Hexenjagd (1957)

Hexenjagd (1957)
Filmdaten
Deutscher Titel Hexenjagd
Originaltitel Les sorcières de Salem
Produktionsland Frankreich, DDR
Originalsprache Französisch
Erscheinungsjahr 1957
Länge 145 Minuten
Altersfreigabe FSK 16
Stab
Regie Raymond Rouleau
Drehbuch Jean-Paul Sartre
Produktion Raymond Borderie
Musik Georges Auric, Hanns Eisler
Kamera Claude Renoir
Schnitt Marguerite Renoir
Besetzung

Hexenjagd (auch Die Hexen von Salem, Originaltitel: Les sorcières de Salem) ist ein Spielfilm des belgischen Regisseurs Raymond Rouleau aus dem Jahr 1957. Bei dem Drama handelt es sich um eine Verfilmung des gleichnamigen Theaterstücks von Arthur Miller. Für die Drehbuchadaption zeichnete der französische Schriftsteller und Philosoph Jean-Paul Sartre verantwortlich.

Inhaltsverzeichnis

Handlung

Massachusetts, Ende des 17. Jahrhunderts: in der puritanischen Gemeinde des Dorfes Salem verliebt sich Abigail Williams in den verheirateten John Proctor, der eine lieblose Ehe mit der tugendhaften Elisabeth führt. Abigail entwickelt bald eine krankhafte Leidenschaft für den Siedler, die in grenzenlose Eifersucht umzuschwenken beginnt, als sie Proctor nicht halten kann. Sie terrorisiert Elisabeth und klagt diese bei ihrem geistlichen Onkel als Hexe an, um ihre Nebenbuhlerin auf diese Weise verfolgen und beseitigen zu lassen. In Zuge der einsetzenden Massenhysterie findet ein Schauprozess statt, in dem die in Wirklichkeit unschuldige Elisabeth mit den Anschuldigungen Abigails konfrontiert wird. Im Verlauf des Prozesses öffnet sich die fromme Elisabeth der Liebe ihres Mannes, der versucht das Todesurteil für seine Ehefrau abzuwenden. Dies gelingt ihm, jedoch wird er selbst verhaftet und zum Tod verurteilt, findet aber mit Hilfe seiner Ehefrau zum göttlichen Glauben zurück. Während Abigail ihren Geliebten verliert, zeigt Elisabeth am Ende Erbarmen mit ihrer Denunziantin.

Entstehungsgeschichte

Bei Hexenjagd ließ sich Arthur Miller Anfang der 1950er Jahre von einem authentischen Fall inspirieren, der sich im Jahr 1692 in dem Dorf Salem ereignete. Mit dem Theaterstück verarbeitete Miller auch eigene Erfahrungen. Im Zuge der McCarthy-Ära sollte der Schriftsteller im Juni 1956 vom amerikanischen Kongressausschuss zur Bekämpfung „unamerikanischer Tätigkeit“ belastet, 1957 wegen „Missachtung des Kongresses“ zu einer Geldstrafe und einem Jahr Gefängnis auf Bewährung verurteilt werden. Ein Jahr darauf wurde Miller freigesprochen.[1] Sein Stück wurde im Januar 1953 am New Yorker Broadway uraufgeführt und mit zwei Tony Awards preisgekrönt.

Die erste Filmversion von Millers Theaterstück wurde von der DEFA mitproduziert. Um seinen internationalen Status zu bewahren, ging das DDR-Filmstudio in den 1950er Jahren Koproduktionen mit französischen Gesellschaften ein. Neben Hexenjagd entstanden unter anderem Gérard Philipes und Joris IvensDie Abenteuer des Till Eulenspiegel (1956) und Jean-Paul Le ChanoisHugo-Verfilmung Die Elenden (1958).[2] Als Hauptdarsteller wurden das Schauspielehepaar Simone Signoret und Yves Montand verpflichtet, die das Proctor-Ehepaar zuvor schon auf der Theaterbühne interpretiert hatten. Kameramann Claude Renoir arbeitete mit einem intensiven Großaufnahme-Stil und kontraststarker Hell-dunkel-Ausleuchtung.[3]

Kritiken

Der US-amerikanische Kritiker Bosley Crowther (The New York Times) lobte Hexenjagd trotz einiger Längen als „beharrlich fesselnden Film“ und wies auf die Darstellerleistungen hin. „Die vielleicht herausstechendste Darstellung ist die von Yves Montand als kraftloser puritanischer Ehemann ... Aber Simone Signoret folgt dicht dahinter, als strenge Puritanerfrau, deren innewohnender Gerechtigkeitssinn größer ist als ihre angeborene Eifersucht“, so Crowther. Mylène Demongeot sei „brillant flüssig und richtig beunruhigend.“[4] Die britische Times hob die „bedächtige, brütend intensive“ Arbeitsweise des Regisseurs Raymond Rouleau hervor, die vor allem den Szenen mit Abigail und Elizabeth zugute kommen würde. „Mademoiselle Mylene Demongeot braucht nicht mehr, als ein Lächeln ihres Mundwinkels zu erübrigen, um klar werden zu lassen, dass sie Elizabeth als Hexe denunzieren wird … Mademoiselle Simone Signoret setzt Stille und eine passive Resignation dagegen, die nicht genug sind, um eine Tragöde zu verhindern.“[5]

Laut dem bundesdeutschen film-dienst gelingt es dem Film nicht, „das historische Kostüm abzulegen und vom Beispielhaften ins allgemein Gültige vorzustoßen.“ Auch Sartres Drehbuch würde „über einem Stück ... auf den Mißbrauch und Wahn religiöser Macht und Existenz keine deutliche Antwort“ finden. Gelobt wurde das Spiel der Hauptdarsteller Simone Signoret und Yves Montand, für das sie „uneingeschränkte Bewunderung“ verdienen würden. „Fast ohne Übergang und mit sparsamsten Mitteln prägt sie (Signoret) ihr Bild aus der wechselnden Spannung innerer Wandlungsstufen …“[3]

Missfallen erregte eine von Sartre eingefügte Gefängnisszene, die in Millers Theaterstück nicht vorkommt. In dieser hält der zur Unrecht verurteilte Proctor einen Monolog und klagt die Volksvertreter und Kirchenrepräsentanten an. Kritiker aus christlichen Kreisen hielten Hexenjagd daraufhin nur für „reife Erwachsene“ geeignet und glaubten eine „deutliche antikirchliche Tendenz aus dem Geiste des Liberalismus“ auszumachen.[2]

Auszeichnungen

Hexenjagd war 1957 im Wettbewerb des Internationalen Filmfestivals von Karlovy Vary vertreten. Zwar hatte Rouleaus Film bei der Vergabe des Hauptpreises gegenüber dem indischen Beitrag Jagte Raho von Shanbhu Mitra das Nachsehen, jedoch wurden Yves Montand, Simone Signoret und Mylène Demongeot mit dem Darstellerpreis ausgezeichnet. Ein Jahr später gewann Simone Signoret zum zweiten Mal nach 1953 den Preis für die beste ausländische Darstellerin bei den British Film Academy Awards. Mylène Demongeot erhielt eine Nominierung als Beste Nachwuchsdarstellerin.

Siehe auch

Literatur

Weblinks

Einzelnachweise

  1. vgl. Arthur Miller. In: Internationales Biographisches Archiv 25/2005 vom 25. Juni 2005 (aufgerufen am 26. August 2009 via Munzinger Online)
  2. a b Die Hexen von Salem. In: Das große TV-Spielfilm-Filmlexikon (CD-ROM). Directmedia Publ., 2006. – ISBN 978-3-89853-036-1
  3. a b vgl. Kritik im film-dienst 22/1958 (aufgerufen am 25. August 2009 via Munzinger Online)
  4. Kritik von Bosley Crowther in der New York Times, 9. Dezember 1958
  5. vgl. M. Sartre Adapts The Crucible for the Screen Impressive Version of Mr. Miller's Play. In: The Times, 2. September 1957, Ausg. 53935, S. 3

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