Meysenbug


Meysenbug

Meysenbug, 1) Wilhelm, Freiherr Rivalier von, bad. Staatsmann, geb. 11. Juli 1813 in Kassel aus einer Hugenottenfamilie, die 1825 vom Kurfürsten von Hessen geadelt wurde, gest. 14. Febr. 1866 in Karlsruhe, studierte die Rechte, trat 1836 in den badischen Staatsdienst und widmete sich der diplomatischen Laufbahn. 1846 wurde er Legationsrat, bat 1849 in Berlin um die preußische Hilfe gegen den Aufstand und unterhandelte über den Beitritt Badens zum Dreikönigsbündnis. Er blieb dann in Berlin als badischer Gesandter bis 1856, wo er Minister des Auswärtigen wurde. Der Reaktion zugeneigt und darin von seinem Bruder Otto (geb. 1806, gest. 1886), der Unterstaatssekretär im österreichischen Ministerium und katholisch geworden war, bestärkt, beendigte er den in Baden mit dem Erzbischof Vicari von Freiburg ausgebrochenen Kirchenkonflikt durch direkte Verhandlungen mit Rom und opferte im Konkordat vom 28. Juni 1859 die wichtigsten staatlichen Hoheitsrechte. Mit dem Konkordat fiel 1860 auch M.

2) Malwida von, Schriftstellerin, Schwester des vorigen, geb. 28. Okt. 1816, gest. 26. April 1903 in Rom, lebte seit 1848 in London, wo sie als Erzieherin im Hause Alexander Herzens, dessen »Memoiren« sie ins Deutsche übersetzte (Hannov. 1856), vielfach im Kreise der Emigranten verkehrte. Später wandte sie sich nach Italien, nahm ihren Wohnsitz zuerst in Florenz und seit 1870 dauernd in Rom. Auch hier trat sie zu vielen bedeutenden Persönlichkeiten in Beziehung. Sie machte sich insbes. durch die anonym erschienenen »Memoiren einer Idealistin« (Berl. 1876, 3 Bde.; 9. Aufl. 1905) bekannt. Es folgten: »Stimmungsbilder aus dem Vermächtnis einer alten Frau« (Leipz. 1879, ebenfalls anonym; 4. Aufl., Berl. 1905), »Gesammelte Erzählungen« (Zürich 1885), der Roman »Phädra« (Leipz. 1885, 3 Bde.), »Der Lebensabend einer Idealistin« (Berl. 1898, 6. Aufl. 1905) und »Individualitäten«, Essays (das. 1901, 2. Aufl. 1905). Aus ihrem Nachlaß erschienen: »Himmlische und irdische Liebe« ein römischer Roman, und »Eine Reise nach Ostende«, ein Tagebuch (beides das. 1905). Anfangs namentlich von den Freiheitsidealen der in London vereinigten politischen Flüchtlinge ergriffen, wandte sich M. mehr und mehr den Aufgaben der ästhetisch-sittlichen Veredelung des einzelnen zu, erfuhr durch Richard Wagner, dessen Kunst sie innig würdigte, und Fr. Nietzsche, mit dem sie einen bedeutenden, aber mit innerer Entfremdung abschließenden Briefwechsel führte (vgl. »Nietzsches Gesammelte Briefe«, Bd. 3, Leipz. 1905), tiefgehende Anregungen und gewann begeisterte Verehrer in allen Kulturländern.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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