Wachtel [1]

Wachtel [1]

Wachtel (Coturnix Bonn.). Gattung der Waldhühner (Tetraonidae) aus der Unterfamilie der Feldhühner (Perdicina), gedrungen gebaute Vögel mit kurzem, schwachem, sanft gebogenem Schnabel, verhältnismäßig langen, spitzigen Flügeln, sehr kurzem Schwanz, kurzem Lauf ohne Sporn, langen, gehefteten Vorderzehen und sehr kurzer Hinterzehe. Die gemeine W. (C. coturnix L., s. Tafel »Hühnervögel III«, Fig. 3), 20 cm lang, 34 cm breit, ist oberseits braun, rostgelb gestreift, an der Kehle rostbraun, auf der Bauchmitte gelblichweiß, an den Brust- und Bauchseiten rostrot, hellgelb gestreift, mit gelblichweißem Strich über dem Auge. Die Handschwingen sind schwärzlichbraun mit rötlich braungelben Querflecken, die rostgelben Steuerfedern haben weiße Schäfte und schwarze Bindenflecke. Sie bewohnt Europa bis 60° nördl. Br., Mittelasien und Nordafrika und wandert bis Südafrika und Indien. Die ersten Wachteln erscheinen schon im August in Ägypten, der Hauptzug erfolgt im September und währt selbst bis in den November. Dabei findet man aber im September noch brütende Weibchen in Deutschland. Viele überwintern in Südeuropa, einzelne bisweilen in Deutschland. Die Wachteln ziehen einzeln ab, folgen dem Festland und sammeln sich an der Spitze der südlichen Halbinseln in großen Scharen. In Afrika scheinen sie beständig zu wandern, und Anfang Mai erscheinen sie wieder in Mitteleuropa. Sie bevorzugen getreidereiche Ebenen, besonders Weizenfelder, meiden das Wasser und die Berge, gehen schnell und behende, fliegen ungern und nur in der Zugzeit anhaltend. Sie sind ungesellig, furchtsam, halten sich am Tage möglichst verborgen und gehen gegen Sonnenuntergang der Nahrung nach, die aus Korn ern, Blättern, Knospen und aus Kerbtieren besteht. Sie leben wahrscheinlich in Polygamie, der Hahn ist sehr begehrlich, ungemein kampflustig und höchst eifersüchtig. Der helle, weitschallende Paarungsruf lautet »Büllwerwück«. Das Weibchen legt Ende Mai, am liebsten in Erbsen- und Weizenfeldern, in eine seichte Vertiefung 8–14 hellbräunliche, dunkelgefleckte Eier (s. Tafel »Eier II«, Fig. 1) und läßt sich kaum vom Nest verscheuchen. Es führt die Jungen bis zur Vollwüchsigkeit. Auf der Herbstreise (in Spanien im Frühjahr) werden die dann sehr fetten Tiere an allen Küsten des Mittelmeers und am Schwarzen Meer in außerordentlichen Mengen gefangen und gegessen. In der Gefangenschaft halten sie sich sehr gut, werden zutraulich und brüten häufig in den Bauernhäusern. Im alten Griechenland (und noch jetzt in China) wurde die W. zu Wettkämpfen abgerichtet; bei uns erscheint sie dagegen dem Landvolk fast als geheiligt. Man schießt die W. vor dem Vorstehhund, vor dem sie festliegt, oder fängt sie in Stecknetzen. – Kalifornische und virginische W., s. Baumwachtel.


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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