Analepse

Analepse bzw. Rückwendung ist eine Technik beim Erzählen: Ereignisse, die zeitlich vor dem bisher Erzählten stattgefunden haben bzw. haben müssten, werden erst im Nachhinein erzählt. Gerade im Film spricht man dabei oft auch von einer Rückblende. Ein Beispiel für diese Erzähltechnik ist der Kriminalroman, bei dem oft der eigentliche Anfang, nämlich das Verbrechen, am Schluss erzählt wird.

Der Begriff Rückwendung stammt vom Literaturwissenschaftler Eberhard Lämmert, Gérard Genette spricht von Analepse - beide Begriffe meinen aber das gleiche. Lämmert bestimmt noch zwei Arten der Rückwendung:

  • aufbauende Rückwendung: Nach einem direkten, plötzlichen Einstieg wird im Nachhinein erzählt, wie es zu dieser Situation gekommen ist. Die aufbauende Rückwendung wird oft am Anfang von Erzählungen verwendet, man spricht dann auch von einem „offenen Einstieg“.
  • auflösende Rückwendung: Erst nach einer längeren Erzählung wird etwas berichtet, was zeitlich vor dieser Erzählung liegt. Dadurch erscheint das bisher Erzählte in einem neuen Licht. Ein berühmtes Beispiel hierfür ist Nathan der Weise von Gotthold Ephraim Lessing: Erst am Ende stellt sich heraus, dass einige der Figuren, die eigentlich rivalisierenden Religionen angehören, miteinander verwandt sind, aber als Kinder voneinander getrennt wurden. Auch die klassische Krimi-Auflösung ist eine auflösende Rückwendung.

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