Pairsschub

Ein Pairsschub war ein Instrument in konstitutionellen Monarchien, die Mehrheitsverhältnisse im Parlament zugunsten der Regierung zu beeinflussen, indem eine größere Zahl von neuen Mitgliedern der ersten Kammer (Pairs) durch den Monarchen ernannt wurde.

Inhaltsverzeichnis

Hintergrund

Im 19. Jahrhundert entstanden in einer Vielzahl von Ländern Parlamente mit zwei Kammern. Während die Zweite Kammer der Repräsentanz der Bevölkerung diente, hatten in der Ersten Kammer (dem Herrenhaus) typischerweise die Vertreter des Adels ihren Sitz. Dies waren zum einen diejenigen Adligen, die ihr Mandat erblich aufgrund ihres Ranges erhalten hatten. In Deutschland waren das vielfach die Standesherren, die Oberhäupter der mediatisierten, früher reichsunmittelbaren Familien. Diese hatten im Rahmen des Reichsdeputationshauptschlusses ihre Souveränität verloren und sollten so politisch entschädigt werden. Daneben behielten sich die Monarchen vor, weitere Mitglieder der ersten Kammer zu ernennen.

Damit bestand die Möglichkeit für den Monarchen, die Mehrheitsverhältnisse im Parlament durch die Ernennung von neuen Pairs zu verändern (oder damit zu drohen).

Monarchien im Deutschen Bund

Insbesondere in Folge der französischen Julirevolution griffen mehrere deutsche Monarchen zum Instrument des Pairsschubs, um Mehrheiten sicherzustellen. So wurde im Herzogtum Nassau per Edikt vom 29. Oktober 1831 die Ernennung weiterer Mitglieder der Herrenbank angeordnet. So erreichte der Herzog eine Mehrheit in den Ständen[1].

Ein bekanntes Beispiel für einen Pairsschub war der Konflikt um die neue preußische Kreisordnung 1860. Um eine Mehrheit für dieses Gesetz zu sichern, ernannte der preußische König Wilhelm eine Reihe von neuen Pairs[2]. Im Preußischen Herrenhaus stieg der Anteil der ernannten Mitglieder, der vor dem ersten Preußischen Pairsschub im September 1860 nur 11 % betrug, bis 1914 auf knapp 30 %.

Einzelnachweise

  1. Cornelia Rösner: Nassauische Parlamentarier: Nassauische Parlamentarier. Teil 1. Der Landtag des Herzogtums Nassau 1818 - 1866, Wiesbaden 1997, ISBN 3-930221-00-4, Seite XIIX
  2. Vergl. Sitzungsprotokoll des Kronrats vom 8. November 1872; in: Rainer Paetau u.a.: Acta Borussica, 2004, ISBN 3-487-11003-2, Seite 288[1]

Literatur


Wikimedia Foundation.

Schlagen Sie auch in anderen Wörterbüchern nach:

  • Pairsschub — Pairsschub, s. Pairs …   Meyers Großes Konversations-Lexikon

  • Pairsschub — Pairsschub, gleichzeitige Ernennung einer größern Anzahl von Mitgliedern der Ersten Kammer (Pairs), um der Regierung darin eine Majorität zu sichern …   Kleines Konversations-Lexikon

  • Pairsschub — Pairs|schub   [ peəz ], Peersschub.   …   Universal-Lexikon

  • Adamy — Joseph Adamy (* 15. Januar 1778 in Oberwesel; † 24. Februar 1849 in Hadamar) war ein nassauischer Grubenbesitzer und Politiker. Von 1828 bis 1832 war er Mitglied des Nassauischen Landtags. Politik Nach dem Tod von Jacob Preuß im Dezember 1826… …   Deutsch Wikipedia

  • Bundesstaaten des Deutschen Reichs — Deutsches Reich 1871–1918 …   Deutsch Wikipedia

  • Deutsche Kaiserzeit — Deutsches Reich 1871–1918 …   Deutsch Wikipedia

  • Liste der Abgeordneten der Landstände des Herzogtums Nassau (1818-1848) — Diese Liste nennt die Abgeordneten der Landstände des Herzogtums Nassau in den ersten 5 Wahlperioden bzw. den Jahren 1818 1848. Die Abgeordneten ab 1848 sind in Liste der Abgeordneten der Landstände des Herzogtums Nassau (1848 1851) beschrieben,… …   Deutsch Wikipedia

  • Bismarck — Otto von Bismarck Otto Eduard Leopold von Bismarck Schönhausen (seit 1865 Graf, seit 1871 Fürst von Bismarck Schönhausen, seit 1890 Herzog zu Lauenburg) (* 1. April 1815 in Schönhausen; † 30. Juli 1898 in Friedrichsruh bei Hamburg …   Deutsch Wikipedia

  • Deutsches Kaiserreich — Deutsches Reich 1871–1918 Nationalflagge des Deutschen Reiches: Schwarz Weiß Rot …   Deutsch Wikipedia

  • Eiserner Kanzler — Otto von Bismarck Otto Eduard Leopold von Bismarck Schönhausen (seit 1865 Graf, seit 1871 Fürst von Bismarck Schönhausen, seit 1890 Herzog zu Lauenburg) (* 1. April 1815 in Schönhausen; † 30. Juli 1898 in Friedrichsruh bei Hamburg …   Deutsch Wikipedia

Share the article and excerpts

Direct link
Do a right-click on the link above
and select “Copy Link”