Massenmotorisierung

Massenmotorisierung

Mit der Massenmotorisierung bezeichnet man die Ausstattung großer Bevölkerungsteile mit motorisierten Fortbewegungsmitteln. In Deutschland setzte die Massenmotorisierung nach dem Zweiten Weltkrieg, insbesondere ab den 1950er Jahren, ein.

Kennzeichen

Als wesentliche Kennzeichen für Massenmotorisierung werden zwei Größen herangezogen, der Anteil des motorisierten Individualverkehrs an der Personenverkehrsleistung einerseits und der Kraftfahrzeugbestand andererseits. Es ist allerdings nicht eindeutig festgelegt, welche Schwellenwerte jeweils erreicht werden müssen, damit von Massenmotorisierung gesprochen werden kann.

Beim Anteil des motorisierten Individualverkehrs an der Personenverkehrsleistung wird ein Anteil von über 50 % als sicheres Anzeichen für Massenmotorisierung angenommen.[1] Dieser Wert wurde in Deutschland im Laufe der 1950er Jahre überschritten, als der Pkw-Bestand von etwa 100 Fahrzeugen je 1000 Einwohnern erreichte.[1] Andere Autoren geben einen Bestand von 250 Pkw je 1000 Einwohner als Grenze zur Massenmotorisierung an.[2] Dieser Wert wurde in Westeuropa um 1970 erreicht.[1] Ein weiterer Hinweis auf Massenmotorisierung ist die Herabstufung des privaten Automobils vom Luxusgegenstand zum Konsumgut.[1]

Ursachen für Massenmotorisierung

  • Technologische Entwicklung (führte zur Verfügbarkeit zuverlässiger Fahrzeuge und entsprechender Infrastruktur für Straßen, Tankstellen etc.)
  • Ökonomische Entwicklungen (steigende Einkommen, geänderte Produktionsformen z. B. just in time)
  • Demografische Entwicklungen (Bevölkerungswachstum, kleinere Haushalte)
  • Institutionelle Entwicklungen (v. a. zur Trennung von Wohnen und Arbeiten, Charta von Athen)
  • Kulturelle Entwicklungen (Individualisierung aber auch Emanzipation der Frau, geänderte Freizeitaktivitäten, Zunahme der Arbeitsteilung und die daraus resultierenden Personen- und Gütertransporte)
  • Ausdehnung der Siedlungsgebiete (Suburbanisierung, Zersiedlung)

Quellen

  1. a b c d Barbara Schmucki: Automobilisierung. Neuere Forschungen zur Motorisierung. In: Archiv für Sozialgeschichte. 35, 1995, S. 582ff. (http://library.fes.de/afs/derivat_pdf/jportal_derivate_00021143/afs-1995-582.pdf, abgerufen am 24.06). (pdf; 4,4 MB)
  2. Urs Nussbaum: Motorisiert, politisiert, akzeptiert.. Das erste Bundesgesetz über den Motorfahrzeug- und Fahrradverkehr von 1932 als Lösungsversuch moderner Straßenverkehrsprobleme. In: Europäische Hochschulschriften. Reihe III, Nr. 395, Bern etc. 1989, S. 36.

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