Frauenberg (Sondershausen)

Frauenberg (Sondershausen)
Frauenberg
Frauenberg mit Schlosspark Sondershausen und Wipper

Frauenberg mit Schlosspark Sondershausen und Wipper

Höhe 411 m ü. HN
Lage Thüringen (Deutschland)
Gebirge Hainleite
Geographische Lage 51° 22′ 37″ N, 10° 49′ 54″ O51.37694444444410.831666666667411Koordinaten: 51° 22′ 37″ N, 10° 49′ 54″ O
Frauenberg (Sondershausen) (Thüringen)
Frauenberg (Sondershausen)
Gestein Kalkstein
Besonderheiten vorchristliches Bergheiligtum, Burganlage, Kirchen-bzw. Kapellenreste, fränkische Adelsgräber, 2 Sendetürme

Der Frauenberg ist eine 411 m hohe Erhebung und ein Bergsporn südwestlich von der Kreisstadt Sondershausen in Thüringen, der am östlichen Eck der Hainleite in das Tal der Wipper hineinragt.

Seit 2007 wird der Berg durch archäologische Grabungen systematisch erforscht und zählt damit gegenwärtig zu den wichtigsten Grabungsplätzen in Thüringen.

Inhaltsverzeichnis

Geografische Lage

An der östlichen Peripherie des Höhenzugs Hainleite ragt der Frauenberg bis in das Tal der Wipper hinein, in dem sich die Musik- und Bergstadt Sondershausen befindet. Am Fuße des Berges befinden sich die Ortsteile Jechaburg (südlich), Stockhausen (östlich) und Großfurra (nördlich).

Das Plateau des Frauenberges ist nahezu baumlos und wird zum Teil als Schafsweidefläche genutzt. Die Hänge dagegen sind bewaldet und laufen nordöstlich in Kleingärten über.

Am Nordhang befindet sich ein alter Steinbruch, in dem einst Kalkstein - aus dem der Berg besteht - geschlagen wurde.

Name

Der Bergname Frauenberg selbst steht im Zusammenhang mit der namensgebenden ehemaligen Marienkirche „unser lieben Frau“ und auf dem Gipfelplateau.

Geschichte

Holda, die gütige Beschüzerin (F. W. Heine, 1882), vermutlich auch als Jecha verehrt
Ansicht links: Schloss Sondershausen, rechts: Frauenberg mit den 2 Funktürmen
Blick vom Ortsteil Stockhausen zum Frauenberg

Archäologische Funde der vorangegangen Jahren belegen, dass der Frauenberg eine nicht gerade unscheinbare Stellung in der Geschichte besaß, sondern gerade in Mitteldeutschland Schauplatz von religiösen und gesellschaftlichen Strukturen war.

Ein Zwei-Pfosten-Grubenhaus, dessen Reste bei Ausgrabungen 2010 entdeckt wurden, belegt, dass sich bereits in der Eisenzeit Siedlungsstrukturen auf dem Frauenberg entwickelt haben. Mit der ersten Besiedlung begann auch in der Region die religiöse Entwicklung.

Ebenfalls aus diesem Zeitraum wurden auf dem Plateau Gräber einer Adelsfamilie gefunden, die reich mit Goldschmuck, Perlen aus Glas und Halbedelsteinen ausgestattet waren. Eine silberne Fibel in Kreuzform belegt den Übergang zum Christentum des damals lebenden Adels in der Region. Ein grüner Sturzbecher, eine Glasschale aus dem Rheinland, belegt Handel um 700/800. Weiterhin sind bis jetzt 30 frühmittelalterliche und 40 hochmittelalterliche Begräbnisse bekannt.

Die Grundmauern von zwei Steinkirchen wurden nachgewiesen. Die einer romanischen Steinkirche aus dem 11./12. Jahrhundert, die bereits 1873 von Scheppig untersucht und wieder verschüttet wurden, sind seit 2009 wieder durch Gabionen sichtbar gemacht worden[A 1]. Sie existierte noch bis 1506 als "Capella beatae Mariae Virginis in monte b. Mariae virginis"[1]. Nach der in der Region fruchtenden Reformation Luthers verlor die Kirche an Bedeutung, wurde geplündert und verfiel.

Am nördlichen Steilhang durchziehen zahlreiche Risse den Berg, deren Entstehung im Zusammenhang mit der geologischen Entwicklung des Wippertales steht. Angeblich soll ein Erdbeben, das am 28. Januar 1348 ganz Europa erschüttert haben soll, Ursache für die Spalten sein. Im Jahr 1817 brach ebenfalls am Nordhang ein riesiges Felsstück einer solchen Spalte ab und stürzte ins Tal, wodurch zahlreiche Gärten am Berg begraben wurden.

Aus der Luft sichtbar ist auch eine auf dem Plateau befindliche sternförmige Wallanlage, die aus jüngerer Vergangenheit stammt. Sie diente als Übungsanlage für die schwarzburgischen Truppen unter den letzten Fürsten von Schwarzburg-Sondershausen.

Der Frauenberg als Ausblicksplattform wurde bereits recht früh von den Sondershäusern und den Menschen der Umgebung entdeckt und war (wie auch noch heute) beliebtes Ziel von Wandernden. So entstand auf dem Frauenberg um 1900 eine Gaststätte, die sich noch bis in die 50er Jahre hielt.

Archäologischer Fundplatz

Bei Schachtarbeiten war man bereits 1873 auf die Grundmauern einer mittelalterlichen Kapelle gestoßen, auch fanden sich erste vorgeschichtliche Artefakte. Die günstige Geländetopographie wurde schon in der Urnenfelderzeit für die Anlage von Befestigungen genutzt. Seit 2007 wird der Berggipfel durch archäologische Grabungen systematisch erforscht. Der Berg zählt gegenwärtig zu den wichtigsten Grabungsplätzen in Thüringen. Der ersten Siedlung folgte nach lokaler Überlieferung eine dort in einem Hain angelegte Kultstätte der Göttin Jecha.[2] Im Mittelalter wurde der Berg mit einer ersten Marienkirche besetzt, auch fanden sich Befestigungsanlagen in Form von Wällen und Gräben, die dort eine Burganlage belegen.

Sagen und Legenden

Der Schwan im Frauenberg

Nach mündlicher Überlieferung wurde die folgende Erzählung weitergegeben. Es heißt, dass Mönche diese Sage vom Schwan erfunden haben, um zu verhindern, dass nach Schätzen gegraben wird, die sie aus Angst vor Plünderungen auf dem Berg verscharrt hatten. Doch tritt belegbar das Erzählen der Sage erst im 19. Jahrhundert auf. Folgendermaßen wird berichtet:

In dem Berge, der ganz hohl ist, befindet sich ein großer See. Über den See spannt sich lieblich blau ein Himmelsbogen, der mit vielen funkelnden Sternen besät ist, die sich im klaren See widerspiegeln. Auf der ruhigen Wasserfläche rudert seit Anbeginn der Welt in ewigen Kreisen ein silberweißer Schwan, der vom Ausfluss des Sternenglanzes lebt und im Schnabel einen goldenen Ring trägt. Als der liebe Gott die Erde schuf, gab er ihm den Ring in den Schnabel, damit er die Welt im Gleichgewicht hielte. Wenn der Schwan den Ring fallen lässt, ist das Ende aller Dinge gekommen und die Welt geht unter.[3]

Hildegard und Hellmund

Niedergeschrieben wurde diese Sage vom Frauenberg als ein Gedicht von Bruno Sasse[4]. Eine weitere Version dieser Geschichte basierend auf diesem Gedicht ist die Erzählung von Ines Klonz Wulff-Woesten[5].

Die Sage spielt in der vorchristlichen Zeit, als noch die Göttin Jecha auf dem Frauenberg angebetet und das Frankenreich immer wieder von den Sachsen überfallen wurde. Die Hauptpersonen sind ein hübsches Mädchen namens Hildegard und ein sächsischer junger Ritter mit dem Namen Hellmund. Beide sind ein Paar und sehr verliebt bis eines Tages Hellmund kriegsbedingt Hildegard verlassen muss und die beiden sich nicht mehr wieder sehen. Das Mädchen war so verzweifelt, dass sie zum Heiligtum der Jecha auf dem Frauenberg ging und dort Priesterin werde will. Dazu schwört sie ein Gelübde, dass sie uneingeschränkt der Göttin dienen muss. Nach Jahren bei einer Schlacht zwischen Franken und Sachsen wird Hellmund gefangen genommen und soll der Jecha geopfert werden. Als Prüfung muss Hildegard den Feind mit dem Schwert töten. Sie erkennt ihn, doch kann sich ihrer Pflicht nicht entziehen und will es auch nicht, da er ihr mit seinem Verschwinden das Herz gebrochen hatte. Er beteuert seine Liebe, ist jedoch dazu bereit, aus Reue zu sterben. Bei einer Gewitternacht auf dem Berg soll das Blutopfer vollzogen werden. Laut Sasse soll die Göttin Jecha so gerührt gewesen sein, dass sie die Erde aufgehen ließ und das Liebespaar verschlang. Im Berginneren war das Paradies und die beiden lebten noch glücklich bis an ihr Lebensende. Bei Wulff-Woesten kann sich Hildegard selbst überwinden und zerschlägt die Fesseln ihres Geliebten, sodass sie beide vom Berg fliehen können. Die Wut der Göttin wird in einem unheilvollen Gewitter deutlich, doch es gelingt dem Paar der göttlichen Gewalt zu entfliehen.

Funktechnik

Auf dem Frauenberg befinden sich zwei Sendetürme: ein ca. 30 Meter hoher Fernmeldeturm aus Holz, der einst von der NVA genutzt wurde und ein frei stehender Stahlfachwerkturm, der als Sendeturm für Mobilfunk und UKW (MDR, Radio Top 40) genutzt wird.

Anmerkungen

  1. In den nächsten Jahren sind Sitzmöglichkeiten, Schautafeln u.Ä. zur Präsentation geplant.

Literatur

  • F. J. B. Leonhard: Die Harzburg und ihre Geschichte. Fleckeisen, Helmstädt 1825.
  • C. A. Vulpius: Handwörterbuch der Mythologie der deutschen, verwandten, benachbarten und nordischen Völker. Lauffer, Leipzig 1826.
  • Ludwig Ettmüller: Kunech Luarin. Nebst Bemerken. Schmid, Jena 1829, online.
  • Georg Quehl: Die Religion der Thüringer. Erster Theil: Das Heidenthum der Thüringer – den Eintritt und die erste Verbreitung des Christenthums in Thüringen, und die Darstellung der Prediger-Kirche in Erfurt enthaltend. In Commission der Keyserschen Buchhandlung, Erfurt 1830.
  • Michael Köhler: Thüringer Burgen und befestigte vor- und frühgeschichtliche Wohnplätze. Jenzig-Verlag Köhler, Jena 2001, ISBN 3-910141-43-9.

Einzelnachweise

  1. Mitteilungen des Vereins für Deutsche Geschichts- und Altertumskunde in Sondershausen 6. Heft, Sondershausen 1931, S. 21
  2. Verborgene christliche Spuren in der Erde des Frauenbergs. In: Musik- und Bergstadt Sondershausen (Online-Portal der Stadtverwaltung). Abgerufen am 22. August 2010.
  3. Wolfgang Diez und Helmut Röttig: Sondershausen-Liebeserklärung an eine Stadt, Bildarchiv Röttig, Sondershausen 2000, S. 229
  4. Die Sage vom Frauenberg, Bruno Sasse, Fr. Aug. Eupel‘s Hofdruckerei, Sondershausen 1910
  5. Hildegard und Hellmund – die Sage vom Frauenberg, SCHRIFT & GRAFIK Luzie Aweh, Sondershausen 1997

Weblinks


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