Oscar Mauritz

Oscar Mauritz

Oscar Mauritz (* 24. Juli 1867 in Duisburg; † 4. Dezember 1959[1] (andere Quellen: 6. Februar 1958[2]) in Bremen) war ein deutscher Pastor und Domprediger am Bremer Dom.

Biografie

Mauritz war der Sohn eines niederrheinischen, konservativen Kaufmanns; seine Mutter war die Tochter des Bremer Kaufmanns Jansen. Er wächst mit seinen sechs jüngeren Geschwistern in einem kirchlich-konservativen Elternhaus auf.

Mauritz besuchte das Gymnasium in Duisburg und studierte von 1886 bis 1889 Theologie an der Universität Bonn, der Universität Tübingen und der Universität Berlin. Sein Studium führte ihn zu einer sehr liberalen Theologie. 1889 und 1892 schloss er das Studium mit seinen beiden Examen 1889 und 1892 in Koblenz ab.

Von 1889 bis 1892 war er Hilfsprediger am Bremer Dom und ab 1892 Prediger an der deutschen evangelischen Gemeinde in Manchester, wo bis zu 5000 Deutsche leben. 1897 wurde er vierter Prediger am Bremer Dom. Von 1915 bis 1946 war er Pastor Primarius, also Erster Pastor, am Bremer Dom.

Seine liberalen Predigten und die von Albert Kalthoff und Friedrich Steudel prägten den Bremer Radikalismus; sie begeisterten, führten aber auch zu Konflikten. 1900 gab er die trinitarische Taufformel aus Gewissensbedenken auf und benutzte die Formel: „ich taufe dich im Aufblick zu Gott dem All-Einen, in dem wir leben, weben und sind, welchen die christliche Kirche als Vater, Sohn und heiligem Geist bekennt“. Nach deutschlandweiten Protesten intervenierte das preußische Konsistorium beim Bremer Senat. 1905 erklärt der Bremer Senat, dass nur Taufen nach der trinitarischen Formel gültig seien. Über 300 von 650 Taufen wurden wiederholt. Die Prediger Mauritz, Kalthoff und Steudel wurden 1906 Mitglieder des Deutschen Monistenbundes, gegründet vom Naturphilosophen und Freidenker Ernst Haeckel (1834–1919). Kalthoff wurde 1906 Vorsitzender des Deutschen Monistenbundes und verstarb im gleichem Jahr. Mauritz und Steudel musste den Bund auf Druck der Senats 1907 wieder verlassen.

Bei seiner Religionsauffassung von einer Religion als Seelenfeier vermittelte Mauritz allgemeine Lebensregeln an Stelle von üblichen Bibelsprüchen. Er war kein Mitglied der NSDAP; seine Predigten waren unpolitisch und von der Achtung des Lebens geprägt. Sein Verhältnis zum Domprediger und Landesbischof Heinz Weidemann (1895-1976), seit 1933 in der NSDAP, war auch in schwierigen Situationen loyal und seelsorgerisch. Nach dem Zweiten Weltkrieg wendete er sich scharf gegen den Nationalsozialismus. 1946 wurde er emeritiert.

Mauritz war ein Verfechter der Geistesfreiheit im Sinne des klassischen Idealismus von Goethe und Kant. Die Bibel und die philosophischen und literarischen Werke der Weltliteratur waren für ihn gleichwertig.

Mauritz war seit 1892 verheiratet mit der Kaufmannstochter Anna Schröder aus Bremen; beide hatten zwei Kinder.

Literatur

Einzelnachweise

  1. Horst Kalthoff zu Oscar Mauritz in Biographisch-Bibliographisches Kirchenlexikon.
  2. Schwarzwälder zu Oscar Mauritz in Das Große Bremen-Lexikon.

Wikimedia Foundation.

Игры ⚽ Нужна курсовая?

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Mauritz — ist der Familienname folgender Personen: Dieter Mauritz (1918–1988), deutscher Tischtennisspieler Holm Mauritz (* 1956), deutscher Fußballspieler Matthias Mauritz (* 1924), deutscher Fußballspieler Oscar Mauritz (1867–1959), Domprediger am Bremer …   Deutsch Wikipedia

  • LEVERTIN, OSCAR IVAR — (1862–1906), Swedish poet and literary critic, the first Jew to gain eminence in Swedish literature. Levertin, the son of a Stockholm antiquarian, was born in Gryt, near Norrköping. In his student days at the University of Uppsala (where he was a …   Encyclopedia of Judaism

  • Friedrich Steudel — (* 27. September 1866 in Tuttlingen; † 9. November 1939 in Bremen) war ein deutscher Theologe. Biografie Steudel war der Sohn eines Pastors aus Tuttlingen. Er besuchte das Gymnasium und studierte Theologie an der Universität Halle, der… …   Deutsch Wikipedia

  • Bremer Dom — Dom St. Petri in Bremen aus Richtung Rathaus Der St. Petri Dom in Bremen ist ein aus Sandstein und Backstein gestalteter romanischer Kirchenbau, der vom 11. Jahrhundert an über den Fundamenten älterer hölzerner Vorgängerbauten errichtet und bis… …   Deutsch Wikipedia

  • Liste Duisburger Persönlichkeiten — Die folgende Liste beschäftigt sich mit den Persönlichkeiten der Stadt Duisburg. Inhaltsverzeichnis 1 In Duisburg geborene Persönlichkeiten 1.1 13. bis 18. Jahrhundert 1.2 19. Jahrhundert …   Deutsch Wikipedia

  • Otto Veeck — (* 8. Juni 1860 in Hettenrodt im Landkreis Birkenfeld; † 20. September 1923 in Bremen) war ein deutscher Theologe. Biografie Veeck war der Sohn eines Achatschleifers und händlers. Er besuchte das Gymnasium. Bedingt durch den Verlust des Vermögens …   Deutsch Wikipedia

  • Discontinued ISSF shooting events — This article includes the ISSF World Shooting Championships medal tables of currently discontinued shooting events. The events that International Shooting Sport Federation presently includes in World Championships and Olympic Games are listed in… …   Wikipedia

  • Schwedische Filmgeschichte — Dieser Artikel wurde aufgrund von inhaltlichen Mängeln auf der Qualitätssicherungsseite der Redaktion:Film und Fernsehen eingetragen. Dies geschieht, um die Qualität der Artikel aus dem Themengebiet Film und Fernsehen auf ein akzeptables Niveau… …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Olympiasieger im Schießen/Medaillengewinner — Olympiasieger Schießen Übersicht Medaillengewinner Medaillengewinnerinnen …   Deutsch Wikipedia

  • Schwedischer Film — Dieser Artikel wurde wegen inhaltlicher Mängel auf der Qualitätssicherungsseite der Redaktion Film und Fernsehen unter Angabe von Verbesserungsvorschlägen eingetragen. Beteilige Dich an der Verbesserung dieses Artikels und entferne diesen… …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”