Ota Filip


Ota Filip

Ota Filip (* 9. März 1930 in Schlesisch Ostrau, heute Ostrava) ist ein deutsch- und tschechischsprachiger Schriftsteller, der zur Gruppe der Migrantenschriftsteller gehört.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Ota Filip wurde als Sohn einer polnischen Opernsängerin und eines tschechischen Konditors geboren, verbrachte seine Jugend in Prag und arbeitete nach Abitur (1948) und einem Fernstudium in Literatur und Journalistik in der Tschechoslowakei als Redakteur bei verschiedenen Zeitungen und im Rundfunk. 1959 trat er der Kommunistischen Partei bei, wurde aber 1960 bereits wegen kritischer Äußerungen aus der Partei ausgeschlossen. 1960 und 1968 wurde er wegen „Unterwühlung von Staat und Gesellschaft“ zu Haftstrafen und Zwangsarbeit verurteilt und arbeitete als LKW-Fahrer und Bauarbeiter. Trotz Schreibverbot verfasste er Romane, deren Manuskripte unter politischen Sympathisanten kursierten. In dieser Zeit entstand u. a. sein Roman Cafe an der Straße zum Friedhof, für den er 1967 den Großen Preis der Stadt Ostrava erhielt. 1968, während des Prager Frühlings arbeitete er als Verlagslektor. Ein Jahr nach der sowjetischen Okkupation des Landes wurde er 1970 erneut wegen angeblich systemkritischer Publikationen verhaftet und war danach wiederum als Hilfsarbeiter tätig.

1974 wurde er mit seiner Familie ausgebürgert und lebt seitdem als freier Schriftsteller und politischer Journalist in Westdeutschland, wo er u. a. als Lektor für den S. Fischer Verlag arbeitete. 1977 erhielt er die deutsche Staatsbürgerschaft. Seit dem Zusammenbruch des Ostblocks widmet er sich in Aufsätzen und Büchern vor allem dem Thema der deutsch-tschechischen Versöhnung. Er ist Mitglied der Bayerischen Akademie der Schönen Künste, des deutschen P.E.N.-Zentrums in Darmstadt und des Tschechischen Schriftstellerverbandes.

Filip verfasste unter anderem satirische Kurzgeschichten aus der Tschechoslowakei der kommunistischen Ära. Eine seiner Figuren ist der Arbeiter Josef Nowak, der gegen die Widrigkeiten des sozialistischen Alltags kämpft.

Aufgrund 1997 in Prag entdeckter Dokumente entstand eine öffentliche Diskussion wegen Filips Tätigkeit für den kommunistischen Geheimdienst in den fünfziger und siebziger Jahren. Filip bestritt nicht seine Verstrickung, wandte sich jedoch gegen die Vorwürfe, dabei Verfolgten des Regimes persönlich Schaden zugefügt zu haben. Er verwies auf die Zwänge eines totalitären Systems, denen schwer zu entrinnen sei.

1986 wurde ihm der Adelbert-von-Chamisso-Preis für deutschsprachige Migrantenliteratur verliehen. Daneben ist Filips Werk mit mehreren weiteren Literaturpreisen gewürdigt worden. Im Jahr 2010 hat er die Chamisso-Poetikdozentur an der Technischen Universität Dresden inne.[1]

Werke

  • Das Café an der Straße zum Friedhof: Roman. S. Fischer, Frankfurt am Main 1968.
  • Ein Narr für jede Stadt: Roman. S. Fischer, Frankfurt am Main 1969.
  • Die Himmelfahrt des Lojzek Lapáček aus Schlesisch Ostrau: Roman. S. Fischer, Frankfurt am Main 1973.
  • Maiandacht: Roman. S. Fischer, Frankfurt am Main 1980 (Originaltitel "Poskvrněné Početi" 1976)
  • Großvater und die Kanone: Roman. S. Fischer, Frankfurt am Main 1981.
  • Tomatendiebe in Aserbaidschan und andere Satiren. Fischer Taschenbuchverlag, Frankfurt am Main 1981.
  • Die stillen Toten unterm Klee: Wiedersehen mit Böhmen. Langen-Müller, München 1992.
  • Café Slavia: Roman. S. Fischer, Frankfurt am Main 1985; Neuausgabe: Herbig, München 2001.
  • Der siebente Lebenslauf: autobiographischer Roman. Herbig, München 2001.
  • Das Russenhaus: Roman um Gabriele Münter und Wassily Kandinsky. LangenMüller, München 2005.
  • Osmý čili nedokončený životopis. Host, Brno 2007.

Sekundärliteratur

  • Kliems, Alfrun: Im Stummland : zum Exilwerk von Libuse Moníková, Jirí Grusa und Ota Filip, Frankfurt am Main ; Berlin ; Bern ; Bruxelles ; New York ; Oxford ; Wien : Lang, 2003
  • Massum Faryar, Fenster zur Zeitgeschichte : eine monographische Studie zu Ota Filip und seinem Werk, Berlin : Mensch-und-Buch-Verl., 2005
  • Kritisches Lexikon zur deutschsprachigen Gegenwartsliteratur. Hrsg. v. Heinz Ludwig Arnold. München: edition text + kritik

Weblinks

Einzelnachweise

  1. tu-dresden.de: 9. Dresdner Chamisso-Poetikdozentur mit Ota Filip

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