Johannes Fried


Johannes Fried
Johannes Fried 2009

Johannes Fried (* 23. Mai 1942 in Hamburg) ist ein deutscher Historiker.

Als Schüler von Peter Classen studierte Johannes Fried von 1964 bis 1970 Geschichte, Germanistik und Politikwissenschaften in Heidelberg. 1970 wurde er dort mit der Arbeit Die Entstehung des Juristenstandes im 12. Jahrhundert. Zur sozialen und politischen Bedeutung gelehrter Juristen in Bologna und Modena promoviert. Die Habilitation erfolgte 1977, ebenfalls in Heidelberg, mit der Arbeit Der päpstliche Schutz für Laienfürsten. Die politische Geschichte des päpstlichen Schutzprivilegs für Laien (11.–13. Jahrhundert).

Von 1980 bis 1982 war Fried Professor an der Universität zu Köln, ab 1983 lehrte er mittelalterliche Geschichte an der Johann Wolfgang Goethe-Universität in Frankfurt am Main. Er war von 1996 bis 2000 Vorsitzender des Verbands deutscher Historiker. Außerdem ist Fried Mitglied der Zentraldirektion der Monumenta Germaniae Historica, des Konstanzer Arbeitskreises für mittelalterliche Geschichte, der Frankfurter Historischen Kommission, der Historischen Kommission bei der Bayerischen Akademie der Wissenschaften, des Wissenschaftlichen Beirates der Historischen Zeitschrift und Mitherausgeber des Deutschen Archivs für Erforschung des Mittelalters sowie Vorsitzender der Deutschen Kommission für die Bearbeitung der Regesta Imperii bei der Akademie der Wissenschaften und der Literatur in Mainz. 1998 bis 2005 war er zudem Vorsitzender des Trägervereins Deutsches Studienzentrum in Venedig. Fried ist derzeit (2010) Mitherausgeber der Historischen Zeitschrift.

Fried hat in seinen neueren Arbeiten zur Interpretation historischer Quellen Ergebnisse der Psychologie, Neurobiologie und Anthropologie verarbeitet („historische Memorik“). 1995 erhielt er den Preis des Historischen Kollegs München, 2006 wurde er mit dem Sigmund-Freud-Preis für wissenschaftliche Prosa ausgezeichnet. Anfang 2009 wurde ihm die Ehrendoktorwürde der Philosophischen Fakultät an der Rheinisch-Westfälischen Technischen Hochschule Aachen (RWTH) verliehen.

Schriften

  • Die Entstehung des Juristenstandes im 12. Jahrhundert. Zur sozialen und politischen Bedeutung gelehrter Juristen in Bologna und Modena. Diss. phil. Heidelberg 1970 (Forschungen zur neueren Privatrechtsgeschichte 21), Köln/Wien 1974.
  • Der päpstliche Schutz für Laienfürsten. Die politische Geschichte des päpstlichen Schutzprivilegs für Laien (11.–13. Jahrhundert) (Abhandlungen der Heidelberger Akademie der Wissenschaften, Phil.-hist. Kl., Jg. 1980, Nr. 1). Heidelberg 1980.
  • Otto III. und Boleslaw Chrobry. Das Widmungsbild des Aachener Evangeliars, der „Akt von Gnesen“ und das frühe polnische und ungarische Königtum. Eine Bildanalyse und ihre historischen Folgen (Frankfurter Historische Abhandlungen 30). Stuttgart 1989 (2. überarbeitete Aufl., Stuttgart 2001).
  • Die Formierung Europas 840–1046 (Oldenbourg Grundriss der Geschichte 6). München 1991, ²1993.
  • Der Weg in die Geschichte. Die Ursprünge Deutschlands bis 1024 (Propyläen Geschichte Deutschlands 1). Berlin 1994.
  • Kaiser Friedrich II. als Jäger oder ein zweites Falkenbuch Kaiser Friedrichs II. (Nachrichten der Akademie, phil.-hist. Kl. 4). Göttingen 1996.
  • Aufstieg aus dem Untergang. Apokalyptisches Denken und die Entstehung der modernen Naturwissenschaft im Mittelalter. C. H. Beck, München 2001, ISBN 3-406-48209-0.
  • Revolutionen des Wissens. Von der Steinzeit bis zur Moderne. Herausgegeben von Johannes Fried und Johannes Süßmann. C. H. Beck, München 2001.
  • Die Aktualität des Mittelalters. Gegen die Überheblichkeit unserer Wissensgesellschaft. Jan Thorbecke Verlag, Stuttgart 2002, ISBN 3-799-58301-7.
  • Geschichte und Gehirn. Irritationen der Geschichtswissenschaft durch Gedächtniskritik. Steiner, Stuttgart 2003, ISBN 3-515-08434-7 (Abhandlungen der Geistes- und Sozialwissenschaftlichen Klasse, Akademie der Wissenschaften und der Literatur, Jg. 2003, Nr. 7).
  • Der Schleier der Erinnerung. Grundzüge einer historischen Memorik. C. H. Beck, München 2004, ISBN 3-406-52211-4.
  • Zu Gast im Mittelalter. C. H. Beck, München 2007, ISBN 978-3-406-56215-0.
  • Das Mittelalter. Geschichte und Kultur. C. H. Beck, München 2008. ISBN 978-3-406-57829-8
  • Die Welt des Mittelalters. Erinnerungsorte eines Jahrtausends. C.H. Beck, München 2011 (als Herausgeber zusammen mit Olaf B. Rader)

Literatur

  • Arnold Esch: Laudatio auf Johannes Fried. In: Historische Zeitschrift Bd. 263 (1996), S. 281–289.
  • Eintrag Johannes Fried. In: Jürgen Petersohn (Hrsg.): Der Konstanzer Arbeitskreis für mittelalterliche Geschichte. Die Mitglieder und ihr Werk. Eine bio-bibliographische Dokumentation, Stuttgart 2001, S. 143ff., ISBN 3-7995-6906-5.

Weblinks



Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Johannes Fried — (born 1942) is a German historian and mediaevalist.Fried studied at the University of Heidelberg, where he obtained his doctorate in 1970 and his habilitation in 1977. He was professor at the University of Cologne 1980 1983 and holds the Chair of …   Wikipedia

  • Johannes Canaparius — war ein Benediktinermönch und Abt im Kloster Sti. Bonifacius et Alexius auf dem Aventin in Rom. Man schreibt ihm traditionell die Vita sancti Adalberti episcopi Pragensis, das Leben des Heiligen Adalbert von Prag zu (entstanden um 1000). In… …   Deutsch Wikipedia

  • Fried — ist der Familienname folgender Personen: Alfred Hermann Fried (1864–1921), österreichischer Pazifist und Schriftsteller Amelie Fried (* 1958), deutsche Schriftstellerin und Moderatorin, Tochter Kurt Frieds Erich Fried (1921–1988),… …   Deutsch Wikipedia

  • Johannes de Piano Carpini — Die Reiseroute Johannes de Plano Carpinis Johannes de Plano Carpini (auch Giovanni Piano Carpini oder Giovanni da Pian del Carpini; * um 1185 in Fian dei Carpini, heute Magione, bei Perugia in Umbrien; † 1. August 1252 in Bar, Montenegro) war ein …   Deutsch Wikipedia

  • Johannes von Piano Carpini — Die Reiseroute Johannes de Plano Carpinis Johannes de Plano Carpini (auch Giovanni Piano Carpini oder Giovanni da Pian del Carpini; * um 1185 in Fian dei Carpini, heute Magione, bei Perugia in Umbrien; † 1. August 1252 in Bar, Montenegro) war ein …   Deutsch Wikipedia

  • Johannes de Plano Carpini — Die Reiseroute Johannes de Plano Carpinis Johannes de Plano Carpini (auch Giovanni Piano Carpini oder Giovanni da Pian del Carpini; * um 1185 in Fian dei Carpini, heute Magione, bei Perugia in Umbrien; † 1. August 1252 in Bar, Montenegro) war ein …   Deutsch Wikipedia

  • Johannes Ehrenfried Thebesius — (* 1717 in Hirschberg; † Februar 1758) war ein deutscher Arzt. Leben Thebesius war Arzt und Stadtphysikus in seiner Heimatstadt Hirschberg. Er hatte unter J. Jac. Fried in Straßburg als Geburtshelfer praktiziert. Er veröffentlichte ein sehr… …   Deutsch Wikipedia

  • Kurt Fried — (* 30. März 1906 in Aschersleben; † 22. März 1981 in Ulm) war ein deutscher Publizist, Kunstsammler und Verleger der Schwäbischen Donau Zeitung. Inhaltsverzeichnis 1 Leben 2 Ehrenamtliches Engagement …   Deutsch Wikipedia

  • Mit Fried und Freud — ich fahr dahin Cette page d’homonymie répertorie les différents sujets et articles partageant un même nom. Mit Fried und Freud ich fahr dahin (en français « Je pars en paix et joie ») est le texte en allemand du cantique de Siméon (Luc… …   Wikipédia en Français

  • Mit Fried und Freud ich fahr dahin — Cette page d’homonymie répertorie les différents sujets et articles partageant un même nom. Mit Fried und Freud ich fahr dahin (en français « Je pars en paix et joie ») est le texte en allemand du cantique de Siméon (Luc 2:26 32), et un …   Wikipédia en Français