Tisch

Tisch
Tisch aus dem 17. Jahrhundert (Museum Wittstock)
Kombination von Tisch und Bänken, häufig im Freien anzutreffen

Ein Tisch (v. griech.: "δίσκος" (dískos) = Platte, Scheibe) ist ein Möbelstück, welches sich durch eine zugängliche, meist ebene Fläche charakterisieren lässt. Die am häufigsten auftretenden Kategorisierungen sind wahrscheinlich Ablage, Esstisch und Arbeitsfläche (Schreibtisch).

Die Ausführung von Tischen ist äußerst variabel, beispielsweise kann auch ein an der Wand angebrachtes waagerechtes Brett als Tisch dienen. Deshalb ist es schwierig, vom Aufbau eines Tisches eine Definition herzuleiten. Der Tisch ist ein klassisches Brückenmöbel. Im Gegensatz zu Kastenmöbeln überspannt er den Raum, anstatt ihn zu umschließen.

Inhaltsverzeichnis

Funktion

Tische werden meist verwendet, um Gegenstände, Geräte und andere zu bedienende Elemente auf eine erhöhte Position zu bringen, um leichter auf sie zugreifen zu können.

Ein Tisch kann aber auch als Werkzeug dienen, beispielsweise als Vermessungsinstrument. So dienten Tische mit verstellbaren Beinen bzw. einer nivellierbaren Platte und einem auf der Platte montierten Fernglas zur präzisen Vermessung und Kartografierung von Landschaften (Messtisch). Ein weiteres Beispiel ist die Hobelbank.

Das am häufigsten in unserem Kulturkreis mit dem Tisch in Verbindung gebrachte Möbelstück ist der Stuhl, der meist vor den Tisch gestellt wird um darauf zu sitzen. Es gibt aber auch Tische, die im Stehen benutzt werden (Stehpult, Bistrotisch).

In Asien gebräuchlich sind ferner Tische, zu deren Seiten man sich (auch ohne Stuhl) hinsetzt. Der Kotatsu-Tisch in Japan wird zusätzlich auch als Wärmequelle benutzt.

In der Antike war es üblich, sich an Tische zu legen. Siehe hierzu auch: Esskultur im Römischen Reich

Größere Tische, an denen man Speisen verzehrt, nennt man auch Tafel.

Aufbau

Schematische Darstellung eines vierbeinigen Tisches
1: Tischplatte
2: Tischbein, oder Stollen

Die wahrscheinlich am häufigsten auftretende Variante der Konstruktion besteht aus vier, durch Zargen miteinander verbundenen Tischbeinen mit einer darauf liegenden waagrechten Tischplatte. Es gibt auch Varianten mit drei, zwei oder einem Bein und unterschiedlich gestalteten Tischplatten. Das Bein eines Tisches mit nur einem einzigen solchen heißt Stempelfuß. Tische mit drei Beinen können nicht wackeln, da aus geometrischer Sicht drei Punkte genügen, um eine Ebene aufzuspannen.

Ein Tisch kann aus jedem festen Material bestehen, in der Regel wird er jedoch aus Holz hergestellt. Weitere häufig verwendete Materialien sind Glas, Metall, Stein, diverse Kunststoffe oder Beton.

Viele Tische haben Schubladen oder Fächer, in denen häufig an diesem Tisch verwendete Gegenstände gelagert werden können. Eine Tischform, bei der diese Entwicklung sehr weit geht, ist der Sekretär. Diese Bauform wird jedoch immer weniger verwendet, da viele Gegenstände auf Arbeitstischen durch den Einsatz von Computern überflüssig wurden. So heißt nicht zufällig die Benutzeroberfläche verschiedener Computer Desktop (engl. Tischoberfläche).

Zeichen- und Schreibtische werden oft mit einer Vorrichtung versehen, durch deren Hilfe der Neigungswinkel und/oder die Höhe der Arbeitsplatte (meist auch Tischhöhe genannt) verstellt werden kann.

Soziale Relevanz

Der Tisch ist ein Objekt mit einem relativ festgelegten Ort. Das heißt, dass man sich zu einem Tisch begibt. Der Tisch wird oft in Suborte unterteilt, an der jeder seinen spezifischen Platz erhält. So erhält ein Tisch eine Richtung. Hier spielen Symmetrie und Blickrichtung eine wichtige Rolle.

Der Ort an dem sich jemand an einem Tisch befindet, lässt unter Umständen Rückschlüsse auf sein Verhältnis zu den anderen anwesenden Personen zu. So gibt es an vielen Tischen ein Kopfende, das dem "Besitzer" eine gewisse soziale Höhung verleiht. Aber auch die Mitte einer Längsseite kann sehr bedeutsam sein. So sitzt dort beispielsweise meist der vorsitzende Richter bei einer Verhandlung. Leonardo da Vincis Wandgemälde Das Abendmahl zeigt dieses Phänomen bereits in der italienischen Renaissance.

Dahingehen zeigen runde Tische eine Gleichstellung aller Individuen am Tisch. So wird dies z.B. in der Sage von König Artus verwendet (Tafelrunde).

Mahlzeit

Esstisch
Herbstlicher Tafelschmuck (Ausschnitt)

Eine klassische Situation, die sich durch alle Kulturen und Zeitalter zieht, ist sich zu einer Mahlzeit zu treffen. So nimmt zum Beispiel das gemeinsame Familienessen eine wichtige Funktion im Gefüge einer Familie ein. Viele geschäftliche Verbindungen werden mit sog. Geschäftsessen geknüpft oder erhalten. Beliebt ist es auch, Freunde zum Essen oder Trinken einzuladen, um Freundschaften zu pflegen. Hierbei wird der Tisch in der Regel festlich dekoriert; Tafelgeschirr, Bestecke und besonderer Tischschmuck bilden hierbei einen repräsentativen Rahmen, der auch den Stellenwert der eingeladenen Gäste dokumentieren soll.

In vielen Kulturen ist dem Anrichten und der Einnahme der Mahlzeiten ein eigener Tisch von entsprechender Größe gewidmet. In Mitteleuropa hat dieser in der Regel eine Höhe von 72 bis 80 Zentimetern. Einer an ihm auf einem dazu passenden Stuhl sitzenden Person ist es so bequem möglich, die Arme auf der Tischplatte abzulegen. Niedrigere, der jeweiligen Sitzkultur entsprechende Höhen sind beispielsweise in Japan zu finden.

In vielen Sprachen existiert die Redewendung „die Füße unter einen Tisch“ zu stellen. Dieser Satz impliziert auch ein Besitz- und Abhängigkeitsverhältnis. Jemand „stiftet“ einen Tisch und eine Mahlzeit und schafft einen Ort der Sicherheit, für die eine gewisse Gegenleistung erwartet wird. Diese kann zum Beispiel Respekt (dem Familienoberhaupt), Folgschaft (einem Fürsten) oder auch materieller Natur (Restaurant) sein.

Esstische sollen die Familie zusammenführen und dienen als beliebter Treffpunkt.

Siehe auch: Tischsitten, Tischgedeck


Verhandlung

Mittelalterlicher Steintisch unter der Linde am Gerichtsplatz in Lohfelden-Vollmarshausen

Viele Verhandlungen werden an Tischen geführt. Je nach Motivation und Verhandlungsziel werden dabei unterschiedliche Tische verwendet und somit unterschiedliche Orte geschaffen.

Um die Ebenbürtigkeit der Verhandlungspartner zu betonen, wird oft der so genannte runde Tisch verwendet.

Viele Tische haben eine Besitzer- und eine Besucherseite. Das Verhältnis der beiden Seiten ist so maßgeblich für die Verhandlung. Will der Besitzer beispielsweise etwas verkaufen, dann wird die Besucherseite in der Regel komfortabel ausgestattet sein. Kommt der Besucher als Bittsteller, so wird er sich in der Regel auf weniger Komfort einstellen müssen. So war es in Ämtern oft üblich zu stehen, während der Beamte sitzt.

Spiel

Viele Spiele finden an Tischen statt. Für manche Spiele wurden eigens spezielle Tische entworfen (Billard, Roulette) oder ein Tisch ist notwendig, um sie zu spielen (Fingerhakeln). Für andere Spiele gibt es ebenfalls spezielle Tische, obwohl sie für das Spiel nicht zwingend notwendig sind (z.B. Schachtische mit Spielbrett und Aufbewahrungsmöglichkeit für Figuren).

Redewendungen

Wie in vielen anderen Sprachen auch, haben sich viele Redewendungen rund um den Tisch entwickelt:

  • „Zu Tisch!“: Das Essen ist fertig, Aufforderung zur Versammlung und zum Hinsetzen;
  • „Tisch decken“: Besteck und Geschirr nach gesellschaftlichen Normen auf den Tisch legen;
  • „unter den Tisch trinken“: Jemanden durch gemeinsamen Konsum von Alkohol dazu bringen, mehr zu trinken, als er/sie verträgt.
  • „die Füße unter den Tisch stellen“: bei jemandem wohnen, essen und leben;
  • „unter dem Tisch“: heimlicher Verkauf;
  • „jemanden über den Tisch ziehen“: jemanden betrügen (vgl. auch Fingerhakeln);
  • „reinen Tisch machen“: eine Sache klären, die Voraussetzung für einen Neubeginn der Kommunikation schaffen; (Die Wendung entstand wahrscheinlich aus der Fehldeutung von „Tabula rasa“.);
  • „etwas ist vom Tisch“: ein Problem wurde beseitigt, ein Thema ist nicht mehr relevant;
  • „auf den Tisch hauen“: sich energisch durchsetzen;
  • „am grünen Tisch“: praxisfern;
  • "am runden Tisch sitzen": Eine Besprechung (Meeting) bei der Vereinbarungen getroffen werden (sollen)

Literatur

  • Thomas Schürmann: Tisch- und Grußsitten im Zivilisationsprozeß. Münster: Waxmann 1994. ISBN 3-89325-233-9
  • Morel, Andreas/ Flüeler-Grauwiler, Marianne: Der gedeckte Tisch: zur Geschichte der Tafelkultur. Zürich: Chronos 2001. ISBN 3-0340-0506-7
  • Böth, Gitta/ Hartmann, Manfred/ Bald, Herbert: Möbel: eine Typologie für Museen und Sammlungen. München/ Berlin: Dt. Kunstverlag 2005. ISBN 3-422-06512-1
  • John Morley: Möbel Europas: von der Antike bis zur Moderne (orig. Furniture, übers. aus dem Engl. von Dagmar Lutz). München: Battenberg 2001. ISBN 3-89441-483-9
  • Sigrid Hinz (Bearb.: Alfred Nützmann): Innenraum und Möbel: von der Antike bis zur Gegenwart. 3., erw., bearb. u. neugest. Aufl. Berlin: Henschelverl. Kunst und Gesellschaft 1989. ISBN 3-362-00287-0
  • Heinrich Kreisel; Georg Himmelheber: Die Kunst des deutschen Möbels: Möbel und Vertäfelungen des deutschen Sprachraums von den Anfängen bis zum Jugendstil. 3 Bände. München: Beck 1968-1973. http://d-nb.info/457292199
  • Hermann Schmitz: Das Möbelwerk: die Möbelformen vom Altertum bis zur Mitte des neunzehnten Jahrhunderts. Berlin: Wasmuth 1926.

Weblinks

Wiktionary Wiktionary: Tisch – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme, Übersetzungen
 Commons: Tisch – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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