Die Hamletmaschine


Die Hamletmaschine

Die Hamletmaschine ist ein von dem deutschen Dramatiker Heiner Müller geschriebenes Theaterstück. Der nur 9 Seiten umfassende Text entstand im Rahmen einer Übersetzung von William Shakespeares Stück Hamlet. Das Stück "reflektiert in freier Anlehnung an Shakespeares Vorlage die Situation des Intellektuellen in der DDR"[1].

Die Hamletmaschine entstand im Jahre 1977, nachdem Müller zunächst eine eigene Übersetzung des Shakespeare-Stückes verfasst hatte. Die Uraufführung fand 1979 im "Théatre Gérard Philipe" in Saint Denis bei Paris statt. In der Hamletmaschine ist von den traditionellen fünf Akten des Theaters nur noch ein grobes Gerüst vorhanden, in das sich einzelne, grausame und von schockierender Sprache geprägte Bilder einfügen, die scheinbar jeden Zusammenhangs entbehren und viel Raum für Interpretationen mit unterschiedlichem Ansatz lassen. Kennzeichnend für dieses Stück ist, dass Müller es seinem Hamlet gestattet, hin und wieder aus seiner "Rolle" herauszutreten und als "Schauspieler" zu sprechen.

Die Hamletmaschine wird wegen der schwierigen Umsetzung der Bilder nur selten aufgeführt.

Inhaltsverzeichnis

Inhalt

Szene 1

In der ersten Szene, "Familienalbum", spricht Hamlet voller Hass auf sich selbst im besonderen und die Welt im allgemeinen von dem Staatsbegräbnis seines Vaters, dem er als Beobachter und schließlich als Agierender beigewohnt hat. Hamlet zerteilt die Leiche seines Vaters und verteilt sie an die hungernden Elendsgestalten, da sein Vater ein "Grosser Geber von Almosen" war. "Ich stoppte den Leichenzug, stemmte den Sarg mit dem Schwert auf, dabei brach die Klinge, mit dem stumpfen Rest gelang es und verteilte den toten Erzeuger FLEISCH UND FLEISCH GESELLT SICH GERN an die toten Elendsgestalten."

Mutter und Onkel, der Mörder des Vaters, sind inzwischen ein Paar. Hamlet schlägt ihnen vor, sich auf dem Sarg des Vaters zu vereinigen. Dann erscheint der Geist seines Vaters, den er ebenfalls verachtet. "Hier kommt das Gespenst, das mich gemacht hat, das Beil noch im Schädel. Du kannst den Hut aufbehalten, ich weiß, daß du ein Loch zuviel hast." Auch für sich selbst hat er kein gutes Wort, denn es geht weiter mit den Worten: "Ich wollte, meine Mutter hätte eins zu wenig gehabt, als du im Fleisch warst. Ich wäre mir erspart geblieben. Man sollte die Weiber zunähn, eine Welt ohne Mütter."

Als sein Freund Horatio auftritt, verlässt Hamlet kurzzeitig die Ebene des Theaterspielens und spricht als Schauspieler. Seinen Freund schickt er fort mit den Worten: "DU KOMMST ZU SPÄT MEIN FREUND FÜR DEINE GAGE/KEIN PLATZ FÜR DICH IN MEINEM TRAUERSPIEL". Schließlich schlägt er vor, seine Mutter wieder zur Jungfrau zu machen, indem er ihr das Kleid zerreißt und sie vergewaltigt. Denn dann könne sie in ihre Hochzeit gehen.

Hier wird Hamlet also vom Akteur, dem die Menschheit wegen ihrer Gewalttaten verhasst ist, selbst zum Gewalttäter, auch wenn er sein Handeln zunächst im intellektuellen Diskurs mit sich selbst hinterfragt.

Szene 2

In der zweiten Szene betitelt mit DAS EUROPA DER FRAU, lässt Müller Ophelia auftreten, die "aufgehört hat, sich zu töten" und von der Opferrolle in die Rolle der Rächerin schlüpft. Sie zertrümmert die Einrichtung des Zimmers und zerreißt die Bilder der Männer, denen sie sich hingegeben hat, danach ihr Kleid. Schließlich reißt sie sich das Herz aus der Brust und tritt "gekleidet in ihr Blut" auf die Straße.

Szene 3

In Szene 3, dem "Scherzo", treffen Hamlet und Ophelia aufeinander. Hamlet muss sich in der Universität der Toten dem Ballett der Toten und den toten Philosophen stellen, die ihn mit ihrem Wissen, den Büchern bewerfen. Ophelia fordert ihn auf, ihr Herz zu verspeisen, was Hamlet mit den Worten kommentiert, er wolle eine Frau sein. Diese Vorstellung wird grotesk überzogen, indem er Frauenkleider anlegt und von Ophelia eine "Hurenmaske" aufgeschminkt bekommt. Schließlich tritt erneut Horatio auf und tanzt mit Hamlet.

Szene 4

In Szene 4, "Pest in Buda Schlacht um Grönland", verlässt Hamlet endgültig die Ebene der Figur und spricht als Schauspieler. Er legt Hamlet das Kostüm und die Maske ab und deklariert, dass er nicht Hamlet sei. "Mein Drama findet nicht mehr statt [...] Von Leuten, die mein Drama nicht interessiert für Leute, die es nichts angeht. [...] Ich spiele nicht mehr mit." Er erklärt, im zerstörten Standbild seines Vaters hause jetzt die ärmere Bevölkerung. Hamlet beschwört im Geiste einen blutigen Aufstand des Volkes. Er selbst wird jetzt wieder zum Hamlet, der als Adliger "auf beiden Seiten der Front, zwischen den Fronten, darüber" steht. "Tritt in die Rüstung. Spaltet mit dem Beil die Köpfe von Marx Lenin Mao".

Szene 5

In Szene 5 beschwört Ophelia die totale Vernichtung der Welt, "ich ersticke die Welt, die ich geboren habe zwischen meinen Schenkeln", während sie von Männern in Mullbinden geschnürt wird und schließlich wieder als Unterdrückte allein auf der Bühne zurückbleibt.

Ausgaben

1990 nahmen Wolfgang Rindfleisch vom Rundfunk der DDR und Blixa Bargeld von den Einstürzende Neubauten zusammen mit F.M.Einheit und dem Autor Heiner Müller eine Audio-CD der Hamletmaschine auf. Die Erstsendung des Hörspiels war am 27. September 1990 im Rundfunk der DDR. 1991 kauften Einstürzende Neubauten die Rechte der Hörspielproduktion für die CD-Produktion.

Rezeption

Von Wolfgang Rihm stammt eine Vertonung der Hamletmaschine: Die Hamletmaschine. Musiktheater in fünf Teilen. Live-Mitschnitt der Uraufführung am Nationaltheater Mannheim im März 1987, Leitung Peter Schneider (2 CDs).

Einzelnachweise

  1. Albert Meier: Heiner Müller. Die Hamletmaschine. 2004.

Literatur

  • Heiner Müller. Die Hamletmaschine. [1] Volltext
  • Albert Meier: Heiner Müller. Die Hamletmaschine. 2004. [2] pdf

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