Bardo (Mainz)

Bardo (Mainz)
Kupferstich von Reckert

Bardo (* 980 oder 981 in Oppershofen; † 10. oder 11. Juni 1051 in Dornloh, Thüringen) war Mönch in Fulda, Abt von Werden und Helmstedt und Erzbischof von Mainz.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Bardo – so die beiden zeitnahen Viten über den Mönch, Abt und Erzbischof – wurde als Sohn des Adalbero und der Christina in Habprahteshoven geboren. Habprahteshoven heißt übersetzt „Zu den Höfen des Hadupracht“. Diese Höfe lagen in der Dorfgemarkung von Oppershofen in der Wetterau. Der genaue Lokalität ist nicht überliefert. Da Bardo neben dem Münschhof eine Kirche erbauen ließ, gehen Vermutungen in die Richtung , dass dies Habprahteshoven war.[1].

Seine geistliche Ausbildung erhielt er im Kloster Fulda, wo er 1018 zum Dekan und Propst der Fuldaer Propstei Neuenberg gewählt wurde. Ende März 1029 besuchte Kaiser Konrad II. das Kloster; es kam zu einem ersten Zusammentreffen zwischen dem Mönch und dem Herrscher, der Ende 1029 oder Anfang 1030 Bardo - unter Umgehung des Rechts der freien Abtswahl - zum Leiter des Werdener Klosters (1029?-1031) bestimmte. Der neue Abt soll auf den Gehorsam der Mönche und die Pflege des Gottesdienstes besonderen Wert gelegt haben. Gerühmt werden auch die Gastfreundschaft Bardos und seine Fürsorge für die Armen.

Zu Beginn des Jahres 1031 wurde Bardo auf Vermittlung der Kaiserin Gisela von Schwaben zudem Abt von Hersfeld. Da in diesem Zusammenhang Bardos Verwandtschaft mit der Kaiserin erwähnt wurde, erscheint er als Glied der Familie der Konradiner. Schon zu Pfingsten 1031 (30. Mai), nach dem Tod des Mainzer Erzbischofs Aribo (1021–1031) wurde Bardo von seinem kaiserlichen Gönner Konrad auf den freigewordenen Erzbischofsstuhl berufen und mit Ring und Stab investiert. Seine Erhebung zum Mainzer Erzbischof erfolgte an St. Peter und Paul (29. Juni) in Goslar; Bardo war nun nicht mehr Abt von Werden und Hersfeld.

Als Erzbischof ist er in den Jahren bis zu seinem Tod vielfach in der Umgebung der Herrscher Konrad II. und Heinrich III. (1039–1056) zu finden: Am 11. November 1036 weihte er in Anwesenheit beider Salier den neu ausgebauten Mainzer Dom; im September 1041 (?) nahm er an einem Feldzug Heinrichs III. gegen Böhmen teil; im Herbst 1043 salbte er Agnes von Poitou (ca. 1025–1077), die Ehefrau Heinrichs III., zur Königin. Weihen von Kirchen und Altären sind ebenso überliefert wie Bardos Einfluss bei der Besetzung vakanter Bischofssitze. Auf einer am 19. Oktober 1049 in Mainz stattfindenden Synode unter Bardos Vorsitz sprachen sich die teilnehmenden Bischöfe in Anwesenheit Heinrichs III. gegen Simonie und Priesterehe aus. Nochmals trafen Erzbischof und Kaiser zu Pfingsten 1051 (19. Mai) in Paderborn zusammen. Auf seiner Rückreise nach Mainz erkrankte Bardo schwer und starb am 10. oder 11. Juni 1051 im thüringischen Dornloh, dem heutigen Oberdorla. Sein Leichnam wurde im Mainzer Dom beigesetzt.

Noch im Jahrzehnt seines Todesjahres entstanden zwei hagiographische Lebensbeschreibungen Bardos. Die ältere wurde von Bardos erzbischöflichem Nachfolger Luitpold in Auftrag gegeben und von einem Kaplan namens Vulkuld verfasst. Die jüngere Vita wurde von einem unbekannten Mönch in der Abtei Fulda verfasst. Als möglicher Autor wird Bardos gleichnamiger Neffe angesehen, der später Abt der Mainzer Abtei Sankt Alban werden sollte.

Bardo wird in einigen deutschen katholischen Bistümern als Heiliger verehrt.

Quellen

Literatur

  • Markus Bötefür, Gereon Buchholz, Michael Buhlmann: Bildchronik Werden. 1200 Jahre, Essen 1999, S. 39
  • Heinrich Büttner: Die Mainzer Synode vom Oktober 1049. In: Mainzer Kalender 1949, S. 53–59
  • Jahrbücher des deutschen Reiches:
    • Harry Bresslau: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Konrad II. (1024-1039) , 2 Bde., 1879, 1884, Nachdruck Berlin 1967.
    • Ernst Steindorff: Jahrbücher des Deutschen Reiches unter Heinrich III. (1039-1056) , 2 Bde., 1874, 1884, Ndr Berlin 1967
    • III: Salisches Haus 1024-1125: Bd.III,1,1: Konrad II. 1024-1039, bearb. v. Heinrich Appelt u. Norbert von Bischoff, Graz 1951
  • Alois Gerlich: Artikel: Bardo, in: Lexikon des Mittelalters, Bd. 1, (1980) Sp. 1458–1459.
  • Wilhelm Stüwer (Bearb.): Die Reichsabtei Werden an der Ruhr. (= Germania Sacra NF 12, Erzbistum Köln 3). Berlin-New York 1980, S. 308f.
  • Ernst Steindorff: Bardo. In: Allgemeine Deutsche Biographie (ADB). Band 2, Duncker & Humblot, Leipzig 1875, S. 56–59.
  • Friedrich Wilhelm Bautz: Bardo (Mainz). In: Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon (BBKL). Band 1, Hamm 1975, Sp. 369.

Einzelnachweise

  1. Dr. Paul Görlich: Bardo - Abt von Werden und Hersfeld, schließlich Erzbischof von Mainz. Beitrag aus dem Beiblatt "Mein Heimatland" der Hersfelder Zeitung; Band 38, Nummer 12, Dezember 1998

Weblinks

Vorgänger Amt Nachfolger
Aribo Erzbischof von Mainz
1031–1051
Luitpold I.
Heithanrich Abt von Werden und Helmstedt
1030–1031
Gerold
Arnold Abt von Hersfeld
1031
Rotho

Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Нужно сделать НИР?

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Bardo — (von althochdeutsch „Streitaxt“ und „Wolf“) steht für: Bardo Śląskie, eine Stadt in Polen Le Bardo, ein Vorort von Tunis Nationalmuseum von Bardo, ein archäologisches Museum in Tunis Bardo (Mainz) (980–1051), Benediktinermönch und Erzbischof von… …   Deutsch Wikipedia

  • Bardo von Mainz — Kupferstich von Reckert Bardo (* 980 oder 981 in Oppershofen; † 10. oder 11. Juni 1051 in Dornloh, Thüringen) war Mönch in Fulda, Abt von Werden und Erzbischof von Mainz. Bardo – so die beiden zeitnahen Viten über den Mönch, Abt und Erzbischof –… …   Deutsch Wikipedia

  • Mainz am Rhein — Wappen Karte Mainzer Rad Basisdaten …   Deutsch Wikipedia

  • Mainz Cathedral — (Der Hohe Dom zu Mainz) Mainz Cathedral from the southwest General information Architectural style Romanesque …   Wikipedia

  • Bardo (archbishop) — Bardo (c. 980 10/11 June 1051) was the Archbishop of Mainz from 1031 until 1051, the Abbot of Werden from 1030 until 1031, and the Abbot of Hersfeld in 1031.Bardo was born in Oppershofen in the Wetterau. He was educated and trained at the Abbey… …   Wikipedia

  • Bardo De Mayence — Eau forte de Reckert. Bardo de Mayence, né vers 980 à Oppershofen (bourg de la Vettéravie/Hesse), mort le 10 ou 11 juin 1051 à Dornloh (Thuringe), fut un moine bénédictin de l’abbaye de Fulda, abbé des monastères de …   Wikipédia en Français

  • Bardo de mayence — Eau forte de Reckert. Bardo de Mayence, né vers 980 à Oppershofen (bourg de la Vettéravie/Hesse), mort le 10 ou 11 juin 1051 à Dornloh (Thuringe), fut un moine bénédictin de l’abbaye de Fulda, abbé des monastères de …   Wikipédia en Français

  • Mainz — • German town and bishopric in Hesse; formerly the seat of an archbishop and elector Catholic Encyclopedia. Kevin Knight. 2006. Mainz     Mainz      …   Catholic encyclopedia

  • Mainz [1] — Mainz, sonst Erzbisthum im Niederrheinkreise, lag zum größten Theile auf der rechten Rheinseite in drei getrennten Gebietstheilen mit 150 QM. u. 350,000 Ew.; das Gebiet um M. umfaßte den nördlichen Theil von dem heutigen Hessen Dsrmstadt, den… …   Pierer's Universal-Lexikon

  • Bardo [1] — Bardo (wegen seiner Beredsamkeit Chrysostomus, Goldmund, genannt), Sohn Adalberts von Oppershosen, wurde erst Abt von Fulda u. Hersfeld, 1031 Erzbischof zu Mainz u. zog mit Kaiser Heinrich III. gegen die Böhmen.; er st. 1051 …   Pierer's Universal-Lexikon

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”