Bremen [1]

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Bremen (Bremsen, Bremsfliegen, Biesfliegen, Dasselfliegen, Oestridae), Familie der Zweiflügler, Insekten mit kurzen, warzenförmigen Fühlern, großen, aufgeblasenen Backen, kleinen Augen, verkümmertem Rüssel, ohne Mundöffnung, der Körper ist oft schönfarbig, pelzig behaart. Die Weibchen einzelner Gattungen besitzen eine lange Legröhre zum Absetzen ihrer Brut an andre Tiere. Die Larven haben kräftige Kiefer und starke Dornen an den Leibesringen und leben als periodische Parasiten in und an Säugetieren. Einzelne Arten sind auf bestimmte Säugetierarten angewiesen und an bestimmte Körperstellen ihrer Wirte gebunden (Magen-, Nasen- und Hautöstriden). Von Ostriden heimgesucht sind besonders Pferde, Esel, Maultiere, Rinder, Schafe, Ziegen, Rot-, Reh-, Damwild, Antilopen, Renntiere, auch einzelne Nager, und bisweilen der Mensch. Die B. schwärmen besonders in waldigem Gelände vom Juli bis September in der Mittagsstunde ruhiger Tage (die Gastrophilen wohl auch in hellen Mondnächten) und bemühen sich, den Trägern ihrer Brut im schnellsten Zickzackflug anzukommen. Die verfolgten Tiere toben mit gehobenen Schwänzen wie rasend und ergreifen die Flucht (Biesen). Trotzdem wissen die B. ihre Brut sicher abzusetzen. Die gereiften Östridenlarven verlassen ihre Wirte im Frühjahr und verwandeln sich in Streu oder lockerer Erde in schwarzbraune oder schwarze Tonnenpuppen, aus denen in 3–8 Wochen die Fliegen ausschlüpfen.

Die B. sind über die ganze Erde mit Ausnahme von Australien verbreitet. Die Magenbremse des Pferdes (Gastrophilus equi Fab., s. Tafel »Zweiflügler«, Fig. 8), 13–17,5 mm lang, an Stirn und Thoraxrücken bräunlichgelb filzig, an den übrigen Teilen lichter und spärlicher behaart, am Hinterleib dunkel wachsgelb, legt ihre röhrenförmigen, gedeckelten Eier an die Haare der Pferde. Die ausgewachsene Larve ist 17,5–19 mm lang, fleischrot, dann gelbbraun und haftet, oft bis 100 Stück, an dem drüsenlosen Teil der Magenschleimhaut, wo sich nach der Auswanderung der Larven im Spätfrühjahr kleine Epitheldefekte zeigen, ohne daß sonst Nachteile entstünden. Die Nasenbremse (G. nasalis L.), 12 mm lang, mit rotgelbem Rückenschild und Kopf, brauner Stirn und an der Wurzel weißgrauhaarigem, in der Mitte schwarzem, am Ende gelb behaartem Hinterleib, legt ihre Eier an die Lippen, an und in die Nase der Pferde, Esel, Maulesel und Ziegen; die Larven bilden sich im Dünndarm, aber auch in der Nasenhöhle, im Schlund und Magen aus. Sie kommen in einzelnen Tieren zu mehr als 200 Stück vor, verursachen Schmerzen (Kolikerscheinungen), durchbohren oft Magen- und Darmwand und veranlassen dadurch tödliche Entzündungen, oder sie bohren Blutgefäße an und bewirken dadurch Verblutung. Striegeln, Waschen, Kämmen ist das einzig wirksame Vorbeugungsmittel. Die Schafbremse (Oestrus ovis L., s. Tafel »Zweiflügler«, Fig. 10), 10–13 mm lang, fast unbehaart, braun, mit rotbrauner Stirn, grauem, warzigem Rückenschild, weißgelblichem Hinterleib mit tiefschwarzen Schillerflecken, legt die schon ausgebildeten Larven in die Nasenlöcher der Schafe. Die Larven werden 28 mm lang, kriechen in den Nasenhöhlen empor und entwickeln sich in den Oberkiefer- und Stirnhöhlen. Man findet selten mehr als 7–8 dieser Grübler in der Nase eines Schafes. Nach 9 Monaten werden sie durch Niesen ausgestoßen, gehen in die Erde und verpuppen sich, worauf nach 7–8 Wochen die Fliege ausschlüpft. Durch den Reiz auf die Schleimhäute entsteht Nasenausfluß, häufiges Niesen, die Schafe suchen sich durch Schütteln oder Schleudern des Kopfes von den Schmerzerregern zu befreien (Schleuderkrankheit). Schließlich kann Hirnhautentzündung eintreten, die Tiere taumeln (Bremsenschwindel), knirschen mit den Zähnen, verbiegen den Kopf (falsche Drehkrankheit) und gehen zu Grunde. Zur Vorbeugung sind die Schafe von Weiden, die an Buschhölzer und an Waldwiesen grenzen, von Ende Juli bis Ende September fern zu halten; zeigt sich das Biesen, so sind die Nasenlöcher zu reinigen und Niesemittel empfehlenswert. Die Behandlung ist mißlich. Die Rinderbiesfliege (Hypoderma bovis L.), 9–11 mm lang, schwarz, am Thorax mit glatten Längsschwielen, gelb behaart, am Gesicht weißgelb besitzt, am zweiten und dritten Hinterleibsring schwarz, an der Spitze gelb, sonst grauweiß. Ihre an die Haare der Rinder gelegten Eier werden durch Lecken in den Mund gebracht. Die Larven durchbohren die Speiseröhre und dringen durch die Zwischenwirbellöcher in den Rückenmarkskanal ein, um später unter die Haut zu kriechen. Hier entsteht eine bis taubeneigroße Beule (Dasselbeule), und durch Eiterung und die Bohrwerkzeuge der Larve wird die Haut durchbohrt. Die Schmerzen beeinträchtigen Fleischansatz und Milchergiebigkeit der Rinder, und beim Gerben erhält die Haut Löcher. Zur Bekämpfung des Übels ist durch Ministerialerlaß vom 21. Jan. 1896 das Abdasseln empfohlen worden. Bevor die Larven auszukriechen beginnen, etwa im April, werden alle Rinder auf Dasselbeulen untersucht und die Beulen ausgedrückt. Geschieht dies überall, so wird die Zahl der Rinderbiesfliegen sehr erheblich vermindert. In England reibt man die eben auffahrenden Dasselbeulen mit trocknem Salz ein, wodurch viele Larven getötet werden, ehe die Haut beschädigt worden ist. Vgl. Brauer, Monographie der Östriden (Wien 1863).


http://www.zeno.org/Meyers-1905. 1905–1909.

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