Joseph Paul Franklin


Joseph Paul Franklin

Joseph Paul Franklin (eigentlich: James Clayton Vaughn, Junior; * 13. April 1950 in Mobile, Alabama, USA) ist ein US-amerikanischer Serienmörder. Bekannt wurde Franklin 1978 durch sein Attentat auf den Herausgeber Larry Flynt.

Inhaltsverzeichnis

Biografie

Frühes Leben

James Clayton Vaughn – wie Franklin ursprünglich hieß – wuchs in einem von Gewalt geprägten Elternhaus auf. Sein Vater, der ein alkoholsüchtiger Arbeitsloser war, ließ die Familie oft für Monate oder gar Jahre allein, und feierte seine Rückkehr stets damit, dass er seine Kinder, insbesondere James junior schlug. Über die Kindheit und Jugend des künftigen Serienmörders ist kaum etwas bekannt, außer, dass er sich für Okkultismus und moderne Ernährung interessierte.

Nach einem Unfall, bei dem seine Sehkraft stark beeinträchtigt wurde, verließ er die Schule; auch verhinderte die Behinderung seinen Einsatz als Soldat im Vietnamkrieg. 1968 heiratete der 18-jährige Vaughn, allerdings war die Ehe schon bald darauf zum Scheitern verurteilt, als er seine Ehefrau immer wieder schlug. Auch litt er unter Depressionen und Stimmungsschwankungen, die seine Ehefrau nicht richtig einordnen konnte; es kam zur Scheidung.

Politische Ansichten

Zu Beginn der 1970er Jahre wurde in den Südstaaten der USA die Rassentrennung aufgehoben, eine Tatsache, mit der Vaughn nicht einverstanden war. In seinem Wahn begann er rechtsextreme Tendenzen an den Tag zu legen und fokussierte seinen Hass vor allem gegen Afroamerikaner und Juden. 1972, nach dem Tod seiner Mutter, trat Vaughn der American Nazi Party bei, für die er schon lange Sympathien hegte.

Er verließ Alabama und ließ sich in Atlanta (Georgia) nieder, wo er zudem Parteimitglied der National States Rights Party sowie des Ku-Klux-Klan wurde.

Etwa in diese Zeit fällt auch seine rechtlich anerkannte Namensänderung von James Clayton Vaughn, Junior in Joseph Paul Franklin. Der Name ist nicht zufällig ausgewählt, sind doch die Vornamen Joseph Paul von Paul Joseph Goebbels, Hitlers Reichspropagandaminister, entlehnt. Der Name Franklin stammt von Benjamin Franklin, einem der Gründerväter der Vereinigten Staaten.

Kriminelle Karriere

Obwohl er bereits mehrmals wegen kleinerer Delikte mit dem Gesetz in Konflikt geraten war, begann Franklins eigentliche „Karriere“ als Krimineller am 6. September 1976, als er ein gemischtethnisches Paar in eine Sackgasse von Atlanta hetzte und mit Tränengas attackierte. Er konnte aber entkommen.

In den folgenden drei Jahren legte er in 10 US-Bundesstaaten eine blutige Spur, die am 29. Juli 1977 begann: In Chattanooga (Tennessee) legte er eine Bombe in einer örtlichen Synagoge, bei deren Detonation aber niemand verletzt wurde.

Seinen ersten Doppelmord verübte Franklin acht Tage später, am 7. August 1977, in Madison (Wisconsin), als er den 23-jährigen Alphonse Manning und seine gleichaltrige Freundin Toni Schwenn tötete. Franklin hatte kurz zuvor eine Bank überfallen und war mit seinem Wagen nun mit überhöhter Geschwindigkeit auf der Flucht. Er war mit dem langsamen Tempo des Fahrzeugs vor ihm nicht einverstanden und tötete die Insassen, Manning und Schwenn.

Zwei Monate später, am 8. Oktober 1977, lauerte Franklin in einem Gebüsch vor einer Synagoge in Richmond Heights (Missouri) Teilnehmern einer Bar Mitzwa auf, erschoss mit einer Remington 700 Gerald Gordon und verletzte zwei weitere Männer, Steven Goldman und William Ash, schwer.

Am 6. März 1978 verübte er in Lawrenceville (Georgia) ein Attentat auf den Herausgeber des Hustler, Larry Flynt, der querschnittgelähmt überlebte. Flynt hatte in einer Ausgabe seines auf Sexualität spezialisierten Magazins Sex mit Schwarzen und andersethnischen Menschen thematisiert; etwas, das Franklin nicht tolerieren konnte.

Wenn er auf der Flucht war, gebrauchte er an die 18 Pseudonyme und falsche Identitäten. Er erwarb ständig neue Fluchtwagen und färbte sich so oft die Haare, dass sie auszufallen drohten. Er führte einen Einmannkrieg gegen Juden, Schwarze und anders denkende Menschen.

Am 29. Juli 1978 erneut in Chattanooga (Tennessee) angekommen, wo er auf den Tag ein Jahr zuvor eine Bombe in einer Synagoge gelegt hatte, ermordete er den Schwarzen William Bryant Tatum, den Angestellten einer Pizza Hut-Filiale, in dem Geschäft. Seine weiße Freundin Nancy Hilton, die ebenfalls getroffen wurde, überlebte.

Nun unterbrach Franklin seine Mordmission für knapp ein Jahr. Die Ermittler in den USA standen vor einem Rätsel. Da Franklin stets neue Identitäten und Aussehen hatte, konnten weder Phantombilder noch psychologische Profile des Täters oder der Täter erstellt werden. Da die Taten zudem in verschiedenen Bundesstaaten verübt wurden, ging man auch von mehreren Tätern aus.

Am 12. Juli 1979 erschoss er in einer Filiale von Taco Bell in Doraville (Georgia) aus einer Entfernung von 137 Metern den 27-jährigen schwarzen Filialleiter Harold McIver, von dem bekannt war, dass er eine weiße Freundin hatte.

Sein nächstes Opfer wurde am 18. August 1979 ebenfalls in einem Fastfood-Restaurant gefunden. In Falls Church (Virginia) erschoss Franklin durch das Fenster eines Burger King-Restaurants hindurch den 28-jährigen Raymond Taylor. Dasselbe Restaurant wurde 23 Jahre später, im Oktober 2002, erneut Schauplatz eines Verbrechens, als hier ein Opfer der so genannten Beltway Sniper Attacks zu Tode kam.

Am 21. Oktober 1979 erschoss er in Oklahoma City (Oklahoma) aus 91 Metern Entfernung das gemischtethnische Pärchen Jesse Taylor und Marian Bresette.

Damals hatte der 29-jährige Franklin eine Beziehung mit der erst 15-jährigen Prostituierten Mercedes Masters, mit der er kurzzeitig in DeKalb County (Georgia) lebte. Masters gestand Franklin, auch schwarze Freier zu haben, woraufhin er sie am 5. Dezember 1979 ebenfalls tötete.

In Indianapolis (Indiana) erschoss er am 12. Januar 1980 den 19-jährigen Lawrence Rees vor einem Restaurant. Rees' Vater, der Zeuge des Attentats war, wurde zum Erstaunen der Ermittler weder Opfer noch Ziel des Heckenschützen.

Zwei Tage später, am 14. Januar 1980, wurde Leo Watkins (19) das nächste Opfer, als er vor einem Einkaufszentrum in Indianapolis ermordet wurde.

Am 2. Mai 1980 wich Franklin erstmals von seinem Muster ab, aus dem Hinterhalt Menschen zu erschießen. In Monroe County (Wisconsin) nahm er eine junge weiße Anhalterin mit, die später als Rebecca Bergstrom identifiziert wurde. Warum Franklin Bergstrom bei Tomah (Wisconsin) ermordete, konnte nicht geklärt werden; Franklin gestand den Mord jedenfalls 1984.

Wie Larry Flynt im Jahr 1978, so wurde am 29. Mai 1980 in Fort Wayne (Indiana) mit Vernon Jordan eine weitere Person des öffentlichen Lebens Franklins Opfer. Jordan, 1980 Vertrauter und Mitarbeiter im Stab des damaligen Gouverneurs von Arkansas und künftigen US-Präsidenten Bill Clinton, war zudem Bürgerrechtsführer und hatte eine Beziehung mit einer weißen Frau. Jordan überlebte das Attentat schwer verletzt.

Am 8. Juni 1980 ermordete Franklin das einzige Mal Kinder. In Cincinnati (Ohio) wartete er einige Stunden in seinem Wagen auf ein gemischtethnisches Paar, das er ermorden könnte. Als keines auftauchte, erschoss er die beiden Cousins Darrel Lane, 14-jährig, und Donte Evans Brown, der mit seinen 13 Jahren Franklins jüngstes Mordopfer wurde.

Neun Tage später, am 15. Juni 1980, erschoss er in Johnstown (Pennsylvania) den 22-jährigen Arthur Smothers und seine 16-jährige Freundin Kathleen Mikula, als die beiden Afroamerikaner gerade eine Brücke in der Innenstadt überquerten. Andere Quellen geben abweichend davon auch Johnstown in Ohio als Tatort an.

Am 25. Juni 1980, nahm er die beiden Autostopperinnen Nancy Santomero (19) und Vicki Durian (26) in Pocahontas County (West Virginia) mit. Zunächst wollte er den beiden weißen Frauen nichts antun, doch als eines der Mädchen im Gespräch mit Franklin ihren schwarzen Freund erwähnt hatte, tötete er sie doch.

Zwei Monate später, am 20. August 1980, beging Franklin seine letzten nachgewiesenen Morde. In Salt Lake City (Utah) erschoss er aus 36 Metern Entfernung die beiden schwarzen Jogger Ted Fields und David Martin, die in Begleitung ihrer zwei weißen Freundinnen unterwegs waren. Diese überlebten schwer verletzt.

Festnahme und Prozesse

Franklin lief am 25. September 1980 in Kentucky, nach einem missglückten Banküberfall der Polizei in die Arme und wurde gefasst. Er wurde nach Florida überstellt, konnte kurzzeitig aus dem Polizeigewahrsam entkommen, wurde jedoch nach einigen Tagen erneut inhaftiert.

Der nun 30-jährige Mann, der im Lauf der Zeit die Morde gestand, wurde Angeklagter in zahlreichen Prozessen, die sich über einen Zeitraum von 17 Jahren erstreckten.

Die Urteile fielen sehr unterschiedlich aus. 1983 erfolgte in Indiana der Freispruch im Fall des missglückten Attentats auf Vernon Jordan. Weil keine eindeutigen Spuren am Tatort sichergestellt werden konnten, wurde er aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Im selben Jahr wurde er in Utah zu einer lebenslänglichen Haftstrafe wegen des Doppelmords an Ted Fields und David Martin verurteilt. Weitere lebenslange Haftstrafen wurden in Tennessee, Wisconsin, Missouri und Ohio verhängt.

Die Anklagepunkte umfassten 20 Morde, 6 schwere Körperverletzungen, 16 Banküberfälle und 2 Bombenattentate. Franklin gestand auch geplant zu haben, US-Präsident Jimmy Carter wegen dessen liberaler Ansichten zu ermorden. Der schwarze Baptistenprediger Jesse Jackson soll auch auf seiner Todesliste gestanden haben.

Erst im Jahr 1997 konnte in Missouri das Heckenschützenattentat vor der Synagoge von Richmond Heights verhandelt werden. In diesem abschließenden Prozess forderte die Jury die Todesstrafe.

Seit dieser Zeit sitzt Joseph Paul Franklin in der Todeszelle des Potosi Correctional Center in Potosi (Missouri) ein.

Quellen und weiterführende Literatur

  • Peter Murakami und Julia Murakami: Lexikon der Serienmörder. 450 Fallstudien einer pathologischen Tötungsart. Ullstein Tb, März 2000, 639 Seiten, ISBN 3-548-35935-3
  • Michael Newton: Die große Enzyklopädie der Serienmörder. Verlag für Sammler, Graz 2002, 447 Seiten, ISBN 3-85365-189-5

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