Varuna (indische Gottheit)


Varuna (indische Gottheit)
Darstellung Varunas aus Rajasthan, 1675-1700

Varuna (Sanskrit, m., वरुण, Varuṇa) ist einer der höchsten und am meisten verehrten indischen Gottheiten der frühvedischen Zeit. Er wird oft zusammen mit seinem Gegenpol Mitra erwähnt. Die iranische Mythologie erwähnt die beiden gleichnamigen Götter Varuna und Mithra, die jedoch andere Funktionen übernehmen, wobei der Kult um Mithra sich im Römischen Reich zum Mithraismus entwickelte. Varuna galt als Gott der kosmischen Ordnung; Opfer an ihn sollten die Aufrechterhaltung der kosmischen Ordnung gewährleisten. Dabei handelte es sich um einen Nachvollzug der von den Göttern vollbrachten Opferhandlungen, die ständig erneuert werden sollten. Varuna galt als furchteinflößender, strafender Gott. In späterer Zeit trat er gegenüber dem kriegerischen Indra in den Hintergrund.

Varuna („der Umhüller“) ist ursprünglich die Personifikation des allumfassenden Himmels und der oberste der sieben Adityas. Die Lieder an ihn gehören zu den erhabensten Partien des Veda und schildern ihn als den allweisen Schöpfer, Erhalter und Regenten der Welt, den allwissenden Beschützer des Guten und Rächer des Bösen, heilig und gerecht, doch voll Erbarmen. In der späteren brahmanischen Zeit wurde er einer der acht Lokapalas (Welthüter).

In den heutigen hinduistischen Religionsphilosophien spielt Varuna im Glaubensleben keine, beziehungsweise eine sehr untergeordnete Rolle. Bei Anhängern der brahmanistischen Religionsphilosophien (wie zum Beispiel den Saraswat Brahmanen aus Haryana oder den Nambuthiris aus Kerala) wird er zum Teil als Familiengottheit (Kuldevta) verehrt.


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