Mudersbach

Mudersbach
Wappen Deutschlandkarte
Wappen der Ortsgemeinde Mudersbach
Mudersbach
Deutschlandkarte, Position der Ortsgemeinde Mudersbach hervorgehoben
50.8244444444447.9438888888889240
Basisdaten
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Landkreis: Altenkirchen (Westerwald)
Verbandsgemeinde: Kirchen (Sieg)
Höhe: 240 m ü. NN
Fläche: 9,42 km²
Einwohner:

6.161 (31. Dez. 2010)[1]

Bevölkerungsdichte: 654 Einwohner je km²
Postleitzahl: 57555
Vorwahlen: 0271 (OT Birken, OT Niederschelderhütte) und 02745 (OT Mudersbach)
Kfz-Kennzeichen: AK
Gemeindeschlüssel: 07 1 32 072
Gemeindegliederung: 3 Ortsteile
Adresse der Verbandsverwaltung: Lindenstraße 1
57548 Kirchen (Sieg)
Webpräsenz: www.kirchen-sieg.de
Ortsbürgermeister: Maik Köhler (CDU)
Lage der Ortsgemeinde Mudersbach im Landkreis Altenkirchen (Westerwald)
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Über dieses Bild

Mudersbach ist eine Ortsgemeinde im Landkreis Altenkirchen (Westerwald) in Rheinland-Pfalz. Sie gehört der Verbandsgemeinde Kirchen (Sieg) an.

Inhaltsverzeichnis

Geographie

Geographische Lage

Mudersbach mit seinen drei Ortsteilen Mudersbach, Niederschelderhütte und Birken ist eine Gemeinde mit rund 6500 Einwohnern im Siegtal im äußersten Nordosten des Landes Rheinland-Pfalz. Geografisch und landsmannschaftlich gehört die Gemeinde zum Siegerland. Die Gegend ist hügelig bis bergig, stark bewaldet und teilweise von vulkanischen Einflüssen geprägt. Höchste Erhebung ist der Giebelwald mit 528 m ü. NN, wohingegen das Tal der Sieg auf etwa 230 m ü. NN liegt. Mudersbach grenzt im Osten an die Stadt Siegen in Nordrhein-Westfalen, deren Zentrum rund 10 Kilometer entfernt ist. Nächstgrößere Stadt auf rheinland-pfälzischer Seite ist Betzdorf (12 Kilometer).

Gemeindegliederung

Rechts der Sieg liegen der Hauptort Mudersbach und der Ortsteil Niederschelderhütte, am linken Siegufer der Ortsteil Birken und die zum Ortsteil Mudersbach gehörende Siedlung „Kronacker“. Über die Sieg führen auf Gemeindegebiet drei Straßenbrücken und zwei Eisenbahnbrücken, je eine davon als Grenzbrücke zu Nordrhein-Westfalen. Der Ortsteil Niederschelderhütte ist mit dem benachbarten Siegen-Niederschelden zu einem umgangssprachlich „Schelden“ genannten Ort zusammengewachsen. Wegen der räumlichen und geschichtlichen Nähe zu Siegen sind die Ortsteile Birken und Niederschelderhütte infrastrukturell vielfach an die Nachbarstadt angegliedert (zum Beispiel Telefon-Ortsnetz, Kabelfernsehen, Stromversorgung und eine Citybuslinie von Siegen).

Geschichte

Erstmals urkundlich erwähnt wurde Mudersbach um 1188/1190. Auf einem Pergament, das kürzlich erworbene Grundstücke des Kölner Erzbischofs Philipp von Heinsberg (1167–1191) zeigt, findet sich auch ein „Morsbag iuxta Froizpreh“ (Mudersbach nahe der Freusburg) für 20 Mark damaliger Währung. Jedoch fragt man sich auch noch heute, ob damit nicht vielleicht das 26 km weiter entferntere oberbergische Morsbach gemeint ist, wo bereits 1131 eine Kirche nachgewiesen wurde. Ab dem hohen Mittelalter findet dann ein niederadliges Geschlecht derer von Mudersbach als Vasallen der Grafen von Sayn Erwähnung, erstmals belegt mit Ludwig von Mudersbach 1252, und vermutlich im frühen 16. Jahrhundert ausgestorben. Eine weitere urkundliche Erwähnung Mudersbachs datiert vom 5. Juni 1286.[2] Die erste absolut einwandfreie Erwähnung des Ortes als solchem erfolgte in einer Urkunde vom 24. August 1456, dem Bartholomäustag jenes Jahres, an dem Johan van Seelbach, Diederichs Sohn und seine Frau Eelgin ihrem Bruder und Schwager Friedrich van Seelbach und dessen Frau Agnes ihr Erbe verkaufen, das sie im Kirchspiel zu Kirchfreusburg, nämlich zu „Modersbach“ und zu der „Stroet“ haben.

1741 verfasst der in Friedewald tätige Amtsaktuar Johann Heinrich Lamprecht den ersten ausführlichen Bericht über Mudersbach: Mudersbach hat 42 Räuche, an Äckern und Wiesen 275 Morgen, weitläufig schöne Hauberge, gibt 6 Rtlr. 40 albus 2½ d. Schatz.

Im Zweiten Weltkrieg kam es ab 1941 zu vereinzelten Bombenabwürfen über Mudersbach. Vor allem in den letzten Kriegsmonaten richteten die Luftangriffe im Ort auch größeren Schaden an. Der Ort selbst wurde am Karfreitag, den 30. März 1945 von Einheiten der US-Armee erreicht. Nach einigen Tagen Straßen- und Häuserkampf endeten die Kampfhandlungen in Mudersbach mit dem Weiterrücken der Amerikaner am 8. April 1945.

Der heutige Mudersbacher Ortsteil Niederschelderhütte entstand im frühen 18. Jahrhundert mit der Ansiedlung einiger weniger Häuser in der Nähe der Schelder Hütte, einem auf Mudersbacher Gemarkung liegenden historischen Hüttenbetrieb. Im späten 19. Jahrhundert nahm der Ort als Wohnsiedlung der Arbeitern des 1898 erbauten neuen Stahlwerks Charlottenhütte einen steilen Aufschwung. Der Ort ist mit dem benachbarten Niederschelden, das seit 1975 zu Siegen gehört, heute praktisch zusammengewachsen. Die Sieg, und damit auch die Landesgrenze zwischen Nordrhein-Westfalen und Rheinland-Pfalz, verläuft mitten durch das Werksgelände des Stahlwerks. Versuche, durch Gebietstausch die teils für Verwirrung sorgende Lage eines Stahlwerks in zwei Ländern zu ändern, scheiterten an mangelndem politischen Willen in Mainz und Düsseldorf.

Statistik zur Einwohnerentwicklung

Die Entwicklung der Einwohnerzahl, die Werte von 1871 bis 1987 beruhen auf Volkszählungen:

  • 1815 – 0 409
  • 1835 – 0 556
  • 1871 – 1.262
  • 1905 – 3.645
  • 1939 – 4.611
  • 1950 – 5.027
  • 1961 – 6.046
  • 1970 – 6.472
  • 1987 – 5.931
  • 2005 – 6.326

Datenquelle: Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz

Politik

Gemeinderat

Der Gemeinderat in Mudersbach besteht aus 22 Ratsmitgliedern, die bei der Kommunalwahl am 7. Juni 2009 in einer Verhältniswahl gewählt wurden, und dem ehrenamtlichen Ortsbürgermeister als Vorsitzenden.

Sitzverteilung im gewählten Gemeinderat:

  SPD CDU FDP Gesamt
2009 8 13 1 22 Sitze
2004 9 12 1 22 Sitze

Ehemalige Bürgermeister

  • -1978: Benno Reifenrath
  • 1978-1984: Walter Recht (CDU) (†1996)[3]

Wappen

Die Wappenbeschreibung lautet: „Schild gespalten, vorne in Silber ein halber rotbewehrter schwarzer Reichsadler, hinten geteilt, oben in Silber rotes Balkenkreuz, unten in Grün silberner Windofen“.

Als Erinnerung an das „Perdium liberorum virorum“ („Das Land der freien Männer“), welches sich mit der „Haigeromarca“ deckte und im frühen Mittelalter dem König unmittelbar unterstand, bringt die eine Schildhälfte den halben Reichsadler. Wie aus den vorliegenden Urkunden von 914 und 1048, aus welchen die Grenzziehung der Haigermark hervorgeht, zu ersehen ist, gehörte Mudersbach zu diesem Gebiet.

Nach 1324 gehörte das gesamte zu Freusburg gehörende Gebiet zu Kurtrier. In Erinnerung daran, und dass die Gemeinde Mudersbach heute noch der Diözese Trier kirchlich zugeordnet ist, wurde das rote Balkenkreuz in das Wappen aufgenommen.

Der Windofen, nach den Formen der latènezeitlichen Schmelzöfen, die in der Gemeinde Mudersbach ausgegraben wurden, soll die bis in die Gegenwart in Mudersbach betriebene Eisenverhüttung symbolisieren. Das Grüne im Feld deutet auf die bis heute betriebene Haubergswirtschaft hin.

Kultur und Sehenswürdigkeiten

Kulturdenkmäler

Liste der Kulturdenkmäler in Mudersbach

Regelmäßige Veranstaltungen

  • Bekannt ist Mudersbach für die „Mudersbacher Kirmes“, ein dreitägiges Volksfest mit Rummel, das seit dem Jahr 1828 jährlich an jenem Wochenende abgehalten wird, das dem ersten Montag im Oktober vorausgeht (auch „Quetschekirmes“ genannt nach den zu dieser Jahreszeit in Mudersbach gerne verzehrten Pflaumenkuchen).
  • Eine neuere Tradition ist seit 1996 das jährliche Sommer-Open-Air-Festival „Rock an der Sieg“ vor der Erzquell-Brauerei.
  • Die Theatergruppe Mudersbach absolviert jährlich fünf abendfüllende Auftritte (in den Herbstferien).
  • Weitere jährliche Veranstaltungen sind der Mudersbacher Straßenlauf, das Waldfest der Feuerwehr Niederschelderhütte in den Schöppsches Tannen, welches alljährlich am zweiten Wochenende im Juli stattfindet, sowie das Waldfest des Gesangvereins „Liederkranz“ am Pfingstwochenende in Birken.
  • Mudersbach beteiligt sich auch an der jährlichen Veranstaltung Siegtal Pur, einem autofreien Sonntag von der Siegquelle bis zur Siegmündung.

Sport

Im Jahr 1943 spielte TuS Germania 1896 Mudersbach in der damals höchsten Spielklasse („Gauliga“) und gewann in einem Meisterschaftsspiel gegen den FV Engers mit 32:0 Toren.[4] Der Fußballclub TuS Germania 1896 Mudersbach spielt zwar heute nur noch als Spielgemeinschaft mit dem benachbarten SC 09 Brachbach in der Siegerländer A-Kreisliga, hat aber einige große Erfolge in der Vereinsgeschichte vorzuweisen. 1952 wurde Mudersbach Rheinland-Meister.
Ab der Saison 2011/2012 werden aus beiden Vereinen die jeweiligen Fußballabteilungen ausgegliedert und bilden den neuen Verein "Sportgemeinschaft Mudersbach-Brachbach e.V."

Wandern

Der Giebelwald (höchster Berg Giebelberg, 528 Meter ü. NN.) lädt zum Wandern, Nordic Walking oder Mountain-Biking ein.

Wirtschaft und Infrastruktur

Hauptarbeitgeber war seit dem 19. Jahrhundert die Charlottenhütte bzw. das Stahlwerk im Ortsteil Niederschelderhütte. Das in den 1970er Jahren vom Krupp-Konzern übernommene Werk (Krupp-Stahlwerke Südwestfalen) produzierte bis ins Jahr 1980 Stahl mit bis zu 3000 Mitarbeitern. Das Hütten- bzw. Stahlwerk mit seinen Hochofen-Schornsteinen und den am Berg Birker Ley aufgeschütteten Schlackenhalden („Sandhalde“) prägte mehr als hundert Jahre lang das Leben in der Gemeinde.

Heute ist das bekannteste Produkt der Gemeinde nicht Stahl, sondern Bier – Erzquell Pils, das in der zunächst als Siegtal-Brauerei gegründeten Erzquell-Brauerei in Niederschelderhütte hergestellt wird.

In den Siegauen unterhalb des Ortsteils Birken entstand in den 1990er Jahren das Gewerbegebiet „Mudersbacher Wiesen“.

Öffentliche Einrichtungen

Mudersbach besitzt eine Grundschule im Ortsteil Niederschelderhütte. Außerdem steht in Mudersbach ein Hallenschwimmbad, das aber außer Betrieb ist. Die Räumlichkeiten werden nur noch als Jugendtreff benutzt. Das Hallenschwimmbad war Teil des zur Zeit leerstehenden Hauptschul-Komplexes, der zeitweise auch als Berufsschule diente. Neben dem Gemeindebüro in Mudersbach befindet sich ein zweites im Ortsteil Niederschelderhütte. In diesem Gebäude sind neben der Gemeindeverwaltung, der Verwaltungssitz des Bürgermeisters, der örtliche Bauhof sowie die Feuerwehr Niederschelderhütte untergebracht.

Im Naturfreibad „Schinderweiher“ im Schindebachtal kann man von Anfang Juni bis Ende August dem Badevergnügen nachgehen. In Niederschelderhütte gibt es zwei konfessionelle Kindertagesstätten. In Mudersbach und Birken befinden sich kommunale Kindertagesstätten.

Bildung

In Niederschelderhütte gibt es eine Grundschule (Martin-Luther-Grundschule).

Kirchengemeinden

In den Ortsteilen Mudersbach und Birken überwiegt katholische, in Niederschelderhütte evangelische Bevölkerung. In Mudersbach und Niederschelderhütte steht jeweils eine katholische Kirche, St. Matthias in Niederschelderhütte, Maria Himmelfahrt in Mudersbach. Die beiden Pfarrein wurden zum 1. Januar 2008 zusammen mit St. Josef im benachbarten Brachbach zur gemeinsamen Pfarrei „Heilig Geist Brachbach-Mudersbach“ fusioniert.

Die evangelischen Christen gehören zur Kirchengemeinde Siegen-Niederschelden.

Verkehr

Wichtig für Wirtschaft und Fremdenverkehr ist die gute Straßenverkehrsanbindung des Gebiets, das aus allen Himmelsrichtungen über die A 45 und A 4 erreichbar ist. Die direkt benachbarte Großstadt Siegen sowie die nahe gelegenen Ballungsräume Köln/Bonn, Hagen/Dortmund und Frankfurt sind so schnell zu erreichen.

Die Bundesstraße 62 verläuft direkt durch den Ort. Die nächste Anschlussstelle an die Hüttentalstraße in Siegen-Niederschelden ist nur wenige Kilometer entfernt, eine neue Anschlussstelle in der Nähe des ehemaligen Stahlwerks in Niederschelderhütte ist geplant.

Durch Mudersbach verläuft die Siegstrecke der Deutschen Bahn. Im Gemeindegebiet liegen die Bahnhöfe Brachbach, Mudersbach und Niederschelden, an denen die Sieg-Dill-Bahn der DB Regio NRW GmbH hält (Regionalexpress Köln–Siegen–Gießen, Regionalbahn Siegen–Au (Sieg)).

Persönlichkeiten

  • Hermann Danz (1906–1945), KPD-Politiker und Widerstandskämpfer gegen den Nationalsozialismus
  • Otto Becher, Verfasser der Chroniken von Mudersbach
  • Alois Stettner (1911–1957), Künstler und Kunsthandwerker
  • Jens Stötzel (*1973), Kommunalpolitiker

Literatur

  • Otto Becher: Chronik und Heimatkunde der Gemeinde Mudersbach, Mudersbach 1949.
  • Willi Farnschläder (Hrsg.): Chronik der Gemeinde Mudersbach, 1999.

Einzelnachweise

  1. Statistisches Landesamt Rheinland-Pfalz – Bevölkerung der Gemeinden am 31. Dezember 2010 (PDF; 727 KB) (Hilfe dazu)
  2. Siegerländer Heimatkalender 1990, S.16, 65. Ausgabe, Hrsg. Siegerländer Heimat- und Geschichtsverein e.V., Verlag für Heimatliteratur
  3. "Den Toten ein ehrendes Gedenken", Siegerländer Heimatkalender 1997, S.41, 72. Ausgabe, Hrsg. Siegerländer Heimat- und Geschichtsverein e.V., Verlag für Heimatliteratur
  4. Historie TuS Germania Mudersbach

Weblinks

 Commons: Mudersbach – Sammlung von Bildern, Videos und Audiodateien

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