Fotografischer Film


Fotografischer Film

Ein fotografischer Film ist das lichtempfindliche Aufnahmemedium eines Fotoapparates oder einer Filmkamera. Der Begriff ist von der ursprünglichen Bedeutung des Begriffs Film als einer dünnen Schicht auf einem anderen Material abgeleitet.

Ursprünglich meinte man mit Film nur die dünne Schicht einer Fotoemulsion, mit der die Oberfläche einer Fotoplatte überzogen wurde. Mit der Erfindung des Zelluloids und dessen Einsatz als Filmträger fand ein Bedeutungswandel statt. Heute versteht man unter Film eine mit einer Fotoemulsion beschichtete, transparente Folie aus Tri-Acetat oder Polyester.

Film war bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts eine der führenden Methoden zur Bildaufzeichnung, wurde jedoch inzwischen von digitalen Aufnahmemethoden in den meisten Bereichen verdrängt.

Inhaltsverzeichnis

Filmmaterial

Filmmaterial bezeichnet den physischen Träger des Mediums Film, also einen fotografischen Filmstreifen in einem definierten Filmformat.

Als Filmmaterial wird unter anderem bezeichnet:

  • Rohfilm, also unbelichteter Film vor der Verwendung in der Kamera
  • belichteter Film vor der Entwicklung
  • fertig entwickelter Film
  • ungeschnittener Film
  • geschnittener Film (z. B. die Arbeitskopie des Regisseurs oder Cutters)
  • Schnittabfälle oder nicht verwendete Abschnitte von Film
  • Film in Archiven, als Ganzes oder in einzelnen Einstellungen

Üblicherweise bezieht sich „Filmmaterial“ auf die jeweils erste verfügbare Generation, also bei Negativfilm auf das Kameranegativ, bei Kopien auf eine Schnittfassung; im Kontext eines einzelnen Filmes auf sämtliches bei seiner Herstellung benutztes Material; im Kontext von Dokumentationen und Archiven auf eine möglichst frühe, „authentische“ Fassung.

Siehe auch

Entwicklung

Nach der Belichtung des Films in der Kamera muss der Film entwickelt werden. Dafür kommen standardisierte, automatisierte Prozesse oder die Bearbeitung von Hand nach verschiedenen Rezepten in Frage.

Beim Entwickeln wird das latente (verborgene) Bild sichtbar gemacht. Durch Licht entstandene Keime in der lichtempfindlichen Emulsion werden durch den Entwicklungsprozess katalytisch verstärkt. An belichteten Stellen wächst umso mehr elementares Silber, je stärker die Belichtung war. Es entsteht ein Negativ.

Beim Umkehrfilm, der z. B. für Diapositive genommen wird, erfolgt im Rahmen der sog. Umkehrentwicklung zunächst ebenfalls eine Negativentwicklung. Anschließend wird das entwickelte Bild, beim Schwarz-Weiß-Film das Silber, gebleicht und aufgelöst. Dann erfolgt diffuse Belichtung. Da jetzt nur noch Farbstoff vorhanden ist, der vorher nicht belichtet war, entsteht ein Positivbild.

Nach dem Entwickeln muss der Film fixiert werden. Das geschieht in einem Fixierbad. Das Fixieren entfernt die restlichen lichtempfindlichen Substanzen und verhindert dadurch eine Nachdunkelung des Bildes unter Lichteinfluss.

Durch anschließendes Wässern werden die Reste der chemischen Substanzen des Fixierbades entfernt (Schlusswässerung).

Zum Wasser der Schlusswässerung setzt man oft Netzmittel zu, um schlierenfreie Trocknung zu erreichen. Zuletzt wird der Film in einer Trockenanlage oder durch Aufhängen getrocknet.

Positiv und Negativ

Man unterscheidet:

nach dem Aufbau

nach der Art der Verarbeitung des Lichtes

Bei einem Negativfilm sind alle Farben umgekehrt, beispielsweise ist bei Schwarz-Weiß-Negativfilmen Weiß schwarz und Schwarz weiß, die entsprechenden Grauwerte werden entsprechend umgesetzt.
Bei Farbfilmen werden Komplementärfarben dargestellt.
Die Umkehrung wird erst durch Kopieren des Films auf das lichtempfindliche Fotopapier, einen anderen Film oder ein elektronisches Medium rückgängig gemacht.
Beim Diapositivfilm werden die Farben nach dem Entwicklungsprozess so wie in der Natur dargestellt.
Schwarz-Weiß-Negativfilme können durch ein spezielles Entwicklungsverfahren zu einem Diapositiv umgekehrt werden. Filme, für die dies kommerziell angeboten wird, sind der Agfa-Dia-Direkt (eingestellt), der Agfa-Scala und der Fomapan R(eversal).
Es existieren diverse Verfahren, u.a. ein von Klaus Wehner, Paderborn, entwickelter Ansatz, um aus nahezu jedem "normalen" S/W-Film S/W-Dias herzustellen. Dabei kommen bisweilen reizende und gfs. hochgiftige Chemikalien wie z.B. Cadmium- oder Kaliumbichromat und (verdünnte) Schwefelsäure zum Einsatz (etwa im Bleichbad), so dass höchste Vorsicht anzuraten ist - insbesondere auch bei der Entsorgung der Bäder. Die Ergebnisse dieser so genannten physikalischen Entwicklung sind teilweise überaus erstaunlich - so erzielte ein in den 1970er Jahren erhältlicher konfektionierter Ansatz von Tetenal selbst bei eher unterdurchschnittlichen Materialien wie z.B. einem Kleinbild-Revuepan-SW-Negativfilm (Foto-Quelle), Nennempfindlichkeit 20 DIN/80 ASA, eine ungeahnte Bildqualität hinsichtlich Tonwertabstufung, Kornfreiheit, Kontrast und Schwärzung bei gleichzeitiger Empfindlichkeitssteigerung auf bis zu 36 bis 39 DIN (ISO 3200/6400), was selbst bei Available-Light-Fotografie ausgezeichnete Ergebnisse ermöglichte.

nach Sensibilisierung

Silbersalze sind prinzipiell hauptsächlich blauempfindlich. Die fotografische Schicht kann aber für weitere Farbenanteile des Lichts sensibilisiert werden. Davon - sowie vom Einsatz entsprechender Filter - hängt die Umsetzung der Farben in Grauwerte ab. Orthochromatische Filme sind relativ unempfindlich für rotes Licht, panchromatische Filme sind auch für rotes Licht empfindlich und geben die Helligkeitsstufen natürlicher wieder. Einzelne Filme weisen oft eine erhöhte Rotempfindlichkeit auf (hyperpanchromatisch).

Konfektionierung

AGFA-Kleinbildfilm

Filme gibt es für unterschiedliche Größen des Aufnahmeformats und in unterschiedlichen Längen; dabei wird eine Reihe von Konfektionierungstypen unterschieden. Gängige Formate sind der 35-mm-Film (Kleinbildfilm) mit einem Negativ/Diaformat von 24 × 36 mm für 12, 24 oder 36 Aufnahmen, im Mittelformat die Typen 120, 220 (doppelte Länge) mit Bildformaten von 4,5 × 6 cm, 6 × 6 cm, 6 x 7 cm oder 6 × 9, daneben Typ 127 für 4 × 4 (1½ × 1½") und der APS-Film. Über dem Mittelformat liegen Großformatkameras, die aber nicht mit Rollfilm, sondern mit Planfilm beschickt werden.

Verbreitete Filmformate sind:

Empfindlichkeit

Filmdose für den 1958 völlig neuen Tageslicht-Farbfim Perutz C 18 (18 DIN). Die daraus entwickelten Dias galten als besonders Farbrein und Farbsättigend.

Die Filme sind in verschiedenen Lichtempfindlichkeiten (sog. Filmempfindlichkeit) erhältlich. Mit steigender Empfindlichkeit geht dabei die Auflösung des Films zurück, da die lichtempfindlichen Kristalle immer größer werden und als so genanntes Korn auch auf dem Foto sichtbar werden können.

Höher empfindliche Filme haben eine schlechtere Farbtreue und Einbußen beim Kontrastumfang. Außerdem steigt mit der Empfindlichkeit auch der Preis. Die Empfindlichkeit wird in DIN- (Deutsches Institut für Normung) und ASA-Graden (American Standards Association) angegeben. Den DIN-Angaben wird eine logarithmische Skala zu Grunde gelegt. Eine um 3 höhere Zahl bedeutet eine Verdopplung der Empfindlichkeit. Den ASA-Werten liegt eine lineare Reihe zu Grunde. Als Standard gilt seit Ende der 1990er Jahre bei Farbnegativfilmen eine Empfindlichkeit von 24 DIN / 200 ASA. Diafilme liegen üblicherweise bei 21 DIN / 100 ASA. Die meisten 200-ASA-Diafilme sind überschichtete 400-ASA-Filme, so dass sich ihr Kauf optisch und finanziell nicht lohnt.

Seit einigen Jahren ist die Angabe der Filmempfindlichkeit international in der Norm ISO 5800 standardisiert.

Auflösungsvermögen

Das Auflösungsvermögen fotografischer Filme wird mit der Zahl gerade noch getrennter Linienpaare pro Millimeter angegeben. Da die fotografische Auflösung vom Kontrast abhängig ist, wählt man schwarze und weiße Linien. Qualitativ spricht man auch von grobkörnigen und feinkörnigen Filmen. Es hängt von den Eigenschaften des Films ab, insbesondere von der Empfindlichkeit des Filmmaterials, und von den Entwicklungsbedingungen. Dabei gilt im allgemeinen, dass ein hochempfindlicher Film gröbere Körnigkeit aufweist. Handelsübliche Kleinbildfilme haben Auflösungsvermögen von 40 bis 150 Linienpaare pro mm. Bei Schwarzweißfilmen kann deutlich mehr Auflösung erreicht werden, die bis zu 1000 Linienpaare pro mm reicht. Beispiele: Gigabitfilm, 720 Lp. mit Negativbild; Eastman 5360/7360 und Kodak 2468, beide orthochromatisch sensibilisierte, gering empfindliche Direktumkehrfilme, 900 bis 1000 Lp. Reine Bichromatgelatinefilme lösen mehr als 5000 Linienpaare je Millimeter auf, z. B. Orwo HF 53.

Beim Scan von Negativ und Dia können Auflösungen von bis zu 10.000 ppi erreicht werden. Beim Kleinbildfilm entspricht das etwa einer Auflösung von bis zu 135 Millionen Pixeln.

Hersteller

Die Anzahl der Hersteller fotografischer Filme ist durch den Erfolg der digitalen Fotografie in den letzten Jahren stark zurückgegangen. Weitaus größter Abnehmer fotografischer Filme ist die Filmwirtschaft.

Nach heutigem Stand (September 2010) stellen diese Unternehmen Filme für die bildmäßige Fotografie her:

  • Kodak (USA)
  • Fujifilm (Japan)
  • Ilford (Großbritannien)
  • Agfa (Belgien)
  • FilmoTec (Deutschland)
  • Fotokemika Efke (Kroatien)
  • Ferrania (Italien)
  • Foma (Tschechien)
  • Shanghai Shenbei Office Machine Co. (China)
  • Shantou ERA Limited Corporation (China)
  • China Lucky Film (China)
  • Tasma (Russische Föderation)

Siehe auch

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