Atriumhaus
Schematische Darstellung eines antiken Atriumhauses

Ein Atriumhaus ist ein Haus, das in seiner Mitte einen zum Himmel geöffneten zentralen Raum, ein Atrium, besitzt. Das Licht wird über eine Öffnung im Dach zu den Räumen geführt. Dadurch kann das Haus nach außen auch fensterlos sein. Der Hof kann entweder zum Himmel hin offen oder mit einem Glasdach geschlossen sein.[1]

Dieser Gebäudetyp hat eine lange Tradition und ist in vielen Kulturen der Welt zu finden. Ursprünglich sind Räume, die in Kreisform nach Bedarf angeordnet wurden, um einen leeren zentralen Raum gebaut worden. Dieser leere Raum diente als Verkehrsfläche und Kochstelle für Mensch und Tier. Zusätzlich gab dieser Gebäudetyp Schutz vor Umwelteinflüssen und grenzte gegen Einblicke der Nachbarn ab.

Historisch wurde dieser Haustyp in Altägypten zu einer Form ausgereift, um der damaligen anwachsenden Bevölkerung eine Wohnform anzubieten, die die Privatheit der Familien gewährleisten konnte. In der Antike wurde die funktionale Bedeutung des Hofes als Verkehrsfläche ästhetisch aufgewertet und es entstanden Säulengänge (Portiken), später auch Arkadengänge im Hof. Der Säulengang ist ein wettergeschützter Bereich, durch den die einzelnen Räume trockenen Fußes erreicht werden konnten.

Im italischen Kulturkreis tritt ein eigener Typ des Atriumhauses bei den Etruskern auf und wurde von dort auch in die römische Architektur übernommen. Hier tritt dieser Haustyp vor allem auch in städtischen Blocksiedlungen (beispielsweise in Pompeji) auf. Im 2. Jahrhundert v. Chr. wird das römische Atriumhaus oft um ein Peristyl erweitert, einem von Säulengängen umgebenen Innenhof, der in der Regel als Ziergarten gestaltet ist.

In anderen Kulturen findet man diesen Haustyp sowohl bei den chinesischen Kaiserhäusern, japanischen Klöstern wie auch im vorderasiatischen Baustil. In der arabischen Architektur ist sowohl aus klimatischen als auch sozialen Gründen ein ähnlicher Baustil entstanden (siehe zum Beispiel Marokkanischer Riad). Dieser Baustil hat sich seit der Ausbreitung des Islam in Nordafrika und auf der iberischen Halbinsel zu einem Wohnmodell weiterentwickelt, in der die Art der Anordnung und Nutzung der Räume des Atriumhauses in einer vorgeschriebenen Wegeführung der Benutzer ihren Höhepunkt fand. Die Spanier haben später diesen Haustyp im sogenannten Patiohaus aufgenommen und weiterentwickelt. Das Atriumhaus wurde auch in den Kolonien Mittel- und Südamerikas in einer einfachen Form gebaut. Erst Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts haben Architekten in Zentraleuropa diesen Haustyp wieder aufgegriffen und in verschiedenen Varianten weiterentwickelt.

In der Moderne taucht das Motiv des Hof- oder Atriumhauses erneut auf:

In den 60er Jahren des letzten Jahrhundert sind in Westeuropa und Nordamerika in der Zeit des wirtschaftlichen Wachstum die so genannten Gartenhofhäuser entstanden. Es sind Häuser in diversen Formen entstanden, deren Ausprägung einen Licht- oder Gartenhof beinhaltet. Seitdem ist dieser Haustyp bei gewerblichen und industriellen Bauten zu finden. Eine Weiterentwicklung des Haustyps findet man auch in Stadien, Kulturhäusern und öffentlichen Bauten wieder.

Außerdem taucht im 20. Jahrhundert das Atriumhaus als Spielart des Einfamilienhauses auf, das verdichtetere Bebauung zulässt als das freistehende Einfamilienhaus. Häufig ist das eigentliche Wohnhaus eingeschossig und winkelförmig gestaltet Es umschließt somit zwei Seiten des Gartenhofs, die beiden anderen Seiten werden durch geschosshohe Mauern oder die Nachbarhofhäuser geschlossen. Atriumhäuser dieser Art werden häufig nicht als einzelne Gebäude errichtet sondern als ganze Siedlungen, sogenannte Teppichsiedlungen (von oben betrachtet haben diese Siedlungen Muster, die an Teppichmuster erinnern).

Literatur

  • Ian M. Barton: Roman Domestic Buildings, Exeter 1996 ISBN 978-0-85989-415-9
  • Erika Brödner: Wohnen in der Antike. Wissenschaftliche Buchgesellschaft, Darmstadt 1989, ISBN 3-53-40137-43.
  • Alexander Gordon McKay: Römische Häuser, Villen und Paläste. Deutsche Ausgabe bearbeitet und erweitert von Rudolf Fellmann. Atlantis, Zürich 1984, ISBN 3-76-11058-51.

Einzelnachweise

  1. A.J. Brothers: Urban Housing, In: Ian M. Barton (Hrsg): Roman Domestic Buildings, 37

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