Stephansorden

Stephansorden

Stephansorden, 1) geistlicher Ritterorden des St. Stephan, gestiftet von Cosmo von Medici I. von Toscana, zur Erinnerung seines Sieges über die Franzosen bei Montemuolo am 2. Aug. (dem Tage des St. Stephan, s.d. 40) 1554 für Militärverdienste bei Bekämpfung der Seeräuber u. hatte seinen Sitz in Pisa. Im 16. Jahrh zeichneten sich die Ritter in den Kämpfen gegen die Türken u. gegen die Raubstaaten aus, befreiten sehr viele Sklaven u. standen 1684 Venedig gegen die Türken bei. Die Statuten waren denen der Malteser ziemlich gleich; die Ritter standen unter der Regel des St. Benedict, erhielten aber vom Papst Pius IV. die Privilegien der Besitzerwerbung u. Verheirathung; die Benedictinerinnen in Pisa wurden dem S. als Klosterfrauen von St. Stephan einverleibt, auch 1588 in Florenz ein zum Orden gehöriges Frauenkloster zur unbefleckten Empfängniß gestiftet. Ordenszeichen: ein goldenes, dunkelroth emaillirtes Johanniterkreuz, in den vier Winkeln zwischen den Theilen desselben goldene Lilien u. über dem Kreuz schwebt eine goldene Königskrone; Devise: Publicum meritorum praemium, wurde am rothen Bande getragen. Nach der Erneuerung des Ordens durch die Kaiserin Maria Theresia für ihren Gemahl 1764 u. durch Ferdinand III. 1817 als Civil- u. Militärorden bestand der Orden aus Großkreuzen Prioren, Balli u. Rittern, u. diese aus: Gerechtigkeitsrittern (für solche, welche vier Ahnen väterlicher u. mütterlicher Seite mit einem Einkommen von 300 Scudi vom Grundeigenthum beweisen konnte; jeder Ritter konnte als Commende ein Majorat stiften u. dadurch den Orden erblich in der Familie machen) u. Gnadenrittern (diese ernennte der Großherzog für Civil- u. Militärverdienst von Adeligen, mit einem Einkommen von 42–210 Scudi). Die Kapläne trugen statt des Ordenszeichens am rothen Band im Knopfloch nur ein rothes Tuchkreuz auf dem Kleide, die Diener ein Halbkreuz. Ordenstracht: von der Form der Tracht des Goldenen Bließes, weiß, mit rothem Futter; daneben eine gewöhnliche Uniform (seit 1750), blau u. roth, u. eine Staatsuniform, weiß u. roth. Im November 1859 wurde der Orden von dem Souverän des neuen Königreichs Italien für aufgehoben erklärt. 2) Österreichischer Orden des heiligen apostolischen Königs Stephan, Civilorden, gestiftet von der Kaiserin Maria Theresia am 5. Mai 1764, für 20 Großkreuze, 30 Commandeure u. 50 Ritter, ohne die an Geistliche vergebenen Zeichen; jetzt ist die Zahl der Mitglieder unbestimmt u. der Orden wird ohne Unterschied der Geburt ertheilt. Großkreuze, welche Inländer sind, erhalten den Titel wirkliche Geheime Räthe mit dem Prädicat Excellenz; Commandeure u. Ritter werden auf Verlangen taxfrei in den Grafen- u. Freiherrnstand erhoben. Ordenszeichen: achteckiges, grünemaillirtes, um den Rand mit einem goldenen Streif u. in der Mitte mit einem runden, rothen Schild versehenes Kreuz, vorn das silberne apostolische Kreuz in einer goldenen Krone auf grünem Berg u. nebenan die Buchstaben M. T. (Maria Theresia) mit der Umschrift: Publicum meritorum praemium; hinten die mit einem Kranz von Eichenblättern eingefaßte Inschrift: Sto. St. Ri. Ap. (Sancto Stephano Regi Apostolico), darüber die ungarische Krone. Band: roth mit Grün gerändert. Die Großkreuze tragen es breit von der rechten Schulter nach der[776] linken Seite u. dazu einen silbernen Stern, in dessen Mitte die in einem Kranz von Eichenblättern eingefaßte Vorderseite des Kreuzes enthalten ist; die Commandeure um den Hals, ohne Stern; die Ritter noch schmäler im Knopfloch. Ordenstracht: grün u. roth; Ordensfest: jährlich am St. Stephanstag.


Pierer's Lexicon. 1857–1865.

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