Ardaschir II.
Investiturrelief Ardaschirs II. aus Taq-e-Bostan. Zu Füßen des Königs (Mitte) liegt eine bärtige Gestalt in römischer Kleidung und mit Diadem, die meist als Julian Apostata identifiziert wird.

Ardaschir II. († 383) war ein spätantiker persischer Großkönig aus dem Herrscherhaus der Sassaniden. Er regierte von 379 bis zu seinem Tod im Jahr 383.

Ardaschir war wahrscheinlich ein Bruder Schapurs II., dem er auf den Thron nachfolgte.[1] Offensichtlich wurde er Schapurs ältestem Sohn Schapur III. zunächst bei der Thronfolge vorgezogen. Vorher war Ardaschir Unterkönig in der Adiabene gewesen; in dieser Funktion war er offenbar prominent am Abwehrkampf gegen den römischen Kaiser Julian beteiligt (363). Julian, der während eines Gefechtes auf unklare Weise zu Tode kam, wird noch Jahre später auf dem Investiturrelief Ardaschirs dargestellt - offenkundig beanspruchte der neue König, entscheidend zum Sieg über den Kaiser beigetragen zu haben, und legitimierte so wohl seinen fragwürdigen Thronanspruch.

Die Quellen berichten kaum etwas über Ardaschirs Regierungszeit. Armenien wurde in seiner Regierungszeit wieder ein persisches Protektorat, was aber nicht half, die Spannungen mit Rom zu beseitigen.[2] Auf dem Investitur-Relief bei Taq-e-Bostan wird er zusammen mit Ohrmazd (oder Schapur II.?) und Mihr gezeigt, was einmalig ist, da ansonsten kein Mithra-Denkmal aus Iran bekannt ist.[3] Die orientalischen Quellen berichten davon, der König sei nach wenigen Jahren von einer Adelsversammlung abgesetzt worden, nachdem er zuvor gewaltsam gegen Mitglieder der Aristokratie vorgegangen war. Vermutlich steht hinter dieser Nachricht ein Machtkampf zwischen Schapur III. und seinem Onkel (?) Ardashir II., bei dem beide von Teilen des Adels unterstützt wurden und in dem Schapur III. sich schließlich durchsetzen konnte.

Literatur

  • Touraj Daryaee: Sasanian Persia. The Rise and Fall of an Empire. London 2009, S. 20.
  • Karin Mosig-Walburg: Königtum und Adel in der Regierungszeit Ardashirs II., Shapurs III. und Wahrams IV. In: Henning Börm / Josef Wiesehöfer (Hgg.): Commutatio et contentio. Studies in the Late Roman, Sasanian, and Early Islamic Near East. Düsseldorf 2010, S. 133-158.
  • Klaus Schippmann: Grundzüge der Geschichte des sasanidischen Reiches. Darmstadt 1990, S. 37.

Weblinks

Anmerkungen

  1. Teils wird er in den Quellen auch als Sohn Schapurs bezeichnet; die folgende Darstellung orientiert sich weitgehend an den einschlägigen EIr-Artikeln.
  2. Vorläufige Ruhe kehrte erst ein, als es – wohl bereits in der Zeit Schapurs III. – zu einem Vertrag mit dem römischen Kaiser im Osten, Theodosius I., kam.
  3. Schippmann, S. 37.


Vorgänger Amt Nachfolger
Schapur II. König des neupersischen Reichs
379–383
Schapur III.

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