Anne Shymer
Anne Shymer, fotografiert von ihrer Familie am 1. Mai 1915

Anne Shymer, geborene Anne C. Justice (* 30. Mai 1879 in Logansport, Cass County, Indiana; † 7. Mai 1915 im Nordatlantik vor Irland) war eine US-amerikanische Chemikerin und Präsidentin der United States Chemical Company.

Leben

Anne Shymer kam 1879 in der Kleinstadt Logan’s Port im US-Bundesstaat Indiana zur Welt. Ihre Mutter Grace Justice förderte Annes Interesse in Chemie und sorgte für eine umfangreiche Bildung ihrer Tochter. Anne studierte an der Universität von Cornell. Als junge Frau heiratete sie einen gut situierten Mann namens Paterson. Das Paar lebte in Großbritannien bis Paterson unerwartet starb. Die junge Witwe kehrte in die USA zurück und nahm ihre Arbeit wieder auf. Sie führte selbstständig verschiedene Experimente und Versuchsreihen in einem privaten Labor in New York City durch.

Am 16. Januar 1911 heiratete Shymer in zweiter Ehe den britischen Geschäftsmann Robert D. Shimer und amerikanisierte den Nachnamen zu Shymer. Sie trennten sich nach nur vier Wochen. Währenddessen erzielte Anne immer größere Erfolge als Chemikerin und rief die United States Chemical Company ins Leben. Sie entdeckte u. A. ein neues Bleichmittel für Textilien und eine keimtötende Substanz, die in Krankenhäusern zum Einsatz gebracht werden sollte. Ihre Errungenschaften brachten ihr viel Anerkennung und Prestige, nach kurzer Zeit genoss sie weltweite Anerkennung. Shymer erhielt eine Einladung von Großbritanniens Premierminister Herbert Asquith und dessen Frau. Anfang 1915 erfuhr der Hofphysiker von König George V. von Großbritannien von Shymers Entdeckungen und zeigte sich davon sehr beeindruckt.

Am 1. Mai 1915 ging Shymer als Erste-Klasse-Passagierin an Bord des britischen Luxusliners RMS Lusitania, der von New York nach Liverpool, England ablegte. Sie sollte am Hof von St. James König George und Königin Mary von England vorgestellt werden. Außerdem wollte sie in London neue geschäftliche Kontakte knüpfen und ihre neuesten Formeln patentieren lassen. Bevor sie fuhr, wollte sie noch die Scheidung von ihrem Mann einreichen, was dadurch verhindert wurde, dass sie seinen aktuellen Aufenthaltsort nicht kannte. Am Tag der Abfahrt kamen ihre Mutter, ihre Schwester Maibelle Justice und andere Verwandte zum Pier 54, um sie zu verabschieden. Als sich das Ablegen verzögerte, nutzte die Familie die Zeit, um ein Abschiedsfoto von Shymer zu schießen. Dieses Foto, das sie lächelnd und den linken Arm selbstbewusst auf die Reling gestützt auf der B-Deck-Promenade zeigt, ist eines der bekanntesten Bilder im Zusammenhang mit der Lusitania-Katastrophe.

Sechs Tage später, am frühen Nachmittag des 7. Mai 1915, wurde die Lusitania vor der Küste Südirlands vom deutschen U-Boot U2 0 mit einem Torpedo versenkt. Der Dampfer sank innerhalb weniger Minuten und nahm zwei Drittel der Passagiere und Besatzung mit sich. Shymer war trotz der starken Schlagseite und der Panik an Bord dazu in der Lage, in ihre Kabine B-98 zu gelangen und ihren Schmuck zu holen, den sie sich komplett anlegte, um ihn im Notfall nicht zu verlieren. Was dann mit der Chemikerin geschah, ist unklar. Ihre Leiche war eine der ersten, die gefunden wurde und erhielt die Nummer #66. Den Schmuck, den man auf ihrem Körper fand, war nach damaligem Geld etwa 4000 US-Dollar wert. Auf dem Weg von Irland zur amerikanischen Botschaft in London verschwand er spurlos und ist bis heute nicht wieder aufgetaucht. Shymers Leiche kam sicher in den Vereinigten Staaten an und wurde ihrer Familie übergeben.

Shymers Ehemann sowie ihre Mutter und Schwester verklagten die Cunard Line wegen des Verlusts ihrer Angehörigen auf Schadensersatz. Robert Shimers Klage wurde abgelehnt mit dem Argument, dass er seit vier Jahren von seiner Ehefrau getrennt lebte. Der Klage von Grace und Maibelle Justice wurde entsprochen, allerdings erst im Oktober 1925, mehr als zehn Jahre nach dem Unglück. Shymers Mutter war zu diesem Zeitpunkt bereits verstorben. Maibelle Heikes Justice erhielt 7.527 US-Dollar.

Quellen


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