Gustav Zeuner (Schiff)


Gustav Zeuner (Schiff)
Gustav Zeuner
Während der Restaurierung

Während der Restaurierung

p1
Schiffsdaten
Schiffstyp Kettendampfer
Heimathafen Magdeburg
Eigner Kettenschleppschifffahrt Oberelbe
Bauwerft Dresden Übigau
Stapellauf 1894
Verbleib Museumsschiff in Magdeburg
Schiffsmaße und Besatzung
Länge
55,47 m (Lüa)
Breite 10,34 m
Tiefgang max. 0,95 m
 
Besatzung 7
Maschine
Maschine 2 stehende Verbundmaschinen, Einspritzkondensation,
1 Zweiflammrohr-Zylinderkessel mit rückkehrenden Heizrohren,
10 at,
84m² Heizfläche
Maschinen-
leistung
180 PS (132 kW)
Geschwindigkeit max. 2 kn (4 km/h)

Der Kettendampfer Gustav Zeuner wurde 1894 als erster Kettenschleppdampfer der zweiten Generation in Dresden-Übigau erbaut. Das Schiff ist das einzige nahezu vollständig erhalten gebliebene Relikt der Kettenschifffahrt auf der Elbe. Das Schiff war von 1895 bis 1931 auf der Elbe im Einsatz und befindet sich heute als Museumsschiff im Handelshafen Magdeburg.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Mit fortschreitender Industrialisierung nahm der Massengutverkehr auf der Elbe schnell zu. Die bis dahin verwendeten Radschleppdampfer mit Niederdruckdampfmaschine waren zu leistungsschwach. Um das Transportsystem Schleppschifffahrt zu verbessern, wurden nun neue Schleppdampfer gesucht. Die erforderliche Leistung konnte seinerzeit nur von Kettenschleppern erbracht werden.

Konkrete erste Schritte zur Einführung der Kettenschifffahrt in Deutschland wurden seit 1862/1863 an Rhein und Elbe unternommen. Die Kettenschifffahrt auf der Elbe und Saale begann mit dem ersten, regulären Schleppdienst mit einem Kettendampfer in Magdeburg auf dem Teilstück der Elbe zwischen Magdeburg-Neustadt und Magdeburg-Buckau realisiert. Die Realisierung des Streckenausbaus bis Hamburg dauerte bis zum Jahr 1874. Im Jahr 1871 war auch die Strecke bis zur Oberelbe, bis zur Ortschaft Kreinitz, ausgelegt. Bis zum Jahr 1873 verfügte die KSO (Kettenschleppschifffahrt Oberelbe) über 13 Kettendampfer. Auch in der Saale wurden von der Mündung bis nach Halle bis zum Jahr 1903 105 km Kette verlegt.

Das Schiff

Der eiserne und vollgenietete Kettendampfer wurde von 1894 bis 1895 in Dresden gebaut[1] und dort 1895 in Dienst gestellt. Das Schiff der zweiten Generation war mit einer bahnbrechenden technischen Neuerung ausgestattet, dem „Bellingrath'schen Kettengreifrad“ mit 2320 mm Durchmesser. Weiterhin besaß es, der damaligen Zeit weit voraus, zwei Wasserstrahlturbinen, über lösbare Kupplungen mit der Hauptmaschine verbunden zur Verbesserung der Manöverierfähigkeit während der Fahrt an der Kette und zur problemlosen und unabhängigen Fahrt ohne Kette. Diese Wasserstrahlturbinen, eine Erfindung von Gustav Zeuner, dem Namensgeber für das Schiff, darf als Vorstufe des modernen Wasserstrahlantriebs angesehen werden. Zu den wichtigsten Ausrüstungsgegenständen gehörte das Schleppgeschirr mit zwei Schlepptauen und zwei Dampfwinden. Zu einem reibungslosen Schleppbetrieb gehörten ebenso ein stabiler Schlepphaken sowie jeweils am Bug und am Heck ein Anker und Handankerwinden. Als Anker fanden die damals in der Binnenschifffahrt üblichen Draggen mit vier Flunken Verwendung. Nach 1918 wurde das Greifrad durch Kettentrommeln ersetzt.

Besatzung

Die Besatzung bestand im Regelfall aus dem Kapitän, einem Maschinisten, zwei Heizern und zwei Bootsmännern.

Verbleib

Reste des Kettendampfers vor der Restaurierung

Nach der Einstellung der Kettenschifffahrt auf der Elbe und der damit verbundenen Außerdienststellung des Kettendampfers Gustav Zeuner im Jahre 1931 erfuhr der Schiffskörper sehr unterschiedliche Nutzungen. Unter anderem wurde er 1933 an Paul Michaelis in Magdeburg-Fermersleben verkauft, an Land gesetzt, mit hölzernen Decksaufbauten versehen und als Sportbootschuppen und Gaststätte verwendet. Das Schiff befand sich im Bereich des Hafens Fermersleben, etwas südlich des Hafens52.09880811.667888 am Westufer der Elbe. Mit Hilfe einer Drahtseilbahn wurden im Kettendampfer untergestellte Paddelboote zur Elbe transportiert. Die Nutzung des Kettendampfers, auf dem auch an den Wochenenden jeweils Vergnügungsveranstaltungen stattfanden, erlebte in der Mitte der 1960er Jahre nochmals einen Höhepunkt,[2] wurde später jedoch eingestellt. Der Schiffskörper war dem Verfall preisgegeben. 1988 wurde der erhalten gebliebene Schiffsrumpf unter Denkmalschutz gestellt.

Nach Zeitungsberichten in der Magdeburger Volksstimme vom 9. und 14. Juli 2005 sollte die Gustav Zeuner durch eine Arbeitsbeschaffungsmaßnahme und verschiedene andere Mitwirkende geborgen und schwimmfähig gemacht werden und als Museumsschiff genutzt werden. Nach der Beräumung und Zerlegung in Sektionen und einem Transport in den Magdeburger Wissenschaftshafen (ehemals Handelshafen) konnte am 1. Juli 2006 mit der detailgetreuen Rekonstruktion und der Restaurierung durch die „Gesellschaft für Innovation, Sanierung und Entsorgung (GISE mbH)“ in Zusammenarbeit mit dem „Jobcenter ARGE Magdeburg mbH“ und der Unterstützung der Stadt Magdeburg begonnen werden. Ende September 2010 fanden die Arbeiten ihren Abschluss.

Am 11. November 2010[3] wurde das Museumsschiff in Anwesenheit des Magdeburger Oberbürgermeisters Lutz Trümper übergeben. Schwimmfähig wurde das Schiff nicht gemacht. Der dauerhafte Ausstellungsort befindet sich neben dem Hafenbecken, in unmittelbarer Nachbarschaft zu weiteren historischen, schwimmenden Geräten und Bauwerken, wie einem historischen Eimerkettenschwimmbagger und dem Taucherschacht II. Außerdem finden sich hier neben vielen verschiedenen Waggons und Lokomotiven verschiedener Baujahre auch eine historische Hubbrücke und Speichergebäude. Die Gustav Zeuner kann in den Sommermonaten mittwochs bis sonntags im Rahmen von Führungen besichtigt werden.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. 20 Minuten Magdeburg; 1. Jahrgang/44. Woche; Ausgabe vom 6. November 2010 Seite 1
  2. Heinz Tietge, Der Wassersportverein Buckau-Fermersleben, Teil 1 1911-1961, Magdeburg 2011, Seite 122 ff.
  3. Magdeburger Volksstimme am 12.November 2010
52.14892777777811.661963888889

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