Arthur Salz

Arthur Salz (* 31. Dezember 1881 in Staab, Böhmen; † 10. August 1963 in Worthington, Ohio[1]) war ein deutscher Sozial- und Wirtschaftswissenschaftler.

Inhaltsverzeichnis

Leben und Wirken

Nach Abschluss des Gymnasiums in Pilsen begann er 1900 ein Studium der Volkswirtschaftslehre in Berlin, wo er vor allem bei Georg Simmel hörte. Später studierte Salz in München und Heidelberg, wo er sich mit Friedrich Gundolf anfreundete und Kontakt mit dem Kreis um Stefan George aufnahm. Mit dem Dichter blieb Salz bis 1925 in Kontakt. Er verkehrte auch im Haus von Max Weber. 1903 promovierte Salz bei Lujo Brentano und leitete danach den elterlichen Betrieb in Staab. Nach weiteren Studien in Wien und Prag habilitierte sich Salz im Jahr 1909 mit der Arbeit "Wallenstein als Merkantilist".[2]

1912 heiratete Salz Sophie Kantorowicz, genannt Soscha, die Schwester des Historikers Ernst Kantorowicz. Aus der Ehe gingen die beiden Töchter Rosa Beate und Judith sowie der Sohn Heinrich Joseph hervor.

Im Ersten Weltkrieg leistete Salz Militärdienst in Österreich-Ungarn. Er wurde ins Osmanische Reich abkommandiert, um den türkischen Befehlshaber Djemal Pascha in ökonomischen Fragen zu beraten, eine Tätigkeit, die ihn nach Konstantinopel und Damaskus führte und das Interesse des gläubigen Juden für den Islam weckte.

Nach Deutschland zurück gekehrt, verstrickte sich Salz in die Wirren um die Niederschlagung der Münchner Räterepublik, weil er den KPD-Politiker Eugen Leviné bei sich versteckte. Er wurde verhaftet und entging, anders als Leviné, knapp dem Todesurteil. Salz handelt aber nur aus persönlicher Sympathie heraus, er war kein Sozialist und setzte sich kritisch mit dem Marxismus auseinander.

1923 wurde Salz an der Universität Heidelberg zum außerordentlichen Professor für Volkswirtschaftslehre berufen. Es gelang ihm in den Folgejahren jedoch nicht, einen Lehrstuhl an einer deutschen Universität zu bekommen. 1933 wurde Salz aus "rassischen Gründen" entlassen und emigrierte zunächst nach Großbritannien, wo er als Gastprofessor an der University of Cambridge lehrte. 1934 wechselte er in die USA und wurde Professor an der Ohio State University, von wo aus der nicht mehr nach Deutschland zurück kehrte.

Werke (Auswahl)

  • Beiträge zur Geschichte und Kritik der Lohnfondstheorie, Stuttgart: Cotta, 1905.
  • Geschichte der böhmischen Industrie in der Neuzeit, München: Duncker & Humblot, 1913.
  • Für die Wissenschaft gegen die Gebildeten unter ihren Verächtern, München: Drei Masken Verlag, 1921.
  • Macht und Wirtschaftsgesetz, Leipzig: B. G. Teubner, 1930.
  • Das Wesen des Imperialismus, Leipzig: Teubner, 1931.
  • Wallenstein als Merkantilist, in: Mitteilungen des Vereins für Geschichte der Deutschen in Böhmen 47, 4 (1909), 433-461.

Literatur

  • Wittebur, Klemens: Die Deutsche Soziologie im Exil. 1933 - 1945, Münster; Hamburg: Lit., 1991 (Dissertationsschrift von 1989), S. 71 f.
  • Schönhärl, Korinna: Wissen und Visionen. Theorie und Politik der Ökonomen im Stefan George-Kreis, Berlin 2009.
  • Fried, Johannes: Zwischem "Geheimem Deutschland" und "geheimer Akademie der Arbeit". Der Wirtschaftswissenschaftler Arthur Salz, in: Barbara Schlieben u.a. (Hrsg.), Geschichtsbilder im George-Kreis: Wege zur Wissenschaft, Göttingen 2004, S. 249-302.
  • Strauss, Herbert A. und Röder, Werner: Arthur Salz, in: Dies. (Hrsg.), International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933-1945, Bd. 2, München 1983.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. http://agso.uni-graz.at/soz/oes/oes_s.htm
  2. Strauss, Herbert A. und Röder, Werner: Arthur Salz, in: Dies. (Hrsg.), International Biographical Dictionary of Central European Emigrés 1933-1945, Bd. 2, München 1983, S. 1015.

Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Salz — (idg. *sal , eigentl. das Schmutziggraue) bezeichnet: Salze, in der Chemie aus Ionen in Kristallgittern bestehende chemische Verbindungen Speisesalz (Kochsalz), für die menschliche Ernährung als Geschmacksstoff verwendetes Salz Pökelsalz zur… …   Deutsch Wikipedia

  • Salz — Cette page d’homonymie répertorie les différents sujets et articles partageant un même nom. Toponymie: Salz (Bavière), une commune de Bavière (Allemagne) Salz (Rhénanie Palatinat), une commune de Rhénanie Palatinat (Allemagne) Personnes: Abraham… …   Wikipédia en Français

  • Arthur Girard de Soucanton — Arthur Girard de Soucantons Wohnhaus in der Tallinner Altstadt (heute Vene Straße 29) Baron Arthur Girard de Soucanton (* 7. Märzjul./ 19. März 1819greg. in Tallinn; † 8. Oktoberjul./ …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Biografien/Sal — Biografien: A B C D E F G H I J K L M N O P Q …   Deutsch Wikipedia

  • Liste emigrierter deutschsprachiger Sozialwissenschaftler — In dieser Liste emigrierter deutschsprachiger Sozialwissenschaftler werden Sozialwissenschaftlerinnen und Sozialwissenschaftler aufgeführt, die wegen der Herrschaft des Nationalsozialismus aus dem Staatsgebiet des Deutschen Reichs 1933 bis 1945… …   Deutsch Wikipedia

  • Blätter für die Kunst — Signum der Blätter für die Kunst, gestaltet von Melchior Lechter …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der denkmalgeschützten Objekte in Klagenfurt am Wörthersee-Klagenfurt — Die Liste der denkmalgeschützten Objekte in Klagenfurt am Wörthersee enthält die denkmalgeschützten, unbeweglichen Objekte der Gemeinde Klagenfurt am Wörthersee.[1] Denkmäler Foto   Denkmal / Status Standort / GstNr. Beschreibung Metadaten …   Deutsch Wikipedia

  • Coenzym I — Strukturformel NAD+ (oxidierte Form) Allgemeines Name Nicotinamidadenindinukleotid …   Deutsch Wikipedia

  • Diphosphopyridinnucleotid — Strukturformel NAD+ (oxidierte Form) Allgemeines Name Nicotinamidadenindinukleotid …   Deutsch Wikipedia

  • Koenzym I — Strukturformel NAD+ (oxidierte Form) Allgemeines Name Nicotinamidadenindinukleotid …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”