Johann Bernhard Klems

Johann Bernhard Klems

Johann Bernhard Klems (* 19. November 1812 in Waltrop; † 24. September 1872 in Düsseldorf) war ein deutscher Klavierbauer des 19. Jahrhunderts.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Vorsatzschild für einen Klems-Flügel (ca. 1855), Sammlung Heirseele-Schweiger, Belgien

Der gebürtige Waltroper Johann Bernhard Klems kam 1836 nach Wien, um dort seine Lehrlings- und Gesellenzeit bei Streicher, einem der damals bedeutendsten Klavierbauer zu absolvieren [1]. Bereits 1840 eröffnete er in Düsseldorf eine eigene Klavierbauwerkstatt. Dort stellte er zunächst Instrumente her, die sich an der Wiener Klavierbautradition (Wiener Mechanik) orientierten. Wenig später übernahm er wesentliche Neuerungen des zu dieser Zeit führenden französischen Instrumentenbauers Erard. Schon nach kurzer Zeit konnte er sich einen hervorragenden Ruf als Klavierbauer erwerben. Bereits zehn Jahre nach Gründung seiner Düsseldorfer Werkstatt waren Klems-Instrumente in Musikerkreisen außerordentlich geschätzt. Nicht zuletzt durch seine geschickte Geschäftspolitik konnte er seiner Firma auch durch die Vermittlung berühmter Komponisten und Pianisten im In- und Ausland einen großen Bekanntsgrad sichern [2]. Nach seinem Tod übernahm sein Sohn Edmund die Firma. Die Bedeutung und Produktivität des Klems´schen Unternehmens unterstreicht die Tatsache, dass im Jahre 1880 immerhin 40 Arbeiter etwa 300 Instrumente anfertigten. Dennoch wurde die Klavier- und Flügelproduktion um die Jahrhundertwende eingestellt.

Kontakte zu bedeutenden Musikern des 19. Jahrhunderts

Klems-Tafelklavier (um 1850) im Heinrich-Heine-Institut Düsseldorf

Insbesondere in Verbindung mit Robert Schumann wird Klems häufig genannt. Im Herbst 1850 kam der Komponist nach Düsseldorf, um seine neue Stellung als Städtischer Musikdirektor anzutreten. Eine enge Verbindung zwischen dem Ehepaar Schumann und Johann Bernhard Klems ist ab Winter 1850 nachweisbar. Durch zahlreiche Nennungen und Kommentare in den Tagebüchern, Briefen und Aufzeichnungen der Schumanns wirkt Klems´ Name bis heute fort. Wie sehr Robert Schumann dessen Instrumente geschätzt hat, zeigt sich in der Tatsache, dass er seiner Frau im Jahre 1853 einen Klems-Konzertflügel zum Geburtstag schenkte. Noch 1866 ließ sich Clara Schumann einen neuen Flügel in ihr inzwischen nach Baden-Baden verlegtes Domizil liefern. Clara Schumann, die berühmteste Pianistin ihrer Zeit, war nur höchst selten mit den ihr zur Verfügung gestellten Klavieren zufrieden. Über lange Jahre bevorzugte sie die Instrumente des Düsseldorfer Klavierbauers für ihre Konzerte und sprach Freunden, Bekannten und Schülern gegenüber zahlreiche Empfehlungen für diese aus (sie „wüßte von deutschen Instrumenten sonst doch keine zu empfehlen“, wie sie einer Freundin schrieb [3]). Ähnliches ist häufig auch aus Rezensionen ihrer Konzerte zu erfahren [4].

Johann Bernhard Klems pflegte neben der Verbindung zu Robert und Clara Schumann noch weitere Kontakte zu einflussreichen Musikern seiner Zeit. Mit Johannes Brahms, der ab 1854 für einige Jahre in Düsseldorf lebte, verband ihn zeitlebens eine freundschaftliche Zugetanheit. Weitere bedeutende Komponisten, die auf Klems-Instrumenten musizierten, waren Felix Mendelssohn Bartholdy, Ferdinand Hiller, Theodor Kirchner und Max Bruch.

Auszeichnungen, Experimente und Titel

Vorsatzschild für ein Pianino von J.B. Klems (um 1865), Sammlung T. Koch, Düsseldorf

Klems´ Ruf als einer der bedeutendsten Klavierbauer des 19. Jahrhunderts gründet sich insbesondere auf seine Aufgeschlossenheit instrumententechnischen Neuerungen gegenüber. Auf der 1. Londoner Industrie-Ausstellung (der ersten Weltausstellung) 1851 zeigte er im Kristallpalast einen Flügel „nach der Bauart Erard“ und zählte damit zur Avantgarde deutscher Klavierbauer. Als einer der ersten deutschen Klavierhersteller hatte er sich das später von allen Kollegen übernommene Prinzip der doppelten Repetitionsmechanik zu eigen gemacht. Daraufhin eröffnete er noch im gleichen Jahr in London eine Vertretung für seine Instrumente.

Auf der heimatlichen Düsseldorfer Ausstellung erhielt er einen „ersten Staatspreis“. Und auch auf der Münchner Industrieausstellung im Jahre 1854 hatte er Erfolg: „wegen Verfertigung eines vortrefflich ausgeführten flügelförmigen Piano von ganz gleichem, guten Tone“ wurde er dort mit einer Ehrenmünze ausgezeichnet. Die Münchner Juroren hatten mit ihrem Kommentar in der Tat ein wesentliches Klang-Ideal von Klems benannt. Ganz im Gegensatz zum bis ins erste Drittel des 19. Jahrhunderts favorisierten Register-Klang von Flügeln (bei denen hohe, mittlere und tiefe Lage ähnlich der menschlichen Stimme jeweils einen ganz eigenen Charakter haben) erreichte Klems mit seinen neuen Flügeln eine bislang nicht erreichte Ausgeglichenheit „von ganz gleichem Tone“. Damit verlor das Instrument allerdings auch an Farbigkeit zugunsten eines voluminöseren Klangbildes.

Vorsatzschild für ein Klems-Tafelklavier (um 1850), Heinrich-Heine-Institut, Düsseldorf

Die ausgesprochene Experimentierlust von Johann Bernhard Klems zeigt sich auch in der Tatsache, dass er gemeinsam mit einem Aachener Geigenbauer versuchte, instrumententechnische Eigenheiten der Geige auf den Klavierbau zu übertragen. Klems stellte hier insbesondere Versuche an, die Klangeigenschaften des Geigenlackes italienischer Meistergeigen auf die Resonanzböden seiner Flügel zu übertragen. Hieraus resultierte der sogenannte Resonatorflügel. „Kraftvoll im Ton ist derselbe, jeder zarteren Nuance fähig, und entwickelt namentlich eine Tragkraft, eine Vibration der einzelnen Töne, die dem Pianisten, der sie zu benutzen versteht, die schönsten Wirkungen sichert. (...)“ [5].

Vergeblich bemühte er sich um Anerkennung seiner Forschungsergebnisse beim Preußischen Patentamt. Bedeutende Klavierbauunternehmen wie Ibach und Bechstein verfolgten diese Entwicklungen aufmerksam und kritisch.

Schließlich spiegelt sich die Bedeutung von Johann Bernhard Klems auch in einer Vielzahl von Titeln. So konnte er seine Instrumente unter anderem mit offiziellen Prädikaten wie Hof-Pianoforte-Fabrikant Seiner königlichen Hoheit des Prinzen Friedrichs von Preußen, Hof-Pianoforte-Fabrikant Seiner königlichen Hoheit des Fürsten Carl Anton zu Hohenzollern-Sigmaringen oder Hoflieferant des Exkönigs von Hannover schmücken, was seinem Unternehmen einen enormen Prestigegewinn zusicherte.

Instrumente

Vorsatzschild für einen Klems-Flügel (1857), Heinrich-Heine-Institut, Düsseldorf

Einige Klems´sche Konzertflügel, Pianinos und Tafelklaviere haben sich bis in unsere Tage erhalten. Sie sind in öffentlichen Einrichtungen (Heinrich-Heine-Institut Düsseldorf oder Palais Royal in Brüssel) ebenso präsent wie in deutschen, holländischen und belgischen Privatsammlungen. Insbesondere im Zusammenhang mit der Wiederentdeckung der historischen Aufführungspraxis auch für die Musik der Romantik bei CD-Aufnahmen und Konzerten sind die Instrumente von Johann Bernhard Klems wieder in den Fokus der interessierten Öffentlichkeit gerückt.

Durch die enge Verbindung zwischen Johann Bernhard Klems und Robert Schumann wird deutlich, welchen Einfluss Veränderungen im Instrumentenbau auf die Klangvorstellungen eines Komponisten ausüben können. Die Klavierwerke aus Schumanns später Düsseldorfer Zeit lassen in ihrer neuartigen Ausrichtung derartige Rückschlüsse zu und beweisen, wie sehr die klangliche Inspiration eines Komponisten vom Instrument geprägt werden kann.

Literatur

  • Robert Schumann Tagebücher, Haushaltbücher; herausgegeben von Georg Eismann und Gerd Nauhaus. Leipzig 1971/82/87
  • Tobias Koch: Die schönsten Wirkungen sichernd - Tasteninstrumente von Johann Bernhard Klems. Leipzig 2007
  • Florian Speer: Ibach und die Anderen. Wuppertal 2002
  • Michael Struck: Die umstrittenen späten Instrumentalwerke Schumanns. Hamburg 1984
  • Renate Hofmann: Clara Schumanns Briefe an Theodor Kirchner. Tutzing 1996

Siehe auch

Weblinks

Einzelnachweise

  1. Musikhistorisches Museum von Wilhelm Heyer in Cöln; Katalog von Georg Kinsky (Konservator des Museums) - Erster Band. Besaitete Tasteninstrumente. - Cöln 1910, Kommissionsverlag von Breitkopf und Härtel, Druck von J.P.Bachem in Cöln
  2. "(...) Ein Concertflügel kreuzsaitiger Construktion aus der Fabrik von Klems in Düsseldorf erwies sich übrigens als ein Instrument von vorzüglicher Klangfarbe und trefflicher Spielart. (...) (Ausschnitt aus einer Rezension eines Konzertes von Johannes Brahms auf einem Klems-Flügel im Mai 1871 in Bremen; zitiert nach: Tobias Koch, Die schönsten Wirkungen sichernd... - Tasteninstrumente von Johann Bernhard Klems. Leipzig 2007)
  3. Renate Hofmann: Clara Schumanns Briefe an Theodor Kirchner. Tutzing 1996
  4. Das gespielte Instrument war, wie angezeigt, aus der Fabrik von Klems in Düsseldorf, deren Ruf als die beste in Deutschland längst anerkannt und von Autoritäten bestätigt worden ist. Frau Schumann spielt vorzugsweise nur Klems´sche Flügel, und werden dabei weder Kosten noch Mühen gescheut, um sie auch an entfernte Orte hinzuschaffen. (...) Und mit Recht! denn diese Instrumente verbinden bei Erard´scher Mechanik mit größerer Ausgiebigkeit und Weichheit des Tones eine große Leichtigkeit der Spielart, die sowohl im Concertsaal wie im Salon von ungemeiner Wichtigkeit für den Vortrag ist. Klems hat, nachdem er sich die Vorzüge französischer und englischer Fabrikation zu eigen gemacht, mit deutschem Fleiße und mit nie rastendem Streben weiter gearbeitet und geforscht und durch eigene Erfindungen, namentlich in Bezug auf Resonnanz die Fähigkeit größerer Leistungen erworben. Und dann haben seine Instrumente durch starke Construktion, durch die höchste Accuratesse in den Details eine größere Solidität und dazu den bedeutenden Vorzug größerer Billigkeit, wie Erard, Pleyel, Broadwood gleicher Qualität (Ausschnitt aus einer Rezension eines Klavierabends, den Clara Schumann im April 1863 auf einem Klems-Flügel in Trier gab; zitiert nach: Tobias Koch, Die schönsten Wirkungen sichernd... - Tasteninstrumente von Johann Bernhard Klems. Leipzig 2007)
  5. Auszug aus einer zeitgenössischen Rezension in der "Düsseldorfer Zeitung". Nach: Tobias Koch: Die schönsten Wirkungen sichernd - Tasteninstrumente von Johann Bernhard Klems. Leipzig 2007

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