Holländerwindmühle Straupitz

Holländerwindmühle Straupitz
Holländerwindmühle zu Straupitz im Spreewald
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Klaus Rudolph

Die Holländerwindmühle Straupitz ist ein Technisches Denkmal am Nordrand des (Ober)Spreewalds in Straupitz.

Inhaltsverzeichnis

Geschichte

Ab etwa 1640 stand an dieser Stelle eine hölzerne Bockwindmühle. 1850 brannte diese ab und wurde im gleichen Jahr noch durch eine gemauerte Holländerwindmühle ersetzt: „Dem Mühlenmeister Gottfried Nitschke zu Straupitz im Lübbener Kreis wird hiermit die landespolizeiliche Erlaubnis erteilt, […] eine holländische Windmühle mit der Bedingung bauen zu dürfen, daß die Mühle mit einem 5 Fuß hohen Bretter- oder dichten Gitterzaun umgeben wird. Frankfurt/Oder 13. Juli 1850, Königliche Regierung Abteilung des Innern“.

1885 erfolgte ein Anbau, so dass die Mühle nun auch als windbetriebene Sägemühle arbeitete, welche ab 1904 durch eine Lokomobile unterstützt und windunabhängig wurde. 1910 kam noch eine kleine Ölmühle hinzu. Diese dreifache Kombination mit noch vollständig erhaltener und wieder produzierender Originaleinrichtung ist heute wohl einmalig in Europa.

Als Hauptprodukt wird heute im Rahmen eines ganzjährigen Schaubetriebes zur Bewahrung und Demonstration von ausgestorbenem Handwerk das „Spreewald-Gold Leinöl“ hergestellt, welches aber auf Grund der geringen Produktionsmenge ausschließlich in der Mühle selbst beziehungsweise „ab Hof“ verkauft wird. Kornmühle und Sägemühle sind heute wegen absoluter Unwirtschaftlichkeit und kostenintensiver Reparaturanfälligkeit nur noch für den Eigenbedarf und zu gelegentlichen Demonstrationszwecken in Betrieb.

Aufgrund wiederholter Brände wurde die Holländerwindmühle Straupitz beim Wiederaufbau immer wieder modernisiert. Nach dem Brand von 1912 wurde die frühere Bootskappe mit Stert und Segelgatterflügeln durch eine selbsttätig vordrehende Zwiebelkappe (nach Plänen der Firma Wetzig, Wittenberg) mit Windrose und Jalousieflügeln ersetzt. Nach dem Brand 1923 mit Verlust der Flügel erfolgte die Umstellung der gesamten Mühlenanlage auf Elektroantrieb. 1964 wurde die morsche Zwiebelkappe entfernt und durch ein Flachdach ersetzt. Die heutige weitestgehend dem Original entsprechende Kappe samt neuer Flügel und Windrose wurde 2002 von der Firma Vaags Molenwerken in Aalten/Niederlande gebaut.

Zustand der Mühle im August 1972

1988 wurde die Mühle aus über 200 Jahre altem Privatbesitz verkauft und wurde für kurze Zeit „Volkseigentum“. Allerdings verkaufte man nicht das gesamte Mühlengrundstück einschließlich der Wiese, sondern nur das mit der Mühle bebaute Grundstück, den alten Pferdeschuppen und die Fläche vom ehemaligen Rundholzlagerplatz. Die Mühlwiese verblieb bis 2002 in Nowaks Eigentum. Willy Nowak war der letzte Müller der Familie.

In der Zeit der DDR wurde schrittweise ab 1964 der Mahl- und Ölbetrieb eingestellt, die Mühle verfiel; das Sägewerk arbeitete als VEB bis zur Wende weiter. Zu dieser Zeit besaß der Mühlenkomplex nur noch einen Schrottwert von 35.000 DM. Infolge des kurzen „VEB-Intermezzos“ mit Überführung in eine GmbH (1990) und rechtsunwirksamem Kaufvertrag zwischen dieser und der Gemeinde Straupitz entstand danach und bis 1998 eine ungeklärte Eigentumsfrage an der Mühle.

In der Zeit von 1994 bis 1996 wurden mit Hilfe einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme unter der Leitung von Klaus Rudolph (geb. 1943)[1] erste Arbeiten zur Wiederherstellung der Mühle unternommen bis hin zur vollständigen Rekonstruktion und Wiederinbetriebnahme der Öl- und Sägemühle. Rudolph gilt als maßgeblicher Initiator zur Wiedergeburt der Mühle. Von 1994 - 1996 leitete er eine ABM (Arbeitsbeschaffungsmaßnahme) zur Rekonstruktion der historischen Ölmühle (Bj. 1910) und des Sägewerks (Bj. 1885). Für den gewerblichen Betrieb der Mühle gründete Rudolph 1997 die Firma "Spreewald-Souvenir", 1998 den gemeinnützigen Mühlenverein Holländermühle e.V., Straupitz und als dessen Tochtergesellschaften die Windmühle Straupitz GmbH (gegr. 2003) und die HM Park GmbH (gegr. 2009). Von 1997 bis 2010 bekleidete er in diesen Firmen die Funktion des Geschäftsführers in Personalunion. Am 1. August 2010 (seinem 67. Geburtstag) ging Rudolph offiziell in den Ruhestand, ist jedoch weiterhin Vorsitzender des Mühlenvereins und somit des Betreiberkonsortiums der Straupitzer Windmühle. Derzeitiger Geschäftsführer ist Gerd Nowak.

Der backsteinerne Mühlenturm (Kornmühle) war in der Bausubstanz stark geschädigt, so dass er von 1995 bis 2002 wegen angeblicher Einsturzgefahr „zum Betreten behördlich gesperrt“ war.

Zwischen 2001 und 2003 erfolgte dann eine umfangreiche Rekonstruktion und Sanierung der Mühle. Die hierfür aufgewendeten 1,2 Millionen Euro kamen zu 90 Prozent von der Europäischen Union und dem Land Brandenburg. Der erforderliche zehnprozentige Eigenanteil wurde durch privaten Sponsoren (Deutsche Stiftung Denkmalschutz, Ostdeutsche Sparkassenstiftung, die ehemalige Sparkasse Dahme-Spreewald (heute zur Mittelbrandenburgischen Sparkasse Potsdam gehörend) und den Straupitzer Mühlenverein aufgebracht.

Die Mühle wurde als vormals (staatliches) „Eigentum des Volkes“ 1998 dem Eigentum der Gemeinde Straupitz zugeordnet und ist an den Mühlenverein Holländermühle e.V., Straupitz verpachtet, der die Anlage mit mehreren hauptberuflich Beschäftigten ganzjährig und ohne öffentliche Zuschüsse als produzierendes technisches Denkmal betreibt.

Die in Betrieb befindliche Mühle und deren Schauproduktion kann ganzjährig gegen ein geringes Eintrittsgeld besichtigt werden.

Literatur

  • Klaus Rudolph und Edeltraut Wiegand (Redaktion); Mühlenverein Holländermühle e.V., Straupitz (Hrsg.): Straupitzer Mühlenkaleidoskop. Allerlei Ergötzliches über Mühlen, Müller, Mehl, Leinöl und Brotbacken. Ein technisches Denkmal erstrahlt in neuem Glanz. Straupitz/Spreewald. Regia-Verlag, Cottbus 2003, ISBN 3-936092-82-6

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Peter Becker: Klaus Rudolph, Straupitz. Januar 2009, auch als: Als das Straupitzer Leinöl noch als Firnis verkauft wurde. In: Lausitzer Rundschau. 28. Februar 2009
51.9158714.12696

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