Amarna

Amarna
Amarna in Hieroglyphen
N27
X1 O1
M17 X1
N35
N5

Achet-Aton
3ḫ.t-Jtn
Horizont des Aton

Tell el-Amarna ist ein abgelegener Ort am Ostufer des Nil in Mittelägypten. Mit Amarna werden in der Forschung meist die in der Nähe befindlichen Ruinen der altägyptischen Stadt Achet-Aton (auch Akhetaton geschrieben) bezeichnet.

Inhaltsverzeichnis

Etymologie

Der Begriff Tell el-Amarna wurde von europäischen Reisenden im 19. Jahrhundert geprägt.[1] Er setzt sich aus dem Namen der modernen Siedlung „et-Till“ und entweder der Bezeichnung „Beni Amran“ (früherer arabischer Volksstamm) oder „al-Amaria“ (weiteres Dorf in Umgebung) zusammen. Dagegen hat der Begriff nichts mit Tell, der arabischen Bezeichnung für einen Siedlungshügel, zu tun, da es in dieser Gegend keinen solchen Hügel gibt.[2]

Gründung

Karte von Amarna

Der Ort wurde von Pharao Echnaton (Amenophis IV.) gegründet, der sich dem Einfluss der Amun-Priester in Theben entziehen wollte, um sein monotheistisches Weltbild des Aton verbreiten zu können.

Die Stadt wurde in dreijähriger Bauzeit als Achet-Aton gebaut und um 1343 v. Chr. bezogen.

Merkmale

Bauten

Das Stadtgebiet wurde von in den Fels der Wüste geschlagenen Stelen abgesteckt, die den König und Teile seiner Familie abbilden und von der Gründung der Stadt berichten. Neben den Stelen waren auch Statuen der Herrscherfamilie in den Fels gehauen. Im Zentrum der Stadt befanden sich die meisten öffentlichen Gebäude. Hier ist vor allem der Aton-Tempel zu nennen, dessen Mauern ein Gelände von 730 mal 229 Meter einnahmen. Bei einem kleineren Aton-Tempel handelt es sich eventuell um einen Tempel für den Atonkult, aber auch für den Kult des Herrschers. Im Zentrum der Stadt befanden sich auch Palastanlagen, die aus verschiedenen Höfen und Sälen bestanden. Von hier aus wurde das ganze Land regiert. So ist es nicht verwunderlich, dass man ein nahezu unversehrtes diplomatisches Archiv in Form von Keilschrift-Tontafeln auffand, die sogenannten Amarnatafeln.

Die meisten Paläste waren einst reich mit Statuen und Malereien, wie auch mit in Wände eingelegte Glas- und Keramikfayencen dekoriert. Nördlich und südlich des Stadtzentrums befanden sich die eigentlichen Wohngebiete. Ganz im Süden stand eine als Maru-Aton bezeichnete Anlage unbekannter Funktion. Ganz im Norden fand sich ein weiterer Stadtteil. Hier konnten starke Mauern beobachtet werden, doch ist dieser Teil der Stadt schlecht erhalten. Es wurde vermutet, dass es sich hier um den eigentlichen Wohnpalast von Echnaton handelte. Eine Arbeitersiedlung, wohl zum Bau von Grabanlagen fand sich im Osten, circa 2 Kilometer in der Wüste, von der eigentlichen Stadt entfernt.

Kunst

Wandmalerei aus einem Palast von Amarna

Die Künstler von Amarna führten Malerei, Bildhauerei und Reliefkunst zu einer beispiellosen Blüte, mit äußerst lebendigen, teilweise auch karikierenden, Szenen aus dem täglichen Leben und einer menschlichen Darstellung auch des Königspaares Echnaton und Nofretete, die im Gegensatz zu der erstarrten abstrakten und typisierten archaischen Kunst Ägyptens stand. Die Kunst dieser Zeit wird deshalb auch als Amarnakunst bezeichnet.

Felsengräber

In den östlichen Bergen entstand eine Nekropole für die Beamten Amarnas. Auch König Echnaton ließ sich dort seine königliche Gruft anlegen. In diesen Grabmälern sind eine Vielzahl von Wanddarstellungen erhalten geblieben, die heute den Forschern einen tiefen Einblick in die Lebensgewohnheiten der Einwohner der damaligen Stadt Achet-Aton, des Aton-Kultes, der königlichen Familie und der Art ihrer Regentschaft ermöglichen.

Liste der nummerierten Grabanlagen

  • 1. Huya, Aufseher des Harem
  • 2. Merire (II.), Schatzhausvorsteher
  • 3. Ahmose, Domänenvorsteher im Haus von Achet-Aton
  • 4. Merire (I.), Hoherpriester des Aton
  • 5. Pentu, Oberarzt
  • 6. Panehsy, Erster Diener des Aton in Achet-Aton
  • 7. Parennefer, Architekt
  • 8. Tutu, Kammerherr
  • 9. Mahu, Chef der Polizei
  • 10. Ipi, Domänenverwalter
  • 11. Ramose, General
  • 12. Nachtpaaten, Wesir
  • 13. Nefercheperuhersecheper, Bürgermeister von Achet-Aton
  • 14. Maya, General, Vorsteher aller Arbeiten des Königs
  • 15. Suti, Sandalenträger
  • 19. Sutau, Schatzhausvorsteher
  • 23. Any, Schreiber der Opfer des Aton
  • 24. Paatenemhab, General des Herrn der beiden Länder
  • 25. Eje, Gottesvater
  • 26. Echnaton

Nach der Echnaton-Regentschaft

Die Stadt bestand nur für kurze Zeit. Nach dem Ende des Echnaton wurde sie wieder verlassen und der Hof zog in die alte Hauptstadt Memphis. Die Stadt wurde nie wieder im großen Umfang besiedelt. Die Nachfolger ließen jedoch sehr viel von dem Werk des Echnaton zerstören, um die Erinnerung an den vom ägyptischen Volk und der Amun-Priesterschaft wenig geliebten Aton-Kult auszulöschen. Fragmente aus Achet-Aton wurden vor allem in den Tempeln von Hermopolis, auf dem anderen Flussufer, gefunden wo sie als Füllmaterial für andere Bauwerke dienten.

Forschungsgeschichte

Erste systematische Ausgrabungen wurden von Flinders Petrie durchgeführt. Tell el-Amarna war einer der Forschungs- und Ausgrabungsschwerpunkte der Deutschen Orient-Gesellschaft von 1911 – 1914 unter Ludwig Borchardt, der die Werkstatt mit der berühmten Büste von Nofretete fand, die seit kurzem im Neuen Museum Berlin einen neuen Platz gefunden hat. Danach grub hier die Egypt Exploration Society und heute werden die Untersuchung von Barry Kemp (Cambridge, UK) weiter geleitet.

Literatur

  • William J. Murnane, Charles C. Van Siclen III.: The boundary stelae of Akhenaten. London/New York 1993. ISBN 0-7103-0464-1
  • Hugo Winckler: Die Tontafeln von Tell-el-Amarna. Berlin 1896.
  • Herbert Ricke: Der Grundriss des Amarna-Wohnhauses. Leipzig 1932.
  • Barry J. Kemp, Salvatore Garfi: A survey of the ancient city of El-'Amarna. London 1993.
  • J. D. S. Pendlebury: Tell el-Amarna. London 1935.
  • Carola Wedel: Nofretete und das Geheimnis von Amarna. Sonderheft Antike Welt. Zaberns Bildbände zur Archäologie. Verlag Philipp von Zabern, Mainz 2005. ISBN 3-8053-3544-X, ISBN 978-3-8053-3544-7
  • Christian Tietze: Amarna. Lebenräume-Lebensbilder-Weltbilder. (Ausstellungskatalog Köln 2008) Potsdam 2008.
  • Erik Hornung: Echnaton - Religion des Lichtes, Artemis&Winkler, Düsseldorf/Zürich, 2. Auflage 2001, ISBN 3-7608-1223-6
  • Dorothea Arnold: The Royal Women of Amarna. Images of Beauty from Ancient Egypt, New York 1996
  • Patrick Farsen: Die Amarnakunst. Statuen und Reliefs aus der Zeit der ausgehenden 18. Dynastie, München 2010, ISBN 3-8997-5393-3
  • Maya Müller: Die Kunst Amenophis III. und Echnatons, Basel 1988
  • Heinrich Schäfer: Amarna in Religion und Kunst (7te Sendschrift der Deutschen Orient-Gesellschaft), Leipzig 1931
  • Steffen Wenig: Meisterwerke der Amarnakunst, Leipzig 1977

Weblinks

 Commons: Amarna – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. B. Kemp: LÄ VI, Sp. 309ff
  2. Gabriele Höber-Kamel: Zur Geschichte der Amarna-Zeit in: Nofretete, Kemet Heft 3/2010, S. 4
27.66166666666730.905555555556

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