René Pfister

René Pfister

René Pfister (* 1974 in Müllheim (Baden)) ist ein deutscher Journalist. Bekanntheit erlangte er durch den Gewinn des Henri-Nannen-Preises und der anschließenden Aberkennung desselben.

Inhaltsverzeichnis

Leben

René Pfister begann nach dem Abitur ein Politikstudium in München. Studienbegleitend absolvierte er eine Ausbildung an der Deutschen Journalistenschule. Im Jahr 2000 zog er nach Berlin, um dort als Journalist für die Agenturen ddp und Reuters zu arbeiten. 2004 wechselte er zu dem Nachrichtenmagazin Der Spiegel und wurde dort als Korrespondent im Hauptstadtbüro der Zeitschrift tätig.

Aberkennung des Henri-Nannen-Preises

Der Artikel „Am Stellpult“

Der Spiegel veröffentlichte am 14. August 2010 Pfisters Artikel in der Print- und zwei Tage später in der Onlineversion der Zeitschrift. Pfister setzt sich hier kritisch mit dem Führungsstil und der Person Horst Seehofers auseinander. In den ersten vier Absätzen beschreibt er detailliert eine Modelleisenbahn, die Seehofer in seinem Keller aufgebaut hat. Den Titel „Am Stellpult“ aus dem Modelleisenbahnjargon wählte Pfister dementsprechend als Bild für Seehofers Führungsrolle in der CSU.

Zweifel an der journalistischen Sorgfalt

Am 5. Mai 2011 wurde der Artikel mit dem Henri-Nannen-Preis ausgezeichnet. Bei der Preisvergabe fragte die Moderatorin Katrin Bauerfeind, wann Pfister denn in dem Keller Seehofers gewesen wäre. Dieser antwortete, dass er selbst den Keller niemals betreten hätte, sondern seine Beschreibungen einzig auf Recherchearbeit und Berichten Dritter beruhen würden. Die Enkelin von Henri Nannen, Stephanie Nannen, schrieb als Reaktion einen Artikel im Hamburger Abendblatt, in dem sie die Preisvergabe als Skandal deklarierte und Pfister Betrug vorwarf[1]. Aufgrund des Eingeständnisses und der Proteste fand sich die Jury am 8. Mai erneut zu einer Telefonkonferenz zusammen, um über die Rechtmäßigkeit der Vergabe zu beraten. Einzig der Chefredakteur der Süddeutschen nahm nicht an der Konferenz teil, sondern übersandte lediglich ein schriftliches Statement[2].

Juryentscheid zur Aberkennung

Die Jury, bestehend aus den Chefredakteuren bzw. Herausgebern der großen deutschen Zeitungen und hochrangigen Journalisten, gab am 9. Mai die Aberkennung des Preises bekannt[3]. Sie wies ausdrücklich darauf hin, dass weder die Qualität des Artikels bemängelt würde, noch eine Fälschung, ein Plagiat oder anderes strafbares Handeln vorläge. Die Jury begründetete ihre Entscheidung, dass an den Gewinner des Preises besondere Ansprüche gestellt würden. Alle Jurymitglieder seien davon ausgegangen, dass Pfister nur seine eigenen Erlebnisse beschreibt. Da er sich aber auf fremde Quellen, hauptsächlich die Aussagen Seehofers selbst, stützt, müssten diese Quellen auch klar angegeben werden. Da dies nicht der Fall sei, müsse der Preis, trotz der hervorragenden journalistischen Leistung, wieder zurückgegeben werden. Die Entscheidung fiel nicht einstimmig. Der Chefredakteur der Süddeutschen Zeitung Kurt Kister hatte sich schon vorab in einem schriftlichen Statement gegen die Aberkennung ausgesprochen. Der Herausgeber der FAZ Frank Schirrmacher, der Chefredakteur des Spiegels Mathias Müller von Blumencron und der Chefredakteur der Zeitschrift Geo Peter-Matthias Gaede stimmten ebenfalls dafür, dass der Preis bei Pfister verbleiben solle[4].

Reaktionen

René Pfister selbst äußerte sich bis heute nicht öffentlich zu dem Entschluss. Sein Arbeitgeber, Der Spiegel, reagierte mit „Unverständnis“ auf die Aberkennung[5]. Niemals hätte der Autor behauptet, persönlich den Keller betreten zu haben. Die in dem Artikel angegebenen Fakten seien unbestritten. Dass Pfister selbst vor der Entscheidung nicht gehört wurde, widerspräche den Regeln der Fairness.

Die Reaktionen der übrigen Presse fielen, entsprechend dem Votum ihrer Vertreter, unterschiedlich aus. Während Helmut Markwort seine Entscheidung in dem Nachrichtenmagazin Focus verteidigte[6] und andere Zeitungen die Entscheidung begrüßten, wurde sie von der FAZ kritisiert[7]. Auch die Süddeutsche Zeitung veröffentlichte Beiträge, die die Entscheidung ablehnten und einzig die Kategorisierung des Artikels als Reportage falsch empfanden[8].

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Skandal beim Henri-Nannen-Preis im Schauspielhaus Artikel Stephanie Nannens im Hamburger Abendblatt online, 8. Mai 2011
  2. Jury zieht Henri-Nannen-Preis für Pfister zurück in: Focus Online 9. Mai 2011
  3. Die Juryentscheidung im Wortlaut
  4. Jury erkennt Spiegel-Redakteur Nannen-Preis ab in: Hamburger Abendblatt online 9. Mai 2011
  5. In eigener Sache: Unverständnis über Aberkennung des Egon-Erwin-Kisch-Preises in: Spiegel Online vom 9. Mai 2011
  6. Wir waren der Überzeugung er war im Keller in: Focus online, 11. Mai 2011
  7. Haben wir erlebt wovon wir schreiben in: FAZ online, 11. Mai 2011
  8. Debatte um Siegertext bei Seehofer im Keller in: Süddeutsche online, 8. Mai 2011



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