Beutepanzer


Beutepanzer
Britischer Mark IV als deutscher Beutepanzer, mit deutschem Hoheitszeichen im Ersten Weltkrieg, 1918
Deutsche Panzerschwadron mit englischen Beutepanzern, samt deutschem Hoheitszeichen in Frankreich, 1918
Deutsche Reparaturwerkstatt im Ersten Weltkrieg für erbeutete britische Panzer (u. a. Mark IV), Charleroi, 1916
Der erste Tiger, der den Alliierten in die Hände fiel (1943 nahe Tunis)
Deutscher Panzersoldat auf Turm eines erbeuteten leichten sowjetischen Panzer T-60 in der Schlacht um Cholm (4. Mai 1942)
Sowjetischer KW-1 als finnischer Beutepanzer

Ein Beutepanzer ist ein Panzerfahrzeug (meist ein Kampfpanzer), das vom Kriegsgegner erbeutet wurde, und das meist von der eigenen Panzertruppe eingesetzt oder untersucht wird.

Wenn erbeutete Panzer in eigenen Streitkräften eingesetzt werden, werden sie mit dem eigenen Hoheitszeichen versehen, damit sie nicht von den eigenen oder verbündeten Streitkräften attackiert werden (Eigenbeschuss), da sie ihn aufgrund des Modells für einen Feindpanzer halten. Auch werden für Beutepanzer Benutzerhandbücher für die Panzerbesatzungen ausgearbeitet, um die Bedienung zu erleichtern. Die Beutepanzer werden, sofern sie militärischen Nutzen bringen und der Nachschub von Munition, Treibstoff und Ersatzteilen sowie die Instandsetzung sichergestellt ist, als regulärer Teil der Panzertruppe genutzt. Werden die Beutepanzer über eine längere Zeit eingesetzt, wird durch Austausch einiger Bauteile wie z. B. Bewaffnung versucht den eigenen Panzern anzugleichen um den Nachschub und Instandsetzung zu vereinfachen. In seltenen Fällen werden nicht nur Panzer erbeutet, sondern auch die Panzerfabriken des Gegners, so z. B. italienische und tschechoslowakische Rüstungsindustrie durch deutsche Truppen im Zweiten Weltkrieg. Dies steigert den militärischen Nutzen, wenn die Produktion gegebenenfalls weiter betrieben werden kann.

In vielen Fällen liefern erbeutete Panzerfahrzeuge auch wichtige Einblicke in die Waffentechnologie des Gegners, welche für die Entwicklung eigener Panzertypen von Nutzen sind.

Inhaltsverzeichnis

Erster Weltkrieg

Im Ersten Weltkrieg fielen den deutschen Streitkräften so viele britische Tanks (meist Mark IV) in die Hände, dass diese die Anzahl der selbst produzierten Panzer bei weitem überschritten. Es wurden Sammellager und Reparaturwerkstätten eingerichtet und Panzerschwadronen mit den Beutepanzern aufgestellt. Die Tanks wurde mit dem Eisernen Kreuz, als Hoheitszeichen, versehen und erhielten zum Teil einen neuen Tarnanstrich.

Zweiter Weltkrieg

Vor allem für die Wehrmacht spielten Beutefahrzeuge eine nicht zu unterschätzende Rolle. Bereits nach dem Anschluss Österreichs und der Annexion Tschechiens wurden dortige Bestände von gepanzerten Fahrzeugen in den Bestand der Wehrmacht eingegliedert. Im Oktober 1940 befahl das Heeresamt von jedem erbeuteten Panzer, Kraftfahrzeug u.s.w. zwei Exemplare zu Auswertungszwecken an die Kraftfahrversuchsstelle des Heereswaffenamtes abzuliefern.

Im aktiven Truppendienst wurden Beutepanzer vereinzelt oder in kleinen Gruppen (zum Beispiel in Beute-Panzerkampfwagen-Zügen) an allen Fronten eingesetzt. Eine Ausnahme bildete das Deutsche Afrika Korps. Da die Panzerarmee Afrika ständig unter Versorgungsmangel litt, enthielt der Kraftfahrzeugbestand zeitweise bis zu 85 Prozent Beutefahrzeuge.

Teilweise wurden feindliche Panzer in großen Stückzahlen erbeutet. So wurden im Westfeldzug 691 englische Kampfpanzer erbeutet, von denen wohl circa 350 für die Wehrmacht wiederverwendbar gewesen sein können. Ein ausreichender Nachschub an Munition war für die meisten Fahrzeuge jedoch nicht gewährleistet. Um diese aber weiter nutzen zu können, wurden Fahrgestelle von Beutepanzern auch zu Munitionstransportern und Beobachtungspanzern umfunktioniert. Andere erhielten Aufbauten mit Waffen aus eigener Herstellung und wurden so zu Selbstfahrlafetten oder Jagdpanzern.

Zu stark beschädigte Fahrzeuge wurden zur Ersatzteilgewinnung verwendet.

Während des Unternehmens Barbarossa gelang es bis zur Jahreswende 1941/1942 einige wenige BT- und T-26-Panzer, sowie einzelne T-60-Kampfwagen und Panzerzüge zu erobern. Im Frühjahr 1943 besetzte das SS-Panzerkorps ein Traktorenwerk (Panzerwerk) in Charkow und ließ die dortige Produktion von T-34 Panzern fortführen. Mit diesen wurde zum Beispiel die SS-Panzerjäger-Abteilung 2 der Division „Das Reich“ ausgestattet.[1]

Beispiele für Beutepanzer im Zweiten Weltkrieg

Verwendung durch die Wehrmacht

Verwendung durch die Rote Armee

Verwendung durch die finnische Armee im Fortsetzungskrieg

Verwendung durch die rumänische Armee

Verwendung durch die Alliierten der Westfront

  • italienische M13/40-Kampfpanzer, vom australischen 6. Calvry Regiment Dingo, Wombat bzw. Rabbit genannt, welche mit weißen Kängurus an Wanne und Turm gekennzeichnet waren

Beispiele für Beutepanzer nach dem Zweiten Weltkrieg

Siehe auch

Literatur

Thematik Erster Weltkrieg:

  • Beutepanzer im Ersten Weltkrieg – Britische, französische und russische Kampf- und Panzerwagen im deutschem Heer von Fred Koch, Podzun-Pallas Verlag GmbH 1994, ISBN 3790905208.

Thematik Zweiter Weltkrieg:

  • Beutepanzer unterm Balkenkreuz von Werner Regenberg und Horst Scheibert, Podzun-Pallas Verlag GmbH, ISBN 3790903922.
  • Militärfahrzeuge, Band 12, Beute-Kraftfahrzeuge und Panzer der deutschen Wehrmacht von Walter J. Spielberger, Motorbuch Verlag, ISBN 9783613012554.
  • Werner Regenberg,Waffen-Arsenal Band 137 – Beutepanzer unterm Balkenkreuz / Amerikanische und englische Kampfpanzer, Podzun-Pallas-Verlag GmbH 1992, ISBN 3-7909-0448-1

Einzelnachweise

  1. Zweiter Weltkrieg Lexikon/ Russische Beutepanzer

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