- Alexander Conze
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Conze in den 1870er Jahren
Alexander Christian Leopold Conze (* 10. Dezember 1831 in Hannover; † 19. Juli 1914 in Berlin) war ein deutscher klassischer Archäologe, Hochschullehrer und Direktor der Antikensammlung Berlin.
Inhaltsverzeichnis
Leben
Conze studierte 1851–1855 in Göttingen (wo er sich dem Corps Brunsviga anschloss) und Berlin. In Berlin wurde er 1855 bei Eduard Gerhard mit einer Dissertation über bildliche Darstellungen der Psyche promoviert. 1861 erfolgte seine Habilitation in Göttingen. 1863 erhielt als Privatdozent an der Universität Göttingen einen Ruf als außerordentlicher Professor nach Halle und ging 1869 als Ordinarius der Archäologie an die Universität Wien, wo er bis 1877 die in Wien neugeschaffene Lehrkanzel leitete. 1877 wurde Conze zum Direktor des Skulpturenmuseums nach Berlin berufen. Hier stand die Erforschung der antiken Stadt Pergamon im Mittelpunkt seiner Arbeiten. Darüber hinaus leitete er das Generalsekretariat des Deutschen Archäologischen Instituts.
Conze begann 1878 gemeinsam mit dem Ingenieur Carl Humann mit der Ausgrabung Pergamons im Nordwesten Kleinasiens (bis 1894), die später von dem Begründer der modernen Grabungsmethoden, Wilhelm Dörpfeld, und Theodor Wiegand sowie 1957–1968 von Erich Boehringer fortgesetzt wurden. Conze war auch an den Ausgrabungen in Samothrake beteiligt. Das Portätrelief Alexander Conze schuf Adolf Brütt 1905 in einer Marmorversion für den Sitzungssaal des Deutschen Archäologischen Institutes und in einer kleineren Bronzeversion als Gegenstück zu dem Porträt des gleichzeitig pensionierten Eugen Petersen. 1912 schuf Fritz Klimsch eine Bronzebüste, die bis vor einigen Jahren unter dem Altar neben Humann stand.
Alexander Conze ist der Vater des Reichsgerichtsrats Hans Conze und der Großvater des Sozialhistorikers Werner Conze.[1]
Werk
Conze hat sich auf Reisen eine Autopsie vieler Kunstdenkmäler erworben und die Früchte derselben unter anderem niedergelegt in den Schriften:
- Reise auf den Inseln des Thrakischen Meeres. Hannover 1860, ISBN 90-256-0880-9
- Reise auf der Insel Lesbos. Hannover 1865
- Archäologischen Untersuchungen auf Samothrake. Wien 1875. (zusammen mit Hauser und Niemann)
- Melische Thongefäße. Leipzig 1862
- Zur Geschichte der Anfänge der griechischen Kunst. Wien 1870–1873
- Die Familie des Augustus. ein Relief. Halle 1868
- Die Bedeutung der klassischen Archäologie. Wien 1869
- Beiträge zur Geschichte der griechischen Plastik. Halle 1869. (2. Aufl.)
- Vorlegeblätter für archäologische Übungen. Wien 1869.
- Heroen- und Göttergestalten der griechischen Künste. Wien 1874.
- Römische Bildwerke einheimischer Fundorte in Österreich. Wien 1872–78, H. 1–3
- Theseus und Minotaurus. Berlin 1878 u. a.
In seiner Eigenschaft als Direktor der Berliner Antikensammlung hatte er wichtigen Anteil an der Durchführung der pergamenischen Expeditionen zur Wiedergewinnung des großen Altarfrieses und beteiligte sich an den darüber erschienenen Berichten (Die Ergebnisse der Ausgrabungen zu Pergamon. Vorläufiger Bericht. Berlin 1880 u. 1882; Digitalisat bei der Universitätsbibliothek Heidelberg).
Literatur
- Adolf Borbein: Alexander Conze 1831–1914. In: Archäologenbildnisse. Porträts und Kurzbiographien von Klassischen Archäologen deutscher Sprache. S.59–60, Mainz 1988, ISBN 3-8053-0971-6.
- Friedrich Wilhelm Goethert: Conze, Alexander. In: Neue Deutsche Biographie (NDB). Band 3, Duncker & Humblot, Berlin 1957, S. 348.
- Ulrich von Wilamowitz-Moellendorff: Alexander Conze (1831–1914). In: Sitzungsberichte der Königlich Preußischen Akademie der Wissenschaften zu Berlin 1916, S. 754–759.
Weblinks
- Literatur von und über Alexander Conze im Katalog der Deutschen Nationalbibliothek
- Verena Gassner, Zur Geschichte des Instituts für Klassische Archäologie der Universität Wien
- Eintrag in www.enzyklopädie.de
Einzelnachweise
- ↑ Vgl. den Werner Conze als "Gedenkartikel" gewidmeten Aufsatz: Bernhard vom Brocke: "Von des attischen Reiches Herrlichkeit" oder die "Modernisierung" der Antike im Zeitalter des Nationalstaats. Mit einem Exkurs über die Zerschlagung der Wilamowitz-Schule durch den Nationalsozialismus. In: Historische Zeitschrift, Bd. 243, 1986, S. 101–136, hier S. 101.
Adolf Schöll (1842–1843) | Ludwig Ross (1843–1859) | Alexander Conze (1863–1869) | Richard Schöne (1869–1872) | Friedrich Matz der Ältere (1873–1874) | Heinrich Heydemann (1876–1889) | Carl Robert (1890–1920) | Georg Karo (1920–1930) | Herbert Koch (1931–1950) | Manfred Oppermann (1984–2006) | Andreas E. Furtwängler (1994–2010) | Helga Bumke (seit 2011)
Anmerkung: Das Ordinariat für Klassische Archäologie wurde nach der Emeritierung von Herbert Koch erst 1994 wieder eingerichtet. Manfred Oppermanns Professur stand zeitweise neben dem Ordinariat, das mit Andreas E. Furtwängler besetzt wurde.
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