Anzahl der notwendigen Behandlungen

Die Anzahl der notwendigen Behandlungen (en. number needed to treat NNT) ist eine statistische Maßzahl, die angibt, wie viele Patienten pro Zeiteinheit (z. B. 1 Jahr) mit der Testsubstanz oder Testmethode behandelt werden müssen, um das gewünschte Therapieziel bei einem Patienten zu erreichen bzw. um ein Ereignis (z. B. Herzinfarkt) zu verhindern. Sie ist neben der absoluten und relativen Risikoreduktion ein (recht anschauliches) Mittel, um den Nutzen einer Behandlung in Zahlen darzustellen und entspricht dem reziproken Wert der absoluten Risikoreduktion (ARR). Eine größere NNT bedeutet folglich eine kleinere Risikoreduktion.

NNT wird auch in der Präventivmedizin verwendet und manchmal als Anzahl der notwendigen Screenvorgänge (en. numbers needed to screen NNS) bezeichnet. In der praktischen Anwendung sollte die NNT mit der NNH (en, numbers needed to harm) in Relation gesetzt werden, d. h., die Anzahl der notwendigen Behandlungen, um das gewünschte Theapieziel bei einem Patienten zu erreichen wird mit der notwendigen Anzahl Behandlungsvorgänge, um bei einem Patienten einen Schaden zu verursachen, verglichen.

Berechnung

Man kann die Zusammenhänge sehr gut mit hilfe einer Vierfeldertafel illustrieren. Diese stellt eine Möglichkeit der Auswertung einer wissenschaftlichen Untersuchung dar. Idealerweise handelt es sich um eine prospektive, kontrollierte und randomisierte klinische Studie.

Man vermutet, dass zwei mögliche Maßnahmen verschieden häufig zu einem bestimmten Ziel führen (Zielpunkt). Verglichen werden zwei (Patienten)gruppen, die sich nur durch die angewandte Maßnahme unterscheiden. Andere Einflussfaktoren wurden durch die Randomisierung ausgeschlossen. Man ermittelt durch eine standardisierte Untersuchung, bei wievielen Patienten der jeweiligen Gruppe das Ziel erreicht wurde und bei wievielen es verfehlt wurde.
Zielpunkt
erreicht nicht erreicht
Maßnahme 1 A B
Maßnahme 2 C D

Dabei steht:

  • A für die Anzahl der Patienten, bei denen mit Maßnahme 1 das Ziel erreicht wurde,
  • B für die Anzahl der Patienten, bei denen mit Maßnahme 1 das Ziel nicht erreicht wurde,
  • C für die Anzahl der Patienten, bei denen mit Maßnahme 2 das Ziel erreicht wurde,
  • D für die Anzahl der Patienten, bei denen mit Maßnahme 2 das Ziel nicht erreicht wurde.

Die ARR (Absolute Risikoreduktion) berechnet sich dann wie folgt:


ARR = \frac{A}{A+B}-\frac{C}{C+D}

Eine positive Absolute Risikoreduktion bedeutet eine Überlegenheit von Maßnahme 1 gegenüber Maßnahme 2. Hat die Absolute Risikoreduktion einen negativen Wert, bedeutet dies eine Unterlegenheit von Maßnahme 1. Für die Aussagekraft der ARR ist weiterhin ihr Konfidenzintervall wichtig.

Die NNT berechnet sich wie folgt:


NNT=\frac{1}{ARR}

oder


NNT = \frac {1} {\frac{A}{A+B}-\frac{C}{C+D}}

Eine negative ARR würde man nicht als negative number needed to treat, sondern als positive number needed to harm (NNH) darstellen.

NNH = − NNT

Rundung: Will man die NNT ohne Nachkommastellen angeben, so empfiehlt es sich, aufzurunden. Beispiel:

  • 4,2304 Patienten müssen behandelt werden, damit ein Patient weniger stirbt
  • (mindestens) 5 Patienten müssen behandelt werden, damit ein Patient weniger stirbt

Das normalerweise übliche Abrunden hätte zur Folge, dass der Therapieeffekt überschätzt würde.

Wertigkeit

Wichtig ist, dass die Werte der NNT bzw. der ARR streng genommen zunächst nur für die Studie gelten, innerhalb der sie ermittelt wurden. Die externe Validität der Studie beschreibt die Übertragbarkeit nach außen – das heißt auf einen speziellen Fall oder auf eine allgemeingültige Aussage. Daher ist es wichtig, dass neben der NNT auch die Gruppen, der Zeitraum und der Zielpunkt genau beschrieben werden. Beispiel:

Werden männliche weiße Patienten im Alter zwischen 23 und 34 Jahren, die an Schnupfen erkrankt, sonst aber kerngesund sind, für sieben Tage mit 5 g von Medikament A behandelt, so müssten 100.000 Patienten behandelt werden, damit 1 Patient mehr nach 10 Tagen schnupfenfrei wird, als es ohne irgendeine Behandlung der Fall gewesen wäre.

Siehe auch: Relative Risikoreduktion, Absolute Risikoreduktion

Weblinks


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