Jojoba

Jojoba
Jojoba
Joshua Tree National Park - Jojoba (Simmondsia chinensis).JPG

Jojoba (Simmondsia chinensis)

Systematik
Eudikotyledonen
Kerneudikotyledonen
Ordnung: Nelkenartige (Caryophyllales)
Familie: Simmondsiaceae
Gattung: Simmondsia
Art: Jojoba
Wissenschaftlicher Name der Familie
Simmondsiaceae
Tiegh.
Wissenschaftlicher Name der Gattung
Simmondsia
Nutt.
Wissenschaftlicher Name der Art
Simmondsia chinensis
(Link) C.K.Schneid.

Jojoba (Simmondsia chinensis), eigentlich "ho-Ho-ba", aus der Sprache der "Papago-Indianer", genauer der Jojobastrauch, ist die einzige Pflanzenart der monotypischen Gattung Simmondsia, der einzigen Gattung der Familie der Simmondsiaceae, es gibt also nur diese eine Art in der Familie. Sie gehört in die Ordnung der Nelkenartigen (Caryophyllales). Es handelt sich um eine Nutzpflanze. Der Gattungsname Simmondsia ehrt den britischen Botaniker Thomas Williams Simmonds († 1804 in Trinidad).

Inhaltsverzeichnis

Beschreibung

Vegetative Merkmale

Jojoba wächst als immergrüner, reich verzweigter Strauch, dessen Wuchshöhen von 0,5 bis 4 Metern variieren, üblich sind 2 bis 2,5 Meter. Er besitzt Pfahlwurzeln, welche etwa 6 Meter tief in den Boden eindringen können. Anomales Sekundäres Dickenwachstum erfolgt durch ein konzentrisches Kambium. Das hellbraune Holz ist hart. Die Rinde ist glatt.

Die gegenständigen, kurz gestielten Laubblätter sind einfach, ledrig, ganzrandig und 2 bis 4 Zentimeter lang. Anomocytische Stomata befinden sich in etwa gleicher Zahl auf beiden Blattseiten. Nebenblätter fehlen.

Männliche Blüten von Jojoba (Simmondsia chinensis).

Blütenstände und Blüten

Simmondsia chinensis ist eine zweihäusig getrenntgeschlechtige (diözisch) Pflanze. Die männlichen Blüten stehen endständig zu mehreren zusammen und die weiblichen Blüten stehen meist einzeln in den Blattachseln. Die kleinen, eingeschlechtigen, radiärsymmetrischen Blüten sind meist fünfzählig (selten vier- oder sechszählig). Die männlichen Blüten sind gelb und 3 bis 4 Millimeter groß. Die männlichen Blüten enthalten zwei Kreise mit meist fünf (selten vier oder sechs) freien, fertilen Staubblättern. Die weiblichen Blüten sind klein und hellgrün. Drei Fruchtblätter sind zu einem oberständigen, dreifächerigen Fruchtknoten verwachsen. Jedes Fruchtknotenfach enthält eine hängende, anatrope, bitegmische Samenanlage. Es sind drei freie Griffel vorhanden, die in papillösen Narben enden. Die Bestäubung erfolgt über den Wind oder durch Insekten. Die Kelchblätter der weiblichen Blüten sind haltbar und vergrößern sich bis zur Fruchtreife auf 10 bis 20 Millimeter.

Illustration von Jojoba-Samen.

Früchte und Samen

Es werden eiförmige, lokulizidale, dreifächerige, meist einsamige Kapselfrüchte gebildet. Die Kapselfrüchte sind 3 bis 6 Monate nach der Befruchtung reif und öffnen sich, um die Samen zu entlassen. Die braunen, runzeligen Samen besitzen etwa die Größe einer kleinen Olive. Der große, gerade Embryo ist gut entwickelt.

Inhaltsstoffe und Chromosomenzahl

Sie enthalten Proanthocyanidine. Es werden Calciumoxalat-Kristalle akkumuliert. Der Embryo beziehungsweise die Keimblätter im Samen enthalten Cyanogene Glycoside und flüssige Wachse aus Estern mit hoher molarer Masse, es sind Mono-Carbonsäureester aus Essigsäure, als Speicherstoffe.

Die Chromosomenzahl beträgt 2n=26.

Vorkommen

Der Jojobastrauch gedeiht in Halbwüsten und Wüsten . Er ist in Mexiko, Kalifornien und Arizona im Gebiet der Sonora-Wüste heimisch. Seine botanische Artepitheton chinensis geht auf einen Irrtum zurück, da ein Botaniker bei der Erstbestimmung die Samen irrtümlich mit Proben anderer Pflanzenarten aus dem Kaiserreich China durcheinander brachte. Der Jojoba-Strauch ist also in China nicht heimisch. Jojoba wird kommerziell neben den USA noch in Israel, Argentinien, Peru und Australien angebaut.

Jojoba-Plantage.

Anbau

Gepflanzt werden Hecken mit jeweils 2 Metern Abstand zwischen den einzelnen Pflanzen und 5 Metern Zwischenraum, ideal ist ein fruchtbarer Boden mit einem pH-Wert von mehr als 5. Mindestens 5 % der Pflanzen sollten männlich sein, um eine Bestäubung sicherzustellen. Der erste Ertrag kann nach 3 bis 5 Jahren erzielt werden, das Ertragsmaximum liegt bei 12 Jahren. In natürlicher Umgebung können die Sträucher etwa 200 Jahre alt werden. Ihre ökologische Bedeutung liegt im Schutz vor Bodenerosion und der Schaffung eines günstigen Kleinklimas.

Nutzung

Geerntet werden die „nussähnlichen“ Samen, die ein bei Zimmertemperatur flüssiges Wachs (es handelt sich also nicht, wie bei anderen Pflanzenölen, um ein fettes Öl) [1] enthalten, bei einem Gehalt von etwa 50 %. Dieses hochwertige Pflanzenwachs wird für kosmetische und für industrielle Zwecke verwendet. Es enthält außerdem Provitamin A und Vitamin E, pflegt durch seine günstige Fettsäurenzusammensetzung die Haut intensiv und ist für alle Hauttypen geeignet. Es schützt vor Austrocknung, ohne einen schmierigen Film auf der Haut zu hinterlassen (da es sich ja nicht um ein Öl handelt), es ist leicht entzündungshemmend und beruhigend und riecht nur sehr schwach. Es wird als Massageöl gegen Schwangerschaftsstreifen verwendet. Besonders gut geeignet ist es auch für die Haarpflege bei trockenen Spitzen. Jojobaöl hat einen natürlichen Lichtschutzfaktor von drei bis vier, unterstützt langanhaltende Bräune und wird deswegen nicht nur als Basisöl für ätherische Öle und Sonnenöle, sondern auch als Emulgator für die Herstellung von selbstgefertigten Cremes verwendet.

In der industriellen Anwendung ist es Ausgangsstoff vieler Schmiermittel für Präzisionsinstrumente und Grundlage von Pflegewachsen für Möbel- und Autopolituren. Da es sich um ein Wachs handelt, ist es äußerst temperaturbeständig. Es oxidiert und verharzt auch nicht vergleichbar einem Pflanzenöl. Besonders hervorzuheben ist der Umstand, dass das Jojoba-Wachs ein qualitativ hochwertiger Ersatz für das mittlerweile verbotene Walrat ist, das früher aus Pottwalen gewonnen wurde.

Erste kommerzielle Anbauversuche erfolgten 1943 in den USA, als bedingt durch den Zweiten Weltkrieg alternative Rohstoffressourcen gesucht wurden. Am Markt etablieren konnte sich die Produktion erst in den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts. Erfolgreich experimentiert wurde, unter anderem in Arabien, auch mit der Anwendung als umweltfreundlicher, weil von Natur schwefelfreier, Treibstoff für Dieselmotoren; lediglich die Beigabe von etwas Methanol ist notwendig. Hier könnte sich in den kommenden Jahrzehnten eine kommerzielle Nische öffnen. Da Jojobawachs ein nachwachsender Rohstoff ist, wird das bei seiner Verbrennung emittierte Kohlenstoffdioxid bei nachhaltiger Wirtschaft von nachwachsenden Pflanzen gebunden und trägt so nicht zur Klimaerwärmung bei.

Von den indigenen Völkern wurden die Samen geröstet und gekocht, um das flüssige Wachs zu gewinnen, und zu Lebensmitteln wie Heilmitteln verarbeitet.

Ein weiterer Inhaltsstoff der Samen ist Simmondsin. Samenpulver mit hohem Simondsin-Gehalt wurde Anfang 2007 Nahrungsmitteln zugesetzt und besonders angepriesen. Dieser Nahrungsmittelzusatz ist aber europaweit gesetzlich verboten. Das Bundesinstitut für Risikobewertung rät von einer Einnahme ab, da sich die Samen im Tierversuch als stark toxisch erwiesen haben [2].

Systematik

Die Erstveröffentlichung dieser Art erfolgte 1822 unter dem Namen Buxus chinensis durch Johann Heinrich Friedrich Link in Enumeratio Plantarum: Horti regii botanici berolinensis altera, 2, S. 386. Der Gattungsname Simmondsia und der Name Simmondsia californica wurde 1844 von Thomas Nuttall in London J. Bot., 3, S. 400, Tafel 16 veröffentlicht. Der gültige Name Simmondsia chinensis wurde 1907 von Camillo Karl Schneider in Illustriertes Handbuch der Laubholzkunde, 2, S. 141 veröffentlicht. So sind Buxus chinensis Link und Simmondsia californica Nutt. Synonyme für Simmondsia chinensis (Link) C.K.Schneid.. Ein Synonym für Simmondsia Nutt. ist Brocchia Mauri ex Ten. [3]. Die Gattung Simmondsia wurde lange Zeit in Buxaceae eingeordnet oder als eigene Familie Simmondsiaceae, den Buxaceae nahegestellt. Es wurde auch eine eigene Ordnung Simmondsiales innerhalb der Hamamelididae (Takhtajan 1997) aufgestellt. Heute gehört diese monotypische Gattung in die Ordnung der Caryophyllales. Die Familie Simmondsiaceae wurde 1899 von Philippe Van Tieghem in Just's botanischer Jahresbericht, 25 (2), S. 422 aufgestellt.

Weitere Bilder

Quellen

Einzelnachweise

  1. Römpp CD 2006, Georg Thieme Verlag 2006
  2. Information Nr. 012/2007 zu Jojoba vom BfR - Bundesinstitut für Risikobewertung.
  3. Eintrag bei GRIN.

Weblinks

 Commons: Jojoba (Simmondsia chinensis) – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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