Germanischer Lloyd


Germanischer Lloyd
Germanischer Lloyd SE
Germanischer Lloyd Logo
Rechtsform Societas Europaea (SE)
Gründung 1867
Sitz Hamburg

Leitung

  • Erik van der Noordaa, Pekka Paasivaara, Dr. Joachim Segatz
  • Dr. Wolfgang Peiner (Aufsichtsratsvorsitzender)
Mitarbeiter 6.900 (2010)[1]
Umsatz 741,0 Mio. Euro (Gj. 2010)
Branche Schiffsklassifikations-Gesellschaft
Website www.gl-group.com

Der Germanische Lloyd ist eine Schiffsklassifikations-Gesellschaft. Die Gesellschaft beschäftigt sich mit der Betreuung der fahrenden Flotte, die beim Germanischen Lloyd klassifiziert ist, und mit der Überwachung von Schiffsneubauten. Die Überwachungstätigkeit erstreckt sich darüber hinaus auch auf meerestechnische Bauwerke und Offshore-Geräte, zum Teil auch auf Anlagenbau. Die nötigen wissenschaftlichen Methoden werden vom Germanischen Lloyd weiterentwickelt, sowohl im Bereich der Schiffsberechnung, als auch auf maschinentechnischem Gebiet.

Neben der klassifikatorischen Arbeit haben sich weitere Arbeitsgebiete des Germanischen Lloyds entwickelt, die mittlerweile in den jeweiligen Branchen hohes Ansehen genießen: So gehört der Germanische Lloyd beispielsweise zu den weltweit führenden Zertifizierungsstellen für Windenergieanlagen.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Am 23. Juni 1862 wurde in Hamburg auf Initiative verschiedener Reeder ein Komitee gebildet, das über Fragen der Schiffsklassifikation beraten sollte. Mitglieder dieses Komitees waren folgende Reedereien:

Bei einer der Sitzungen erschien erstmals der Name „Germanischer Lloyd“, vermutlich in Anlehnung an das früher gegründete Lloyd’s Register of Shipping in London. Als erfolgreicher Streiter für eine unabhängige Klasse der Schiffe trat Herr F. Schüler hervor. Er war Schiffbaumeister in Stettin-Grabow und sollte später eine bedeutende Rolle für den Germanischen Lloyd spielen. Anfang 1867 erfolgte eine öffentliche Ankündigung der Gründerversammlung des Germanischen Lloyd. Sie wurde zum 16. März 1867 um 14 Uhr in den großen Saal der Börsenhalle in Hamburg einberufen. Gegründet wurde der Germanische Lloyd am 16. März 1867 in Hamburg als deutsche Klassifikationsgesellschaft, indem Herr August Behn als Vertreter des Gründungskomitees nach eindeutig mehrheitlicher Abstimmung der Gründerversammlung die Statuten unterzeichnete. Die Gründerversammlung wurde von fast 600 Personen besucht.

Schon im Gründerjahr wurden die ersten Bauvorschriften veröffentlicht, die sich wesentlich von den bisherigen unterschieden. Bisher wurde in Tonnengehalt gemessen; die Messungen des Germanischen Lloyd basierten jedoch auf Länge, Breite und Höhe des Schiffes.

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1868 wurde das erste Schiffsregister des Germanischen Lloyd veröffentlicht, das 273 Schiffe umfasste. Nur zwei Jahre später kam das zweite Register mit 735 Schiffen heraus. Aufgrund des schnellen Wachstums war der Germanische Lloyd schon zwei Jahre nach der Gründung in dreizehn deutschen Städten und in über sechzig wichtigen ausländischen Häfen vertreten. 1872, als der Hauptsitz nach Berlin verlegt wurde, umfasste das Register schon 1870 Schiffe, im Jahre 1878 waren es 2353, wovon ca. ein Drittel unter ausländischer Flagge fuhr.

1889 wurde die Genossenschaft in eine Aktiengesellschaft umgewandelt, da die ursprüngliche Gesellschaftsform sich offenbar nicht zu bewähren schien, und Friedrich Ludwig Middendorf wurde 1890 ihr Technischer Direktor. Da die damalige Reichsregierung aber eine schlagkräftige Institution für diese Aufgaben benötigte, wurde auf Wunsch des Reichsministers des Inneren die Genossenschaft in eine Aktiengesellschaft mit gemeinnützigen Charakter umgewandelt. Wegen seiner Bedeutung für die deutsche Seeschifffahrt wies der Reichskanzler am 17. Januar 1890 erstmals die kaiserlichen Konsulate in den ausländischen Häfen an, die Tätigkeit des Germanischen Lloyd zu unterstützen. Der letzte derartige Erlass wurde vom Auswärtigen Amt an die diplomatischen und konsularischen Vertretungen der Bundesrepublik Deutschland am 8. April 1969 herausgegeben.

1891 nahm man die Bestimmungen für die Klassifikation und die Besichtigungen von Schiffen und deren Antriebsanlagen auf. Das Register und die Vorschriften wurden ständig überarbeitet, um sie immer auf dem neusten Stand der Technik zu halten. Nachdem 1887 die See-Berufsgenossenschaft (im folgenden See-BG genannt) gegründet wurde, deren Aufgabe es war, Unfallverhütungsvorschriften zu erlassen und deren Einhaltung zu überprüfen, wurde im November 1894 ein Vertrag zwischen der See-BG und dem Germanischen Lloyd abgeschlossen. Der Germanische Lloyd sollte in Zukunft als technischer Berater zur Verfügung stehen. Dieser Vertrag gilt zum größten Teil noch heute.

Die Entwicklung in der Schifffahrt kam schnell voran, und der Germanische Lloyd wuchs stetig. 1914 war bereits 10 Prozent der Welthandelsflotte bei ihm klassifiziert. Dann kam jedoch der Erste Weltkrieg, der dem Germanischen Lloyd große Verluste in der Schiffsklassifikation einbrachte. Viele ausländische Schiffe wechselten die Klasse, da die Hauptverwaltung von der internationalen Schifffahrt abgeschottet war.

Die Regeneration lief langsam an, jedoch konnte schon 1920 das erste Register nach dem Ersten Weltkrieg herausgebracht werden. Mittlerweile konnten die internationalen Beziehungen aufgefrischt bzw. erneuert werden, was unter anderem dadurch zum Ausdruck kam, dass die See-BG und der Germanische Lloyd an den Vorbereitungen für die internationale Freibord-Konferenz mitwirkten.

Der Zweite Weltkrieg versetzte dem Germanischen Lloyd einen noch härteren Schlag als der erste. Viele Verwaltungsgebäude und Büros wurden zerstört, so dass der Lloyd seinen Aufgaben nicht mehr nachkommen konnte. Als kurz vor der Auflösung Proteste von einflussreichen Kräften aus Schifffahrt und Versicherungswesen kamen, wurde ein Zentralbüro in Hamburg eröffnet, so dass die Gesellschaft sich wieder um die Klassifikationsangelegenheiten kümmern konnte. Auf Grund der Wiederaufbauten der Flotten der deutschen Reeder in den fünfziger Jahren konnte der Germanische Lloyd sich erholen und die unterbrochenen ausländischen Beziehungen wieder aufnehmen.

Nun beschäftigte er sich, wie eingangs erwähnt, hauptsächlich mit der Überwachung von Neubauten. Es war ihm möglich, eine gute Basis für die kommende Vergrößerung der AG zu schaffen, was auf Grund der starken Vergrößerung der Welthandelsflotte in den Sechzigern letztendlich auch nicht ausblieb. Es folgte eine Ausweitung der Aktivitäten, wie zum Beispiel meerestechnische Bauwerke und Offshore-Geräte, aber auch Anlagenbau. Außerdem wurden weitere große technische Fortschritte in der nun internationalen Organisation erreicht. Sogar die Bundesregierung bedient sich zu ihrer Beratung und teilweise ebenfalls zu ihrer Vertretung in den Arbeitsgruppen der „International Maritime Organization“ (IMO) der Mitarbeiter und damit unmittelbar der technischen Kapazität des Germanischen Lloyd. Der Germanische Lloyd ist dadurch eng in die Entwicklung internationaler Schiffssicherheitsvorschriften eingebunden. Im Zuge der internationale Wiedereingliederung stieg der Anteil der ausländischen Flagge auf 50 Prozent Ende der 1970er Jahre. Aufgrund des Fortschritts in der Schiffstechnik war es nötig, wissenschaftliche Berechnungsmethoden zu entwickeln, was der Germanische Lloyd in seinem Haus konsequent durchführte. Forschungsarbeiten wurden auch auf maschinentechnischem Gebiet ausgeführt.

1977 erfolgte ein weiterer Ausbau des Tätigkeitsbereiches mit dem Gebiet Wasserbau (zum Beispiel der Bau von Schleusen) und durch den Einstieg in die Windenergie. Durch die Schiffbaukrise in den achtziger Jahren wurde der Germanische Lloyd hart getroffen, so dass 1987 ein Rückgang von 50 Prozent gegenüber 1985 zu verzeichnen war. Jedoch setzte die Erholung rasch wieder ein, was der breiten Diversifikation zu verdanken war.

In den folgenden Jahren war ein stetiges Umsatzwachstum zu verzeichnen. Es gab jedoch im Jahr 1999 einen Einbruch in der Statistik des Wachstums, was vor allem auf die Asienkrise, der Krise in Russland sowie der Schwäche im Wirtschaftswachstum in Europa zurückzuführen ist.

Jede Sparte der Schifffahrt befand sich in der Mitte 2004 in der Rezession, was einige Verschiebungen und Stornierungen von Neubauten zur Folge hatte. Trotzdem ist der Germanische Lloyd heute nach Anzahl der klassifizierten Schiffe die viertgrößte Klassifikationsgesellschaft der Welt. 28 Prozent der Weltcontainerschiffstonnage fährt mit der Klasse des Germanischen Lloyd, und er hatte die Aufsicht über mehr als 50 Prozent der Containerschiffsneubauten in den vergangenen drei Jahren. Ende Oktober 2005 betrug die Anzahl der Neubauten und der fahrenden Flotte 5.800 Schiffe mit 54,3 Millionen BRZ (Bruttoraumzahl).

früherer Sitz des GL, Vorsetzen 50, Hamburg Hauptgebäude - Vorsetzen 35

Auch die Mitarbeiterzahlen sind stetig gestiegen, was ebenso eine Konsequenz des Erfolgs dieser Klassifikationsgesellschaft ist. Insgesamt sind über 3200 Mitarbeiter in 191 Stationen in 78 Ländern auf der ganzen Welt tätig. Unter ihnen sind mehr als 1700 Ingenieure unterschiedlichster Disziplinen. (Stand September 2006)

Im Dezember 2006 unterbreitete der Konkurrent Bureau Veritas ein feindliches Übernahmeangebot, das durch die von der Geschäftsleitung und der Belegschaft unterstütztes Kaufangebot des ehemaligen Kaffeeindustriellen Günter Herz überboten wurde, der am 15. Dezember 2006 über 90 % der Aktien übernahm und damit die Unabhängigkeit der Klassifikationsgesellschaft sicherstellte.

Seit Februar 2010 befindet sich der Germanische Lloyd im neuen GL-Hauptgebäude in der Hafencity. (Brooktorkai 18 20457 Hamburg)

Die Klassenangabe des Germanischen Lloyd

Die für die internationale Anerkennung einer Klassifikationsgesellschaft besonders wichtige Aufführung der Klassenzeichen in der Classification Clause des Institute of London Underwriters erfolgte erneut am 1. April 1952. Für die Anerkennung ist die Führung eines Schiffsregisters eine wesentliche Voraussetzung. Das Schiffsregister stellt eine Dokumentation über den jeweiligen Zustand der Schiffe dar, die beim Germanischen Lloyd klassifiziert sind. Nachdem ein Seeschiff durch den Germanischen Lloyd klassifiziert worden ist, wird ein Zertifikat ausgestellt (Certificate of Classification), das sich auf den Schiffskörper bezieht, es kann auch die Maschinenanlage und die elektrischen Einrichtungen an Bord einbeziehen. Im Folgenden ist ein vollständiges Beispiel einer Klassenangabe aufgeführt:

Klassenzeichen Zusatz
Schiff + 100 A 5 E1 Container Ship
Maschine + MC E1 AUT
Freibordmarke

Die Zeichen sind folgendermaßen zu deuten:

  • + (Hanseatenkreuz[2]) Der Schiffskörper, die Maschine und eventuelle Sondereinrichtungen wurden unter der Aufsicht und nach den Vorschriften des Germanischen Lloyd gebaut. Alle Werkstoffe und Bauteile wurden von ihm überprüft. Ist über dem Zeichen ein Punkt vorhanden, so bedeutet es, dass alle Teile unter Aufsicht einer anderen Klassifikationsgesellschaft gebaut wurden und später vom Germanischen Lloyd (übernommen) klassifiziert worden sind.
  • 100 A 5: Die Zahl 100 drückt aus, dass dieser Schiffskörper zu 100 Prozent den Forderungen der Bauvorschriften entspricht.
  • Der Buchstabe steht für das Baumaterial (hier: Stahl).
  • Durch die Zahl 5 wird die Dauer der Klassenperiode festgehalten, das heißt dass die Klasse des Schiffes 5 Jahre gültig ist.
  • MC bezieht sich auf die Maschinenanlage und sonstige Einrichtungen. Sie entsprechen ebenfalls den Vorschriften des Germanischen Lloyd.
  • E1 besagt, dass dieses Schiff eistauglich ist. Für die Eisklasse verwendet der GL eine Skala von E bis E4, wobei E4 die höchste Einstufung ist sowie ARC1 bis ARC4 für Eisbrecher und eisbrechende Frachtschiffe.
  • Der Zusatz Container Ship weist darauf hin, dass das Schiff über entsprechende Einrichtungen verfügt.
  • AUT diese Abkürzung gibt Auskunft darüber, dass die Maschine automatisiert ist und 24 Stunden ohne Aufsicht laufen darf.

Die Klasse wird nun so lange erhalten, wie die Schiffe regelmäßigen Besichtigungen unterzogen werden und eventuelle Reparaturen bzw. Verbesserungen nach Zufriedenheit des Germanischen Lloyd ausgeführt werden. Sollte es zu Vorfällen kommen, durch die das Schiff Schaden erleidet, muss im nächsten Hafen eine Besichtigung durchgeführt werden. Falls die entsprechenden Teile nicht mehr die Bedingungen der Klasse erfüllen, verfällt diese, wenn nicht unmittelbar Reparaturen vorgenommen werden. Dies könnte schwerwiegende Folgen haben, da möglicherweise der Versicherungsschutz entfällt bzw. höhere Prämien fällig werden. Des Weiteren wäre wahrscheinlich mit einem Imageverlust zu rechnen.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Fakten und Zahlen über den Germanischen Lloyd
  2. Das Kreuz war ursprünglich ein Hanseatenkreuz. Mit Schreibmaschine, Fernschreiber und ASCII wurde das Pluszeichen gleichrangig eingeführt, um den internationalen Austausch zu gewährleisten. In optisch ansprechenden Dokumenten wird das einzige Unicode-Zeichen benutzt, dessen Form ähnlich ist: U+2720 ✠ (eigentlich Malteserkreuz). In kriegerischen Zeiten wurde die Form auch gelegentlich leicht als Eisernes Kreuz modifiziert.

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