Hans Kroch

Hans Kroch

Hans Kroch (* 3. März 1887 in Leipzig; † 7. Februar 1970 in Jerusalem) war ein deutsch-jüdischer Bankier.

Leben

Kroch besuchte das König-Albert-Gymnasium in Leipzig. 1922 trat er in die von seinem Vater Martin Samuel Kroch (* 20. November 1853, † 25. Oktober 1926) im Jahre 1877 gegründete Privatbank Kroch jr. KG a. A. ein und wurde später persönlich haftender Gesellschafter. 1923 war er Gründungs- und Aufsichtsratsmitglied der Leipziger Messe- und Ausstellungs-AG.

Das Bankhaus Kroch bezog 1928 das erste Hochhaus der Stadt Leipzig, das Krochhochhaus am Augustusplatz, das Hans Kroch vom Architekten German Bestelmeyer errichten ließ. Außerdem finanzierte Kroch als Hauptaktionär der AG für Haus- und Grundbesitz 1929–1930 den Bau der im Volksmund bald nach ihm benannten Krochsiedlung in Leipzig-Gohlis, einer Wohnanlage des frühen sozialen Wohnungsbaus im Stil der klassischen Moderne.

Im Zuge der „Arisierung“ deutscher Unternehmen durch die Nationalsozialisten wurde Kroch am 10. November 1938 nach der Pogromnacht verhaftet und ins KZ Buchenwald, später Sachsenhausen verschleppt. Erst nachdem er im Namen aller Familienmitglieder eine Verzichtserklärung auf das Gesellschaftsvermögen des Bankhauses Kroch abgegeben hatte, wurde er freigelassen und die Bank schließlich von der Industrie- und Handelsbank AG übernommen. Kroch gelang zusammen mit seinen Kindern die Flucht nach Amsterdam, später emigrierte er nach Argentinien und wanderte schließlich nach Israel aus, wo er in Jerusalem einen Hotelkomplex errichtete. Seine Ehefrau Ella Kroch, geb. Baruch (* 16. Juli 1896 in Karlsruhe, erm. 12. Mai 1942 in Ravensbrück), die zunächst zur Verdeckung der Flucht zurück blieb, ist jedoch bei ihrer eigenen Flucht verhaftet worden. Sie wurde 1940 ins KZ Ravensbrück deportiert und zwei Jahre später dort ermordet.

Literatur

  • Horst Riedel: Stadtlexikon Leipzig von A bis Z. Pro Leipzig, Leipzig 2005, ISBN 3-936508-03-8
  • Rainer Behrends: Bankhaus Kroch. Die Fassade des ersten Hochhauses am Augustusplatz ist saniert. Leipziger Blätter. Heft 40. Passage-Verlag, Leipzig 2002, S. 10–13 (Auszug im Web)
  • Cornelia Junge: Das Glockenspiel versöhnte. Die Geschichte des Kroch-Hauses. Universität Leipzig Journal. Heft 4/2002, S. 39–41 (PDF-Version)

Weblinks


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