Flughafen Innsbruck

Flughafen Innsbruck
Flughafen Innsbruck-Kranebitten
Overview of Innsbruck airport.jpg
Kenndaten
IATA-Code INN
ICAO-Code LOWI
Koordinaten
Verkehrsanbindung
Entfernung vom Stadtzentrum 5 km westlich von Innsbruck
Straße B171, Autobahnen A12, A13
Nahverkehr Bus Linie F zum Hauptbahnhof
Basisdaten
Eröffnung 1948
Betreiber Tiroler Flughafenbetriebs-
gesellschaft m.b.H.
Terminals 1
Passagiere 1.033.512 (2010) [1]
Luftfracht 384 t [1] (2010)
Flug-
bewegungen
15.347 (2010) [1]
Beschäftigte mehr als 2000
Start- und Landebahn
08/26 2000 m × 45 m Asphalt

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Der Flughafen Innsbruck-Kranebitten liegt im Westen von Innsbruck, etwa 5 km von der Stadtmitte entfernt, in der Höttinger Au. Er ist der größte Flughafen in Tirol und Westösterreich.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Reichenau

Die Tiroler Landesregierung beschloss 1920 die Errichtung einer Luftverkehrsstation in Innsbruck und bereits im April führte der Tiroler Fliegerverband Schau- und Passagierflüge durch. Am 1. Juni 1925 wurde dann der erste Flughafen im Osten der Stadt, in der Reichenau feierlich eröffnet und die Strecke München–Innsbruck-München durch den Süddeutschen Aero Lloyd in Betrieb genommen. Es folgten weitere Linienverbindungen, wie die Einführung der Strecke Wien-Salzburg-Innsbruck durch die ÖLAG (Österreichische Luftverkehrs AG).

Kranebitten

Die Grundsteinlegung für den späteren Flughafen im Westen der Stadt wurde 1946 durch die französische Besetzungsmacht gelegt und zwei Jahre später, am 15. Jänner 1948 wurde der neue Flughafen am jetzigen Standort in der Ulfiswiese eröffnet. Am 8. Oktober 1954 erfolgte die Gründung der Tiroler Flughafenbetriebsgesellschaft m.b.H. mit den Geschäftsführern Hermann Egger und Moritz Brenner. Eine erste große Bewährungsprobe waren die Olympischen Winterspiele 1964 sowie jene im Jahre 1976, die in Innsbruck stattfanden. Drei Wochen nach den Winterspielen 1964 stürzte ein britisches Flugzeug wegen eines Pilotenfehlers[2] am südöstlich gelegenen Berg Glungezer ab, in der Folge kam der Flugverkehr in Innsbruck nahezu zum Erliegen.[3] Ende der 1970er Jahre flogen sowohl in der Sommer- als auch in der Wintersaison Charterflugketten den Innsbruck Flughafen an und leiteten die Wende im Innsbrucker Fluggeschehen ein. Dieser Aufschwung wurde 1980 mit der Aufnahme der Kurse Innsbruck–Wien und Innsbruck–Zürich der neu gegründeten Tyrolean bestärkt.

Die Baulichkeiten wurden seither immer wieder erweitert und umgestaltet, so 1990 mit dem Neubau des Towers, 1994 mit einem neuen Luftfrachtterminal, 1996 mit der umgestalteten Ankunfts- und 2000 mit der Abflugshalle. Weiters wird im März 2003 das Flughafenrestaurant Fly Inn eröffnet und ein Jahr später sind die Erweiterung der Check-In-Halle und die Umbauarbeiten der General Aviation erfolgreich abgeschlossen. 2005 wurde das ÖAMTC-Flugrettungszentrum West in Betrieb genommen und die Sanierungsarbeiten am östlichen Vorfeld begonnen.

Zweite Innverlegung

Die internationale Zivilluftfahrtorganisation ICAO forderte seit 1999 eine Pistenvorfeldfläche hinter dem Pistenende und dem Sicherheitsstreifen. Dieses Feld reichte in den Inn bzw. Inn-Damm hinein. Damit der internationale Standard erfüllt werden konnte, wurde mittels Bescheid vom 2. Februar 2005 die Vergrößerung des Pistenvorfeldes im Westen des Flughafens vorgeschrieben. Dies bedingte die Verlegung des Inn um circa 80 m nach Westen. Ende Dezember 2007 wurde die Bietergemeinschaft Strabag AG / Fröschl AG mit einem Auftragswert von 8,3 Mio. Euro mit der Durchführung der erforderlichen Bauleistungen für das „Sicherheitsprojekt Innverlegung“ beauftragt, somit konnte am 14. Januar 2008 mit den Bauarbeiten begonnen werden. Die Verlegung des Inn-Flussbetts (Inn-Verlegung Light) bei gleichzeitiger Verkürzung der Landebahn um 60 m wurde im Februar 2009 abgeschlossen. Um auch vorher diese Sicherheitsanforderungen zu erfüllen, wurde von 2002 bis 2009 für Starts nach Westen und Landungen nach Osten die Landebahn auf 1.940 m verkürzt. Teile der Innsbrucker Bevölkerung waren allerdings gegen eine Änderung des Flusslaufes.

Tag der offenen Tür

Aus Anlass des 80. Geburtstages des Innsbrucker Flughafens fand ein Tag der offenen Tür am Innsbrucker Flughafen statt. Seitdem wird jedes Jahr am 26. Oktober ein Tag der offenen Tür veranstaltet, das Familienfest stellt sich als wahrer Besuchermagnet heraus - 2009 konnte sich der Flughafen über 30.000 Besucher freuen. 2010 wurde die Abflughalle im Bereich der Gates vergrößert, da es in den Stoßzeiten im Winter immer wieder zu Engpässen kam. Aus diesem Grund gab es am 26. Oktober 2010 kein Flughafenfest.[4]

Bahnsystem und Navigationsanlagen

Der Flughafen Innsbruck verfügt über eine 2000 m lange und 45 m breite Start-/Landebahn in Ost-West-Ausrichtung (08/26, exakter Steuerkurs 79°/259°, Stand 2011). Die Höhendifferenz zwischen östlichem und westlichem Aufsetzpunkt beträgt +5 Meter. Als Bahnbelag dient Asphalt. Entsprechend ihrer Tragfähigkeitsklassifikation können Flugzeuge bis zur Gewichtsklasse einer Boeing 767-200ER oder Iljuschin Il-76 die Bahn auch im voll beladenen Zustand nutzen[5]. Ob deren Start- und Steigleistung dann noch für einen sicheren Start ausreichen, bleibt bei dieser Aussage unberücksichtigt. Erwähnt werden muss an dieser Stelle, dass an in Innsbruck startende und landende Verkehrsflugzeuge genau bestimmte minimale Leistungsanforderungen ("High" oder "Special Performance") gestellt werden.

In beiden Richtungen kann der Anflug auf die Bahn mittels ILS (Instrumentenlandesystem) gestützt werden. Das 1980[6] eingeführte Verfahren hat aber ein paar bedeutsame Abweichungen vom normalen Standard. Aus westlicher Richtung werden die Flugzeuge mit einem Steuerkursversatz von 5° herangeführt, der in der Endphase korrigiert werden muss. Der Gleitpfad, auf dem das Flugzeug sinkt, ist gut 30 % steiler als üblich. Bei Anflügen aus Osten stellt das ILS-System einen solchen Gleitwegsender erst gar nicht zur Verfügung. Hier wird manuell, in einem exakt beschriebenen und steilen Profil, bis in eine Höhe von rund 1000 m über Absam gesunken. Der Steuerkursversatz zur Landebahn 08 ist erheblich (13°). Der letzte Teil der Landung erfolgt nach Sichtflugregeln. Dies kann entweder mittels Rechtskurve direkt auf die Bahn 26 oder im sogenannten Gegenanflug auf die 08 erfolgen. Anflüge mit deutlichem ILS-Steuerkursversatz sind selten, weil schwierig. In Europa ist nur der Flughafen in Reggio Calabria (auch als euröpäisches Kai Tak bezeichnet) mit einem größeren ILS-Versatz anzufliegen.

Als Ergänzung zum ILS existiert, insbesondere für Sichtflieger, in beiden Richtungen ein optisches Anflug-Unterstützungssystem des Typs PAPI (engl. precision approach path indicator). Die beiden NDB (ungerichtetes Funkfeuer) INNSBRUCK (in 5,5 km Entfernung) und ABSAM sowie ein DME (Entfernungsmessgerät) ergänzen die Navigationsausstattung des Flughafens.

Schließlich verfügt die Flugsicherungsstelle Innsbruck über eine spezielle Radarüberwachung. Austro-Control hat ein Ortungssystem entwickelt und Ende 2007 in Betrieb genommen, das auf die besonderen topografischen Verhältnisse in der Umgebung des Flughafens Rücksicht nimmt. Damit Flugzeuge auch in Höhen von unter 3000 m vom Radarlotsen lückenlos identifiziert, lokalisiert und auf dem Flugweg begleitet werden können, mussten viele kleine Empfangsstationen im Inntal aufgebaut und miteinander vernetzt werden[7]. Für dieses sogenannte Multilaterationssystem wurde der Flughafen mit dem begehrten Airport Achievement Award 2006/2007 ausgezeichnet.

Besonderheiten

Anflug

Der Flughafen im Inntal

Die Lage in einem Föhntal (Inntal) macht, wie oben bereits beschrieben, besondere Anflugsverfahren notwendig. Bei sehr starkem und böigem Wind, der am Flughafen aus Ost bzw. Südost kommen kann, müssen die Flugzeuge von Westen her - gegen den Wind - landen. Die Anflugroute über Kematen und das westliche Mittelgebirge erfordert eine spezielle Ausbildung.

Da die Einflugschneise von Osten über das Stadtgebiet von Innsbruck führt und die Schallwellen an den nördlichen und südlichen Berghängen reflektiert werden, kommt es zu einer besonderen Lärmbeeinträchtigung durch den Flugverkehr. Dem wurde 1990 mit der Einschränkung auf Flugzeuge der leisesten internationalen Lärmschutzkategorie III nach ICAO Rechnung getragen. Der Flughafen hat die strengste Betriebszeitenregelung aller österreichischen Verkehrsflughäfen (6:30 bis 20:00 Uhr, mit Ausnahmen bis 23:00 Uhr). Zusätzlich wurden vom Flughafenbetreiber lärmabhängige Flughafengebühren beschlossen.

Abflug

Außergewöhnlich ist das Abflugverfahren Adilo One Juliett für Verkehrsflugzeuge nach Norden. Dabei erfolgt der Start in östliche Richtung. Hierbei wird ein fast 3-fach steilerer minimaler Steigwinkel als üblich gefordert. Südlich der Stadt erfolgt dann eine Kurve um mehr als 180° mit großer Querneigung, bei gleichzeitiger Steigung, und es geht entgegen der Startrichtung über das Mieminger Gebirge nach Kempten.

Da es je nach gewählter Bahn, bzw. Ab- und Anflugverfahren theoretisch passieren kann, dass sich landende und startende Maschinen kreuzen, müssen Landungen und Starts noch sorgfältiger als an anderen Flughäfen zeitlich miteinander koordiniert werden. Dies beschränkt die Anzahl der Flugbewegungen.

Segelflugbetrieb

Das Inntal stellt mit seinen günstigen thermischen Verhältnissen ein ideales Segelflugrevier dar. So herrscht bei entsprechender Wetterlage am Flughafen Innsbruck ein umfänglicher Segelflugbetrieb. Parallel zur langen asphaltierten Startbahn gibt es nördlich von dieser eine Grasbahn mit der Dimension 350 m x 50 m. Gestartet wird sowohl mittels Schleppflugzeugen als auch im Windenbetrieb. Segelflugbetrieb an und in der Nähe von Verkehrsflughäfen stellt für die Flugsicherung eine Herausforderung dar. So gibt es in Innsbruck ein strenges und breit gefächertes Regelwerk, um einen sicheren Flugbetrieb zu gewährleisten.

Zwischenfälle

Trotz der schwierigen topografischen Verhältnisse sind in der Datenbank des Aviation Safety Network[8] nur zwei Flugzeugabstürze in der Nähe des Flughafens verzeichnet. Beide fallen unter die Kategorie "controlled flight into terrain" in der Anflugphase. Beide Ereignisse datieren vor der Einführung der neuen ILS-Verfahren von 1980:

  • 29. Februar 1964: Bristol 175 Britannia 312, G-AOVO der British Eagle, wie oben schon erwähnt am Glungezer [2]
  • 28. August 1972: Learjet 23, HB-VAM der Vodavia [9]

Eigentümer

Bildergalerie

Bedeutung

Wirtschaftsfaktor

Von Innsbruck wird durch Austrian die innerösterreichische Linienverbindung nach Wien (etwa 500 km) bedient und von dort weiter zu internationalen Zielen. Derzeit kann von Innsbruck in 21 europäische Metropolen geflogen werden. Derzeit gibt es bis zu vier tägliche Nonstop-Linienflüge nach London, weitere Destinationen sind z.B. Amsterdam, Berlin, Brüssel, Frankfurt, Hamburg, Kopenhagen, Moskau oder St. Petersburg.

Sommercharterflüge führen typischerweise von Innsbruck aus zu vielen Mittelmeer-Ferienzielen, wobei die Flughäfen München und Salzburg für die Region teilweise eine Konkurrenz darstellen.

Eine große Bedeutung für die Tourismusregion Tirol hat besonders der Wintertourismus mit seinem Incoming-Charterflugverkehr aus ganz Europa. In der weißen Jahreszeit nähert sich der Flughafen auch seiner Kapazitätsgrenze von 60 Rotationen pro Tag. Bis zu 17 000 Passagiere werden dann pro Tag abgefertigt[10]. Vor allem Fluglinien aus Russland und England bieten dann ihre Dienste an.

Verkehrszahlen

Zahlen laut österreichischer Verkehrsstatistik[11]:

Jahr Passagiere Flugbewegungen Fracht in Tonnen
2005 0.738.453 0.13.830 0.576
2006 0.805.582 0.14.633 0.547
2007 0.859.830 0.14.396 0.483
2008 0.969.474 0.15.576 0.431
2009 0.956.972 0.14.792 0.360
2010 0.1.033.512 0.15.347 0.362

Flugzeuge

Der Flughafen kann u.a. folgende Flugzeugtypen abfertigen:

Am Flughafen beheimatete Fluggesellschaften

Am Flughafen Innsbruck sind Austrian Arrows (betrieben durch Tyrolean Airways, Sparte der Austrian Airlines Group), Welcome Air, Air Alps Aviation und Tyrolean Jet Services beheimatet.

Siehe auch

Weblinks

 Commons: Flughafen Innsbruck – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b c http://www.innsbruck-airport.com/scms/media.php/6914/Statistik%202010.pdf
  2. a b Unfallbericht auf Aviation Safety Network.
  3. Tirol multimedial, abgerufen am 28. Februar 2010
  4. Umbauarbeiten am Flughafen Innsbruck. Abgerufen am 29. Dezember 2010.
  5. Runway Info unter Airports IATA, Airports Runwayinfo
  6. Peter Bachmann: Internationale Flughäfen Europas. 1. Auflage. Motorbuch Verlag, Stuttgart 1995, ISBN 3-613-01649-4.
  7. Bericht vom 17. Dezember 2007, in tirol - orf.at
  8. Innsbruck-Kranebitten Airport profile in englischer Sprache im Aviation Safety Network.
  9. Unfallbericht, in englischer Sprache.
  10. Innsbruck, Winterausblick In: Aero International. August 2011, ISSN 0946-0802, S. 18.
  11. Statistik Austria

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