Hafen von Antwerpen

Hafen von Antwerpen
Flugansicht des Hafens

Der Hafen von Antwerpen ist der größte Hafen Belgiens. Gemessen am Frachtaufkommen in Tonnen ist er der zweitgrößte Hafen Europas (hinter Rotterdam) und der elftgrößte weltweit. Für Stückgut ist Antwerpen der größte Hafen der Welt. Weiterhin beherbergt der Hafen von Antwerpen den nach Houston zweitgrößten Chemieindustriepark der Welt.[1]

Der Hafen liegt am Ästuarium der Schelde. Durch dieses Ästuarium fahren Schiffe von über 100.000 Tonnen über 80 Kilometer Inland. Seine Lage im Festland, die den Restabstand der Ware per Zug- oder Straßenverkehr maßgeblich verringert, ist vorteilhaft für den Containerverkehr und die Umwelt.

Mit entscheidend für seine Größe ist die zentrale Lage des Hafens in Europa, so liegen in einem Radius von 250 Kilometern um den Hafen fünf Hauptstädte und in einem Radius von 500 km sind 60 Prozent der Kaufkraft der Europäischen Union angesiedelt.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Antwerpen um 1897 mit dem Hafen im Norden

Im Mittelalter war der Hafen von Antwerpen wie heute von großer Bedeutung. Als jedoch Stadt und Hafen im Rahmen des Niederländischen Unabhängigkeitskrieges im Jahr 1585 von den Spaniern erobert wurden, blockierten die Niederländer, die die nördlich gelegene Scheldemündung kontrollierten, den Antwerpener Hafen. Diese Scheldeblockade wurde über Jahrhunderte aufrechterhalten und führte zur wirtschaftlichen Stagnation des Hafens, während die Konkurrenzhäfen in den nördlichen Niederlanden, insbesondere Amsterdam, aufblühten. Nach der Gründung des Vereinigten Königreichs der Niederlande 1815 wurde die Scheldeblockade aufgehoben und der Antwerpener Hafen nahm einen großen Aufschwung. Nach der Abspaltung Belgiens 1831 wurde die unter niederländischer Herrschaft verbliebene Scheldemündung zwar nicht wieder geschlossen, die Niederländer erhoben jedoch einen Scheldezoll, der die Entwicklung der Schifffahrt nach Antwerpen deutlich behinderte. Erst 1863 konnten sich die Belgier für 36 Millionen belgische Franken (von denen zwei Drittel durch andere Seefahrernationen übernommen wurden) vom niederländischen Scheldezoll freikaufen.

Bis ins 19. Jahrhundert befand sich der Hafen am rechten Ufer der Schelde am Eingang der Stadt. Der Hafen wurde im 19. Jahrhundert durch das Anlegen des Napoleondocks erweitert. Napoléon Bonaparte wollte den Hafen unter der französischen Besetzung in einen Militärhafen umwandeln, um Großbritannien angreifen zu können.

1879 wurde mit dem „Eisernen Rhein“ eine Schienenverbindung für den Güterverkehr vom und ins Ruhrgebiet eröffnet und der Hafen danach deutlich erweitert.

In den 1950er und 60er Jahren begann der Ausbau zum Containerhafen, verbunden mit der Ausdehnung des Hafens nach Norden bis an die niederländische Grenze. Der Containerverkehr macht heute rund die Hälfte der umgeschlagenen Tonnage aus.

Hafengestaltung

Der Hafen von Antwerpen erstreckt sich auf einer Fläche von 13.057 ha, wovon 7239 ha auf das rechte Ufer und 5818 ha auf das linke Ufer der Schelde entfallen. Er erstreckt sich auf einer Wasseroberfläche von 2200 ha. 400 km Straßen und 1113 Kilometer Bahnstrecken sichern die sicheren Ankünfte und Abfahrten der zu transportierenden Güter. Jeder Anlegeplatz ist dabei mit zwei bis fünf Gleisen ausgerüstet. Auch haben die meisten Hallen und Lager in Docknähe einen direkten Gleisanschluss.

Rechtes Ufer

Ein Teil des rechten Ufers

Die Eröffnung der Berendrecht-Schleuse im Jahre 1989 war ein krönendes Ereignis für die Entwicklung des rechten Dockes. Sie ist mit einer Länge von 500 Metern, einer Breite von 68,5 Metern, einer Tiefe von 17,5 Metern die weltweit größte ihrer Art. Sie erlaubt einen maximalen Tiefgang von 11,85 Metern bei einem Tidenhub von fast 5 m.[2]

Seit 1989 wurde auch außerhalb des direkten Dockkomplexes erweitert. So entstanden zwei neue Containerterminale. Der erste, das Europa-Terminal, wurde 1990 eröffnet und der zweite, das Nordsee-Terminal, öffnete 1997 seine Tore. Zurzeit werden große Teile des Areals modernisiert, so dass das Amerika Dock, das Albert Dock und das Third Harbour Dock für Panamax-Schiffe mit einem maximalen Tiefgang von 13 Metern zugänglich sind. Auch das Delwaide Dock wird zurzeit so modernisiert, dass heutige Containerschiffe anlegen können.

Das MSC Home Terminal ist eine Partnerschaft zwischen PSA Hesse-Noord Natie und MSC. Es umfasst eine Länge von zwei Kilometern, so dass mehrere Schiffe auf einmal anlegen können, und ist im nördlichen Teil anzusehen. Das Terminal ist das europäische Zentrum für die Dienstleistungen der Mediterranean Shipping Company (MSC). Ende 2006 hatte dieses eine jährliche Kapazität von 3,6 Mill. TEU.

Linkes Ufer

Das linke Ufer befindet sich im Moment voll in Entwicklung. In der ersten Phase entsteht ein 4360 ha großer Bereich mit den Schwerpunkten Hafen und Industrie. Zusätzlich ist eine weitere Expansion in einer Größenordnung von 1440 ha geplant.

Der Motor all dieser Entwicklung war das 4,5 Kilometer lange Vrasene Dock, deren Terminale sich auf Holzprodukte, Fruchtsaftkonzentrate und Autos spezialisiert haben. Da fast alles durch dieses Dock besetzt war, wurde 1986 mit dem Bau des 5 Kilometer langen Verrebroek Dock begonnen, von denen schon 3,1 Kilometer fertiggestellt wurden. Auch hier existieren moderne Abfertigungsstätten.

Umschlag

Jahr Containerumschlag in TEU Gesamtumschlag [t]
2000 4,082 Mio. 130,531 Mio.
2001 4,218 Mio. 130,050 Mio.
2002 4,777 Mio. 131,629 Mio.
2003 5,445 Mio. 142,875 Mio.
2004 6,064 Mio. 152,327 Mio.
2005 6,482 Mio. 160,054 Mio.
2006 7,019 Mio. 167,372 Mio.
2007 8,177 Mio. 182,897 Mio.
2008 8,663 Mio. 189,389 Mio.
2009 7,310 Mio. 157,806 Mio.
2010 8,468 Mio.

Literatur

  • Anvers Port de Mer. Description du port et des établissements maritime d'Anvers. D'apès les documents les plus récents. Brüssel, Guyot 1885.

Quellen und Weblinks

 Commons: Hafen von Antwerpen – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. Bundesagentur für Außenwirtschaft: Chemische Industrie, Belgien (2008)
  2. Port of Antwerp aus der Website des Sozial- und Wirtschaftsrates Flandern (SERV)
51.2990666666674.3279277777778

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