Anlauffarbe
Bismutkristalle oxidieren leicht und zeigen dabei Anlauffarben
Bismutkristalle gezüchtet aus der Schmelze, bei ca. 300 °C. Nur dann entstehen die typischen Anlauffarben

Anlauffarben, auch Anlassfarben, sind oberflächliche, irisierende bunte Färbungen eines Stoffes, die durch Interferenz an dünnen Schichten entstehen. Sie finden sich hauptsächlich bei Metallen, aber auch auf Mineralien. Diese Interferenz ist sehr ähnlich zu denen in Ölflecken auf Pfützen oder in Seifenblasen.

Inhaltsverzeichnis

Entstehung und Beispiele

Auf Metallen entstehen die Anlauffarben meist durch eine Oxidation der Oberfläche. Die Dicke der Oxidschicht wird durch die Tiefe bestimmt, in die die Sauerstoffatome diffundieren können. Diese Tiefe ist stark von der Temperatur abhängig. Dadurch ist es möglich, die Temperatur zu bestimmen, der ein Metall beispielsweise beim Schweißen oder Anlassen ausgesetzt war. Dies ist wichtig, da auch wichtige Materialeigenschaften wie Härte und Zähigkeit von der Temperatur abhängen.

Anlassfarben für
unlegierten Werkzeugstahl [1]
Farbe Anlass-
temperatur
 Weißgelb 200 °C
 Strohgelb 220 °C
 Goldgelb 230 °C
 Gelbbraun 240 °C
 Braunrot 250 °C
 Rot 260 °C
 Purpurrot 270 °C
 Violett 280 °C
 Dunkelblau 290 °C
 Kornblumenblau 300 °C
 Hellblau 320 °C
 Blaugrau 340 °C
 Grau 360 °C

Bei Stahl findet man beispielsweise bei Erhitzung auf 200 °C blassgelbe, bei 300 °C kornblumenblaue und bei 500 °C graue (zu dicke Schicht) Anlassfarben. Auch auf Silber bildet sich an Luft ein schwarzer Überzug aus Silbersulfid, der häufig bunt schillert. Bei Mineralien treten Anlauffarben durch Verwitterung auf. Ein Beispiel dafür ist der durch Anlauffarben bunte Buntkupferkies.

Weblinks

  • Anlauffarben. In: Lexikon der Geowissenschaften. Spektrum Akademischer Verlag, abgerufen am 7. Juni 2009.

Quellen

  1. Ulrich Fischer: Tabellenbuch Metall. 41. Auflage. Verlag Europa-Lehrmittel Nourney, Vollmer, 2001, ISBN 3-8085-1721-2, S. 128B.

Siehe auch


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