globe») von Swanage zählt zu den größten Steinkugeln der Welt, die aus Kalkstein hergestellt wurden
3,00 m Auf dem Piazzale del Impero in Rom am Sphärenbrunnen befindet sich der größte aus einem Stück Naturstein hergestellte Globus, der aus Carrara-Marmor besteht
3,11 m Gottorfer Riesenglobus – erbaut 1650–1664 von Adam Olearius in Schleswig für Friedrich III. von Schleswig-Holstein-Gottorf (1597–1659); Der Globus war drehbar und begehbar. Außenhülle Erdglobus und innen Himmelsglobus.[4]
3,84 m Ein Globenpaar von Vincenzo Coronelli geschaffen für den französischen König Ludwig XIV., das sich heute im Besitz der französischen Nationalbibliothek befindet. Seit Anfang des 20. Jahrhunderts war es reparaturbedürftig in der Orangerie von Versailles eingelagert. Nach der Restaurierung wird es seit Oktober 2006 in der Westhalle der Bibliothek präsentiert.
7,75 m Riesenglobus von VANDERMAELEN, Philippe M.G. (1795-1869) - ein Globus wurde in Brüssel im 1830 gegründeten "Établissement Geopgraphique de Bruxelles" ausgestellt. Dieser Globus könnte reproduziert werden, sofern man alle 386 Karten des "Atlas universel de géographie physique, politique, statistique et mineralogique" zusammensetzen würde. Dieser Atlas war der erste, der alle Karten in gleichem Maßstab zeigt, die Karten zeigen nur die Landmasse. Gedruckt in Brüssel zwischen 1825 und 1827, erster Atlas, der komplett in Lithographie (von Henri Ode) gedruckt wurde.
8,53 m Riesenglobus am Babson College in Wellesley, Massachusetts[5] (drehbar, 26 t; unter freiem Himmel)
10 m Globe of Peace (Mappamondo della Pace) in Pesaro, Italien. Er war bis 1999 der weltweit größte Globus.
10 m Mercateum in Königsbrunn im Landkreis Augsburg. Er ist der größte auf historischer Kartografie beruhende Globus der Welt.
12,52 m Der weltweit größte drehbare Globus ist Eartha. Er hat einen Durchmesser von 12,52 Metern, eine Gewicht von 2721 kg und einen Globusmaßstab von 1:1 Mio. Er wurde vom Verlag DeLorme in Yarmouth in Maine (USA) im Jahre 1998 gebaut.[6]
36,57 m Unisphere ist ein großer Globus, der im Flushing-Meadows-Park im nördlichen Queens, New York City (USA) steht.

Das Mapparium in Boston ist ein drei Stockwerke hoher Glasglobus, der von einer Zuschauerbrücke aus betrachtet wird. Ein weitere Riesenglobus steht in der Lobby des Daily News Buildings in New York, er wurde 1930 hergestellt.

Weitere bedeutende oder bekannte Globen

Sonderformen

In Duisburg erinnern zahlreiche Globus-Skulpturen an das Leben und Werk Gerhard Mercators. Dieser hier steht am südlichen Stadteingang in Huckingen (Richtung Düsseldorf).

Es gibt auch freischwebende Globen (Schwebeglobus), welche mit Hilfe eines Mechanismus aus Magneten frei im Raum schwebend gehalten werden. Für den repräsentativen Publikumsbereich wurde mit Luxesse ein Globus mit integriertem Antrieb konzipiert, der optisch frei schwebend in einer Säule aus gegossenem Acrylglas rotiert.

Gestell

Globus mit vierbeinigem Gestell. Der Kompass am Fuß ist gut zu erkennen.
Globus auf senkrechter Erdachse (Paris, um 1890)

Die alten Globen wurden traditionell auf teure, vierbeinige hölzerne Gestelle montiert. In neuerer Zeit ging man mit der Massenproduktion zur Montage der Globen auf der billigeren Säulenhalterung mit rundem Standfuß (Rundfuß, „Trompetenfuß“) über. Die wissenschaftliche Funktion der Globen ging Ende des 19. Jahrhunderts verloren, weshalb auch die Globengestelle wesentlich reduziert werden konnten. (siehe oben: Der Globus als Wissenschaftliches Instrument)

Die alten traditionellen Halterungen für die großen Standgloben bestanden aus einem hölzernen horizontalen Ring (Äquatorring), der auf vier Füßen ruhte. Der Globus lag zur Hälfte oberhalb und unterhalb des Äquatorrings. Auf diesem Äquatorring war ein weiterer Ring vertikal angebracht – der Meridianring. Der Meridianring war anfangs ebenfalls aus Holz, bei jüngeren Globen dann meist aus Messing, er ließ sich innerhalb des Äquatorrings drehen. Im Meridianring war der Globus mittels einer Drehachse angebracht. Diese Konstruktion erlaubte es, den Globus in alle Richtungen zu drehen und zu schwenken, so dass er so positioniert werden konnte, dass zwei beliebige Orte auf dem Globus auf dem Äquatorring zu liegen kamen. Der Äquatorring trug meist mehrere Skalen für Winkel, Stunden und Entfernungen. Diese konnten dann nach der gewünschten Positionierung des Globus direkt zwischen zwei Orten auf dem Globus abgelesen werden. Äquatorring und Meridianring werden bei Globen als Armierung bezeichnet. Ebenfalls zur Armierung zählt ein Kompass (meist ein Trockenkompass), der gewöhnlich zwischen den Füßen des Gestelles angebracht ist.

Zusätzlich zur Armierung gehört zur Ausrüstung älterer Globen auch manchmal einen biegsamen Blechstreifen aus Messing, der wie ein Lineal auf dem Globus benutzt wird. Damit wird der Abstand zwischen zwei Punkten gemessen, die nicht auf dem Äquator oder auf dem gleichen Meridian liegen.

Die Gestelle der alten Globen hatten auch einen nicht zu unterschätzenden dekorativen Aspekt. Die Atlasfigur ist ein beliebtes Motiv, das gelegentlich in Halterungen antiker Globen integriert ist. Atlas ist ein griechischer Riese, der das Himmelsgewölbe auf seinen Schultern trägt.

Weit verbreitet ist das Drehgestell, bei dem der Globus mittels einer Achse, die durch seine beiden Pole läuft, befestigt wird. Der Globus ist drehbar auf dieser Achse montiert. Diese auf einem Standsockel befestigte Drehachse ist meist um 23,5° gegenüber der Senkrechten geneigt, um die Bahnebene (Ekliptik) der Erde um die Sonne zu veranschaulichen. So lässt sich auch der Verlauf der Jahreszeiten und der Verlauf eines Tages anschaulicher demonstrieren. Ältere Globen haben jedoch auch manchmal eine genau senkrecht stehende Drehachse.

Seltener sind Globen mit einer kardanischen Aufhängung.

Rollgloben haben eine lose auf einem Sockel liegende Globuskugel, die in zwei gekreuzten Quadranten ruht. Die Messskala am Quadranten erlaubt die Entfernungsmessung zwischen zwei beliebigen Punkten auf der Erde. Die Messskala ist oft mit mehreren Einheiten skaliert (Nautische Meilen, Stundenskala, Winkelskala).

Einige hochwertige moderne Globen haben einen "Datumsrechner" am Stativ, um die Position der Erde und den Sonnenstand für jeden Tag des Jahres und für jede Tageszeit exakt einstellen zu können.

Globus mit Dreh-Schwenk-Halterung

Globen mit einer Dreh-Schwenk-Halterung lassen sich in alle Richtungen drehen. Hierbei durchstößt die interne Drehachse des Globus nicht die beiden Pole, sondern sie wird durch einen seitlichen Schwenkarm gehalten, der den Globus im Äquatorbereich „durchsticht“. Damit der Schwenkarm den Globus am Äquator durchdringen kann, ist der Globus in eine Nord- und Südhalbkugel zerteilt. Dazwischen liegt ein mehrere Millimeter breiter Spalt, durch den der von der Seite kommende Schwenkarm zur internen Globusachse geführt wird.

Stehaufgloben haben ein Gestell, das nach dem Prinzip des Stehaufmännchens gestaltet ist. Durch den schweren, abgerundeten Standfuß richtet sich das Gestell mit dem Globus immer wieder auf, nachdem es nach unten gedrückt wurde.

Segmenttechnik

Zweiecke für einen Erdglobus von Martin Waldseemüller (um 1470–1522)

Bis zur Einführung der Kunststoffgloben war das Handkaschieren von Globen das einzige Herstellungsverfahren. Bei dieser althergebrachten traditionellen handwerklichen Technik der Globenherstellung werden Globussegmente von Hand auf eine Kugel aufkaschiert (mit der Karte belegt) und mit Lack versiegelt.

Um Überlappungsfehler zu vermeiden, werden die nicht verzerrungsfreien Segmente möglichst schmal gewählt, sie sphärischen Zweiecke (die Globusstreifen; engl. gores ) decken meist 30° Längenunterschied ab. So wird der Globus gewöhnlich mit 12 mit Schnittstanzen ausgeschnittenen Zweiecken beklebt. Dabei wird darauf geachtet, dass die Schnittstellen der sich geringfügig überlappenden Globussegmente nicht auf den eingezeichneten Meridianlinien liegen, sondern dicht daneben. Bei sehr großen Globen werden diese Zweiecke nochmals am Äquator geteilt. An den Polen wird oft noch ein zusätzliches kreisrundes Kartenstück aufgeklebt (Polkappe; engl. polar calottes), um so an dem Punkt, an dem die 12 Segmente zusammenlaufen eventuelle unsaubere Überlappungen zu verbergen.

Die Karten der Globussegmente werden beispielsweise in der querachsigen abstandstreuen Azimutalprojektion gedruckt.

Früher wurden auf eine Holzkugel (die sich aber leicht im Laufe der Zeit verzog) in Handarbeit erstellte Kartensegmente aufgebracht und so zu einem Globus zusammengesetzt.

Tiefziehtechnik

Ein halber Globus aus Kunststoff, so wie er aus der Formmaschine kommt.
Die beiden Globushälften nach dem Abschneiden der nicht benötigten Ränder

Heute werden Kunststoffgloben als Massenprodukt aus thermoplastischen Kunststoffen hergestellt. Eine Kunststoffplatte wird mit einem verzerrten Kartenbild (Zerrdruck) bedruckt und in einer Pressmaschine durch Hitze in eine Halbkugel geformt, wobei das verzerrte Kartenbild in die unverzerrte Form gebracht wird. Der überstehende Rand der Platte wird weggeschnitten und die separaten Halbschalen für die Nord- und Südhalbkugel werden zur Globuskugel zusammengefügt.

Bei einem anderen Herstellungsverfahren wird eine Kunststofffolie mit der verzerrten Karte bedruckt, dann mittels Vakuum tiefgezogen und danach unter Druck mit Acryl hinterspritzt. Auch das Hinterfüttern der dünen tiefgezogenen Folie mit Hartschaum wird angewendet.

Globen werden auch aus Acrylglas und selten aus Glas gefertigt.

Obwohl heute die Tiefziehtechnik bei der Globenherstellung das dominierende Verfahren ist, werden jedoch auch weiterhin die teureren handkaschierten Globen hergestellt.

Moderne Kartongloben

Für die Herstellung moderner Globen aus Karton wird eine Folie, die mit dem Kartenbild der Nordhalbkugel bzw. der Südhalbkugel bedruckt ist, mit einer Schicht Karton verklebt und dann ausgestanzt.

Zusammen mit einer zweiten Lage ausgestanzten Kartons gleicher Form und mit einer Klebeschicht dazwischen wird alles zusammen in einer Presse unter zusätzlicher Hitzeeinwirkung zu einer hohlen Halbkugel gepresst. Die Ränder der Halbkugel sind um ca. ein bis zwei Zentimeter länger, als für den späteren Globus erforderlich. Dieser etwas zu lange Rand der Halbkugel wird genau entlang des Äquators abgeschnitten, da sich so die größte Genauigkeit erzielen lässt. Abschließend werden Nordhalbkugel und Südhalbkugel des Globus zusammengesetzt, wobei zur Verstärkung ein zusätzlicher ca. zwei Zentimeter breiter Kartonring im Globus entlang des Äquators eingeklebt ist. Dieser Ring gibt dem Globus noch eine zusätzliche Stabilität. Abschließend wird die schmale Stoßfuge zwischen den Halbkugeln entlang des Äquators mit einem schmalen Klebeband verklebt, das gleichzeitig mit einer Längeneinteilung versehen ist[7].

Bedeutende Herstellerfirmen

Früher wurden Globen nur für Fürstenhäuser und Königshäuser hergestellt, da dies sehr aufwändig und teuer war. Heute sind Globen ein Artikel wie viele Andere und stehen in zahlreichen Wohnungen.

  • COLUMBUS Verlag in Krauchenwies (Deutschland)
  • Geographisch Artistische Anstalt Ludwig Julius Heymann, Ludwig Julius Heymann (tätig ca. 1860 – 1910), die Globussegmente dazu wurden von Prof. Dr. Henry Lange (1821 – 1893) entworfen.
  • Räthgloben 1917 in Leipzig

Deutsche Globenverlage waren die Verlage von:

  • Ludwig Julius Heymann,
  • Simon Schropp & Comp.,
  • Ernst Schotte,
  • Dietrich Reimer
  • Peter und Paul Oestergaard

Kartuschen

Kartusche - mit einer Widmung in der unteren Hälfte: "Erdglobus - durchgesehen und korrigiert nach den letzten Beobachtungen und den besten Karten - Gewidmet dem König - durch seinen sehr unterwürfigen und sehr gehorsamen Diener und sehr treuen Untertanen Desnos. Mit dem Privileg des Königs. - 1765"

So wie viele historische Karten haben besonders ältere Globen eine mehr oder weniger dekorativ gestaltete Kartusche, aus der der Titel und eventuell der Name des Autors, Verlages, der Maßstab und/oder das Herstellungsjahr hervorgeht.

Bei einer Widmungskartusche steht in der oberen oder unteren Hälfte wem dieser Globus gewidmet ist (häufig einem König oder anderen Herrscher). Da dieser zur Zeit der Anfertigung des Globus noch nicht immer feststeht, wird diese Hälfte der Widmungskartusche oft vorerst frei gelassen.

Verschiedene Globustypen

Es gibt Globen der Sternbilder (Himmelsgloben), des Mondes und anderer Planeten.

Bei Erdgloben werden unter anderem physische Globen und thematische Globen unterschieden. Physische Globen sind wie geographische (topografische) Karten gestaltet. Auf einigen ist auch der Meeresboden als geografische Karte dargestellt.

Thematische Globen sind hauptsächlich die politischen Globen. Es gibt aber auch thematische Globen über die Geologie der Erde, Geotektonik, Klima, Wirtschaft oder Verkehr.

Manuskriptgloben

Manuskriptgloben (von Manuskript oder Handschrift) waren handgezeichnete Globen, bei denen auch alle Beschriftungen und Eintragungen von Hand vorgenommen wurden. Es handelte sich nicht etwa um handschriftliche Druckvorlagen, die dann später durch Druck vervielfältigt werden sollten. Diese Manuskriptgloben waren Einzelstücke. Erst viel später folgte die Serienfertigung und dann die Massenproduktion der Globen.

Einige Globen wurden auf Stein-, Metall- oder Elfenbeinkugeln gefertigt. Auf solchen massiven Globen ist das Kartenbild manchmal plastisch hervorgehoben. Sie können graviert oder bemalt sein. Meist wurde das Kartenbild jedoch aus Papierstreifen aufgeklebt. Auch massive Holzkugeln oder hohle Halbkugeln aus Holz wurden verwendet.

Schulgloben

Arbeiten mit Schulgloben im Jahr 1899
Ein Induktionsglobus

Der Schulglobus wurde als Lehr- und Anschauungsmittel für den Schulunterricht eingesetzt, auch zur Erläuterung und Veranschaulichung geographischer Phänomene (Erdrotation, Sonnenstand, Wendekreis, Polarnacht, Corioliskraft, Zeitzonen, Sonnenuhren, Großkreise und Großkreisnavigation usw.). In Österreich wurden ab 1870 Globen als Lehrmittel an den allgemeinen Schulen eingesetzt.

Eine besondere Version ist der stumme Globus, auf dem lediglich das Gradnetz der Erde, die Konturen der Kontinente, die größten Flüsse und alle Landesgrenzen eingezeichnet sind, aber keinerlei Beschriftung (Ländernamen, Städtenamen, geografische Bezeichnungen) oder geografische Information. Auf diese Globen, die ohne eigentlichen Karteninhalt sind, können zu Lehrzwecken verschiedene Sachverhalte, z. B. mit Kreide oder Filzstift, aufgezeichnet werden. Es gibt auch stumme Globen, auf denen lediglich die Umrisse der Kontinente (ohne Ländergrenzen) eingezeichnet sind. Auf anderen didaktischen Globen sind die Kontinente und die Ozeane farblich deutlich voneinander abgehoben, um das Verhältnis zwischen Weltmeeren und Landmassen zu veranschaulichen. Auch gibt es Schulgloben, auf denen lediglich die einzelnen Kontinente in verschiedenen Farben dargestellt sind.

Eine weitere Version des stummen Globus ist der Induktionsglobus, der nur das Gradnetz der Kugel zeigt, so dass an ihm physikalisch mathematische Zusammenhänge gut erklärt werden können. Der Induktionsglobus wurde von Joseph August Brandegger in Ellwangen erfunden und diente zur praktischen Einführung in den mathematisch-geographischen Unterricht.


Leuchtgloben

Leuchtglobus mit Stromanschluss

Die Firma Räthgloben 1917 Verlag verkaufte 1921 die möglicherweise ersten Leuchtgloben, die auf einer Glaskugel gefertigt und von innen mit elektrischen Glühlampen beleuchtet waren. Ab den 1950er Jahren wurden die Leuchtgloben dann als Duo-Globen angeboten, die auf der Innenseite eine weitere Karteninformation hatten, die beim Einschalten der Beleuchtung sichtbar wurde. Je nach Hersteller zeigt der Globus im unbeleuchteten Zustand das politische oder physische Kartenbild und im beleuchteten Zustand das andere Kartenbild. Sie werden je nach Hersteller auch als Doppelbild-Leuchtglobus, Zweibild-Leuchtglobus oder Doppelleucht-Globus bezeichnet

Duogloben gibt es auch in einer Ausführung mit Tag- und Nachtdarstellung.

Eine weitere Variante des Leuchtglobus ist der Wechselbildglobus, bei dem in einem einzigen Globus Erdglobus und Himmelsglobus vereint sind.

Digitale Globen

Interaktiver sphärischer Globus

Digitale Globen, auch als virtuelle Globen bezeichnet, modellieren seit Ende des 20. Jahrhunderts die Erde dreidimensional. Im Gegensatz zum traditionellen analogen Globus haben digitale Globen ein nahtloses, verzerrungsfreies Kartenbild. Sie können eine wesentlich höhere Auflösung der Kartendarstellung erreichen als konventionelle reale Globen. Sie sind wesentlich aktueller, interaktiv und skalierbar. Beispiele für virtuelle Globen sind der World Wind Globus der NASA, Google Earth, Marble oder der 3D-Globus von National Geographic.

Projektionsglobus

Seit April 2007 gibt es im Swiss Science Center Technorama in Winterthur den Mega-Globus „Orbitarium“. Auf den 1,5 m große Globus werden hochauflösenden Videos mit Animationen projiziert, beispielsweise der Durchzug von Hurrikanen, Meeresströmungen, der Wechsel der Jahreszeiten, die Wanderung des magnetischen Pols oder der weltweite Luftverkehr.

Hypergloben

Ein "Hyperglobus" ist ein multimedialer Globus, der computerbasiert und mit dem Internet verknüpft ist und interaktiv vom Benutzer gestaltet werden kann. Dieser virtuelle Globus kann mit integrierten Texten, Bildern und Animationen, die auf die Bedürfnisse des Benutzers zugeschnitten sind, ausgestaltet sein.

Paläogloben

Hilgenbergs Globen zur Erdexpansion

Es gibt sogenannte Paläo-Globen, bei denen unter Berücksichtigung der Theorie der Erdexpansion, die besagt, dass die Erde vor ein paar hundert Millionen Jahren nur halb so groß wie heute war, die Erde entsprechend dargestellt wird. Alfred Wegener folgerte aus der genauen Passung der Küstenlinien von Südamerika und Afrika, dass sie einst zusammen einen größeren Kontinent gebildet haben müssen. Er rekonstruierte einen Superkontinent namens Pangäa, der alle bekannten Erdteile umfasste und aus dem Weltmeer herausragte. Paläo-Globen und Computeranimationen zeigen, dass mit den heutigen Kontinenten eine viel kleinere Erdkugel fast vollständig geschlossen werden kann. Die ersten Paläo-Globen stammen von Christoph Hilgenberg.

Weitere Globusarten

Himalaja auf einem 3 Meter großen Reliefglobus

Reliefgloben zeigen ein stark überhöhtes Relief der großen Gebirge. Bei einer maßstabgerechten Abbildung des Gebirgsreliefs würde auf einem Globus mit 60 cm Durchmesser der Mount Everest beispielsweise nur eine Höhe von 0,5 mm haben. Da bei Reliefgloben die Beschriftung auf einer unebenen Fläche erfolgt, ist sie stellenweise schlechter lesbar. Meist zeigen Reliefgloben auch das Meeresrelief. Die Überhöhung kann auch für unterschiedliche Höhenbereiche unterschiedlich gewählt werden. Beispielsweise bis 1000 m NN eine 60fache Überhöhung und darüber lediglich eine 40fache Überhöhung, sowie eine 40fache Überhöhung beim Relief der Ozeane. Eine billigere Alternative zu Reliefgloben sind Globen mit glatter Oberfläche, bei denen die Gebirge lediglich mit Reliefschummerung dargestellt sind. Für Sehbehinderte werden auch taktile Globen hergestellt.

Oft sind auf Globen auch die Meeresströmungen dargestellt, unterschieden nach kalten und warmen Meeresströmungen. Auch gibt es Globen bei denen, besonders am Meeresboden, zusätzlich noch die tektonischen Plattengrenzen eingezeichnet sind.

Taschenglobus von Charles Price 1716 hergestellt

Taschengloben (auch: Miniaturgloben oder Minigloben; engl.: Pocket globe; frz.: Globe de poche) haben einen Durchmesser von 5 bis 12 cm. Sie werden meist in einer Dose, Schachtel oder Kästchen geschützt transportiert und aufbewahrt. Taschengloben können auch aus edlen Hölzern, beispielsweise aus Mahagoni- oder Walnussholz, oder aus Elfenbein hergestellt sein.

Der Sackglobus ist eine Sonderform des Taschenglobus. Es handelt sich um einen aufklappbaren Taschenglobus, in dessen Inneren beispielsweise noch eine kleine, herausnehmbare Armillarsphäre verstaut ist.

Als Kosmoglobus bezeichnete Caspar Garthe 1827 einen aus zwei Glashalbkugeln hergestellten Himmelsglobus, in dessen Innern er eine hölzerne Erdkugel anbrachte[8].

Kartusche des Welt-Verkehrs-Globus im Überseemuseum Bremen

Weitere Globenarten sind Themengloben (beispielsweise Verkehrsgloben – mit eingezeichneten Strömen des weltweiten Schiffsverkerhs), Kindergloben (mit eingezeichneten typischen Tieren der Region), Globen aus Edelsteinen oder Perlmutt, Designergloben, Mondgloben.

Aufblasbare Globen sind besonders für sehr große Modelle der Erdkugel benutzt. Sie sind trotz ihrer enormen Größe noch leicht zu transportieren und passen im kollabierten Zustand noch durch normale Türen. Bei entsprechender Gasfüllung können sie auch als Fesselballon fliegen. Aufblasbare Globen sind manchmal auch so ausgeführt, dass die Wasserflächen transparent sind.

Klimagloben zeigen neben den Kontinenten auch ein starkes Wolkenbild auf der Erdkugel, ähnlich wie bei Satellitenaufnahmen.

Daneben gibt es auch Satellitenbildgloben, bei denen das Kartenbild aus Satellitenaufnahmen besteht, jedoch ohne Darstellung von Wolken.

Ein „Cutaway-Globus“ zeigt den inneren Aufbau von Erdmantel, -kruste und -kern. Er lässt sich teilweise öffnen, um in das Erdinnere zu „sehen“.

Ein Verkehrsglobus zeigt die Warenströme und Reisrouten von Luft- und Schiffahrtswegen.

Gut ausgestattete neuere Globen haben Zusatzfunktionen, wie:

Mechanischer Himmelsglobus von Jost Bürgi

Dekorative Globen können zur Verzierung und als symbolisches Element an Gebäuden angebracht sein, als Schmuck in Repräsentationsräumen, in Bibliotheken oder Arbeitszimmern von Gelehrten stehen. Auch in Kombination mit Uhren oder Buchstützen werden gelegentlich Globen als dekoratives Element verwendet.

Auch werden Antike Globen (Faksimile, Antikgloben-Replikate), Globen im antiken Stil oder Globen in Antikdesign in vereinfachter, billigerer Ausführung neu herausgegeben. Echte alte Globen werden über den Kunsthandel vertrieben.

Kartendarstellungen des Globus sind:

  • Planiglobus (Mehrzahl: Planigloben) – das ist die Abbildung einer Halbkugel der Erde in einem Kreisnetz.
  • Planisphäre – sie bildet die gesamte Oberfläche der Erdkugel in einer geschlossenen Form ab.

Sphärische Karten

Als Alternative zu Globen gibt es sphärisch gekrümmte Karten (Globussegment). Diese sphärischen Karten, die gewissermaßen ein Mittelding zwischen Globus und normalen (ebenen) Karten darstellen, fanden jedoch keine weite Verbreitung. Digitale Globen haben heutzutage solche sphärischen Karten überflüssig gemacht.

Dabei dient eine konvexe (sphärisch gekrümmte) Oberfläche (Kugelkalotte) als Kartenträger. Faktisch unterscheiden sich diese Karten nicht von einem sehr großen Globus, der in einzelne handliche Stücke zerschnitten wurde. Genauso wie auf einem Globus ist die Darstellung auf einer sphärische Karte flächen-, winkel- und längengetreu. Sphärische Karten können rechteckig oder kreisrund ausgeschnitten sein.

Einerseits wird so das Problem der Projektionsverzerrung planarer Karten umgangen und andererseits kann man die sphärisch gekrümmten Kartenblätter (meist aus Kunststoff) noch irgendwie praktisch lagern und transportieren und es ist billiger als ein Globus. So werden keine großen sperrigen Globen benötigt, um Karten im größeren Maßstab verzerrungsfrei darzustellen. Die Maße von großen Globen werden schon dadurch für den Transport problematisch, dass sie durch keine normale Tür (ca. 1 m breit) mehr passen, notfalls werden große Globen zum Transport in zwei Halbkugeln zerlegt.

Beispielsweise wurden im Science Museum of Minnesota in Saint Paul (Minnesota) 1941 zu didaktischen Zwecken sphärische Karten angefertigt, im Rahmen einer Ausstellung mit der Fragestellung: „Kann Amerika bombardiert werden?“. Es wurden mehrere sphärische Karten zu einem „Atlas of spherical maps“ zusammengestellt, der 56 x 66 cm (22 x 25 inch) maß. Der Maßstab entsprach einem Globus von 3 m Durchmesser. An diesen sphärischen Karten konnte das Besucherpublikum Messungen der Reichweite von Bombern durchführen[9].

Die US-Army stellte erprobte die Herstellung sphärischer Karten im Maßstab 1:1 Mill. („design and production of spherical map sections displaying a portion of the globe at a scale of 1:1,000,000“[10].

Der Globus als wissenschaftliches Instrument

„Der Astronomen mit Himmelsglobus“ (von Jan Vermeer)

Erd- und Himmelsgloben dienten in früheren Jahrhunderten auch als wissenschaftliches Instrument zur Darstellung des geografischen und astronomischen Weltbildes und als Kommunikationsinstrument zum Austausch von Informationen. Er war ein Arbeitsinstrument für Astronomen und Navigatoren.

Gerhard Mercator beschrieb beispielsweise 1554 in einem Brief an Kaiser Karl V. wie die Orstmissweisung mit Hilfe eines Globus zu bestimmen sei („Invenire magnetis declinationem quodlibet loco per globum“ / „Wie man die Magnetische Abweichung an einem beliebigen Ort mit Hilfe des Globus findet“)[11].

Wenn der Globus über eine komplette Armierung als zusätzliche Messeinrichtung verfügte, also mit Horizontring, Meridianring, Mittagsring, Stundenring (er war am Nordpol des Globus angebracht und hatte meist einen separaten Stundenzeiger; seltener war der Stundenring am Äquator angebracht), Höhenquadrant und Kompass ausgerüstet war, dann konnte er als „Analogrechner“ für wissenschaftliche Berechnungen für geografische und astronomische Fragestellungen der sphärischen Geometrie herangezogen werden, beispielsweise zur Berechnung der Großkreisdistanz (siehe auch: Mathematische Kartographie und Mathematische Geographie). Diese geometrischen Lösungen waren mit wesentlich weniger Zeitaufwand zu finden als die etwas exakteren mathematischen Lösungen. Am Erdglobus konnte schnell eine Orthodrome gemessen werden, ohne dass sie aufwendig berechnet werden musste. Insbesondere die Lösungen für zahlreiche astronomische Fragestellungen konnten bei ausreichend präziser Skalierung der Armierung mit ausreichender Genauigkeit, ohne zusätzliche Berechnung, direkt abgelesen werden.

Besonders nützlich für die Berechnungen war, wenn ein Himmelsglobus und ein Erdglobus mit demselben Durchmesser vorhanden war, weswegen sie in früheren Jahrhunderten oft als Globenpaar gefertigt wurden. Der Himmelsglobus musste vorher mittels des eingebauten Kompasses orientiert werden, damit seine Ausrichtung exakt mit seinem Aufstellungsort übereinstimmt.

Der Höhenquadrant war ein beweglicher Quadrant, ein dünner Metallstreifen, der sich am Meridian anschrauben ließ und in jede beliebige Richtung über die Globuskugel biegen ließ. Er umfasste 90° der Globuskugel.

Ikonografische Bedeutung des Globus

„Die Botschafter“ (Gemälde mit Globen, von Hans Holbein dem Jüngeren), der obere Globus ist ein gedruckter 27-cm-Himmelglobus von Johannes Schöner, der untere Globus ist ein Erdglobus (von Johannes Schöner oder Georg Hartmann)

In ihrer ikonografischen Bedeutung gelten Erd- und Himmelgloben als Zeichen des Sieges, der territorialen oder internationalen Macht und des Patriotismus, als Symbol des Wissens, der Bildung und der Gelehrsamkeit, der Weltkenntnis, der Universalität, universellen Hoffnungen und Bestrebungen. Besonders im religiösen Bereich versinnbildlichen Erdgloben das Irdische und Vergängliche, während Himmelsgloben das Universale und Immerwährende verkörpern.

Die Kugel am Reichsapfel stellt eine Weltkugel mit aufgesetztem Kreuz dar und geht historisch auf den Globus der Römer zurück, der die Weltherrschaft des Römischen Reichs symbolisierte.

Die moderne symbolische Benutzung von Erdgloben beschränkt sich heute weitgehend auf Firmenlogos (internationale Unternehmen, Transportunternehmen, Dolmetscherdienste, Reisebüros usw.), Logos von internationalen Organisationen, Eröffnungssequenzen (Intro) von Nachrichtensendungen, Militäremblemen verschiedener Einheiten und Icons. Dabei handelt es sich streng genommen jedoch meist nicht um die Darstellung eines Globus im herkömmlichen Sinn, sondern eher um die symbolische Darstellung der Erdkugel. Auch in einigen Staatswappen (Sowjetunion, Brasilien) ist die Darstellung der Erdkugel zu finden.


Sammlungen, Museen und Organisationen

Globensammlung der Geographischen Zentralbibliothek in Leipzig

Wegen ihres historischen, kulturellen, ästhetischen, materiellen und wissenschaftlichen Wertes wurden und werden Globen von Liebhabern gesammelt. Historische Globen zeugen von vergangenem Weltverständnis und spiegeln den Stand des kartographischen Wissens ihrer Zeit wider und sind somit Geschichtsdokumente. Sie sind geografische Zeitzeugen vergangener Jahrhunderte, sie vermitteln das geografische Weltbild ihres jeweiligen Zeitalters. Auf den Erdgloben lässt sich die Geschichte der geografischen Entdeckungen nachvollziehen. Globensammlungen finden sich in Museen, Bibliotheken (Kartenabteilungeen), Archiven, aber auch bei Privatsammlern. Ihnen geht es beim Sammeln von Globen vor allem um die Entwicklung der Kartografie.

In der österreichischen Nationalbibliothek in Wien gibt es seit dem 14. April 1956 ein Globenmuseum.[12]

Das National Maritime Museum in Greenwich, London, beherbergt unter anderem auch eine Globensammlung mit 240 Globen und 160 Globensegmenten. Der älteste Globus stammt aus dem Jahre 1537. Der kleinste Globus hat einen Durchmesser von 7 cm (Taschenglobus), der größte Globus einen Durchmesser von 1 m (Bibliotheksglobus von Coronelli). Zu sehen sind auch islamische Himmelgloben, einige Manuskriptgloben und sehr viele Globen der Globusmacher Gemma Frisius, Jodocus Hondius und Gerhard Mercator.

Die Royal Geographical Society in London hat eine Sammlung alter Karten und Globen (map and globe collection).

Die Sterling Memorial Library Map Collection der Yale University beherbergt 30 Globen in der Lanman Globe Collection[13].

Die Globensammlung der Kartenabteilung der Staatsbibliothek zu Berlin umfasst Globen aus dem deutschsprachigen Raum des Zeitraums von 1801 bis 1912. Schon ab 1661 befanden sich vier Globen im Bibliothekssaal der „Kurfürstlichen Bibliothek“ (später Alte Bibliothek).

Die Globensammlung des Mathematisch-Physikalischen Salons in Dresden umfasst 61 Globen aus 6 Jahrhunderten.

In der Schatzkammer der Stadtbibliothek Trier sind unter anderem Coronelli-Globen ausgestellt.

Die Globensammlung der Sternwarte Kremsmünster in Oberösterreich umfasst 49 Globen[14].

1952 wurde in Wien die Internationale Coronelli-Gesellschaft für Globenkunde gegründet, die nach Vincenzo Coronelli, dem berühmtesten Globenbauer, benannt ist. Sie widmet sich der Globenkunde, der historischen Erforschung der Globen. Die Coronelli-Gesellschaft für Globenkunde gibt die Zeitschrift „Der Globusfreund: Wissenschaftliche Zeitschrift für Globographie und Instrumentenkunde“ heraus, die sich mit der Globen- und Instrumentenkunde beschäftigt.

Literatur

  • Peter E. Allmayer- Beck, Modelle der Welt: Erd- und Himmels-globen. Kulturerbe aus österreichischen Sammlungen., ISBN 3-85447-733-3
  • Alois Fauser: Kulturgeschichte des Globus, Schuler Verlagsgesellschaft 1967, Auflage: Vollmer Verlag, München 1973
  • Felix Lühning, Gottorf im Glanz des Barock IV, Der Gottorfer Globus…, Schleswig-Holsteinisches Landesmuseum, Schloss Gottorf, 1997
  • Andreas Riedl, Virtuelle Globen in der Geovisualisierung, = Wiener Schriften zur Geographie und Kartographie, Band 13, Wien, 2000, ISBN 3-900830-41-X
  • Ernst Schlee, Der Gottorfer Globus Herzog Friedrichs III., Boyens & Co. 1991, ISBN 3-8042-0524-0
  • Jürgen Schweikart, Jonas Pieper, Bennet Schulte, Virtuelle Globen: Entwicklungsgeschichte und Perspektiven, Kartographische Nachrichten 03/2009, 59. Jahrgang, Kirschbaum Verlag, Bonn, ISSN 0022-9164
  • Jan Mokre (Autor), Peter Allmayer Beck (Herausgeber): Rund um den Globus: Über Erd-und Himmelgloben und ihre Darstellungen. Verlag Bibliophile Edition, 2008, ISBN 978-3-9502052-3-7
  • Daniel Fenning: A new and easy guide to the use of the globes, printed for S. Crowder (London), 1779
  • Peter van der Krogt: Globi Neerlandici. The production of globes in the Low Countries. HES Publishers, Utrecht, 1993, ISBN 978-90-6194-138-5
  • Elly Decker, Peter van der Krogt: Globes from the Western world. Zwemmer, London, 1993, ISBN 0-302-00618-4
  • National Maritime Museum: An inventory of the navigation and astronomy collections in the National Maritime Museum. 1970 Greenwich
  • Oswald Muris, Gert Saarmann: Der Globus im Wandel der Zeiten. Berlin 1961, Columbus Verlag

Weblinks

 Commons: Globus – Album mit Bildern und/oder Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bubnov, Nicolaus (Hg.): Gerberti opera mathematica (972-1003), Berlin 1899, ep. 148
  2. heise online – Japaner werben mit kleinstem Globus der Welt
  3. News Release 040202
  4. Schloß Gottorf – Barockgarten & Globushaus Schleswig
  5. World's Largest World, Wellesley, Massachusetts
  6. Eartha, World's Largest Rotating Globe, Yarmouth, Maine
  7. Film über die moderne Globusherstellung (engl., 4:40 Min; vom Chicago History Museum)
  8. Caspar Garthe: Beschreibung des Kosmoglobus, eines mathematisch-geographisch-astronomischen Instrumentes, welches die Erd- und Himmelskugeln, wie das Planetarium, Tellurium und Lunarium so in sich vereinigt, daß dadurch alle Erscheinungen des Weltganzen deutlich eingesehen werden können. Verlag Cotta, 1833
  9. For a shrinking world. in: Popular Mechanics Magazin, Feb. 1946, S. 50 - 53
  10. Charles C. Lane: Development of spherical map sections and transparent conforming overlays. Engineer Research and Development Laboratories, Fort Belvoir, Va., März 1956, contrails.iit.edu Seite 317 unten rechts
  11. fwkruecken.de
  12. Globensammlung der österreichischen Nationalbibliothek
  13. The Lanman Globe Collection
  14. Globenbestand Kremsmünster

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