August von Einsiedel

Johann August von Einsiedel (* 4. März 1754 in Lumpzig; † 8. Mai 1837 in Burg Scharfenstein (Erzgebirge) ) war ein deutscher Philosoph und Naturforscher.

Inhaltsverzeichnis

Leben

Johann August von Einsiedel, der Sohn von August Hildebrand von Einsiedel (1722-1796) und der jüngere Bruder von Friedrich Hildebrand von Einsiedel, einem Kammerherren der Herzogin Anna Amalie, gehörte zu dem Kreis der Intellektuellen in Weimar, der erheblich zum Ruf Weimars als einer Hochburg der Aufklärung beigetragen hat. Er war mit Herder, Goethe und Knebel befreundet und als Bergrat im Königreich Sachsen tätig.

Einsiedel begab sich 1785 mit seiner heimlichen Gebliebten auf eine damals aufsehenerregende Reise nach Afrika, auf der er das noch unbekannte Innere des afrikanischen Kontinents erforschen wollte und berichtete zunächst in Briefen an seine Freunde in Weimar über Geographie, Klima, Staaten und Gesellschaften dieses Kontinents. In Anlehnung an Rousseausches Denken hoffte er auf dieser Reise aber auch Erkenntnisse über die ursprünglichen, natürlichen Verhältnisse der (noch naturbelassenen, nicht durch gesellschaftliche Zwänge beeinflussten) Menschen gewinnen zu können.

Am 25. September 1788 heiratete August von Einsiedel Emilie geb. von Münchhausen, gesch. von Werthern (1757-1844), mit der er zuvor ein streng gehütetes Verhältnis gehabt hatte. Gemeinsam mit ihr hatte er 1785 deren Scheinbegräbnis in Leitzkau und eine gemeinsame Afrikareise vorbereitet.

„Ideen“

Einsiedels philosophische Gedanken und Reflexionen sind nur durch zwei Exzerpthefte in Herders handschriftlichem Nachlass überliefert. Sie wurden erstmals 1957 durch Wilhelm Dobbek ediert. Einsiedel erscheint darin als freisinniger Aufklärer, der der deutschen Variante aufklärerischen Denkens kritisch bis ablehnend gegenüberstand. Er war der Meinung, dass der „Einfluss und Anhang, den die Kantische Philosophie gefunden hat, ein Beweis ist, wie wenig die Kultur in Deutschland Fortschritte macht.“ [1] Einsiedels Kritik betrifft insbesondere die Moralphilosophie: „Man macht jetzt ein großes Geschrei, wie alle Moralität hinwegfallen würde, wenn die religiösen und politischen Meinungen aufhörten [ ... ] Das Aufhören derselben wird nicht nur keinen Schaden tun, sondern es wird alsdann die wahre, der menschlichen Natur angemessene Moralität erst anfangen; denn wenn die Menschen bei den bisherigen ihrer Natur und Trieben widersprechenden Meinungen und Einrichtungen doch in der Kultur vorwärts gegangen sind, wie viel schneller werden ihre Fortschritte sein, wenn die Hindernisse ihrer Vorurteile gehoben, die Einrichtungen mit der menschlichen Natur übereinstimmend gemacht ... wird“ [2] Dass Einsiedel hierbei, eher der französischen Aufklärung zugeneigt, der Sexualmoral eine wichtige Stellung beimaß, geht nicht in der von ihm gewollten Klarheit aus den edierten „Ideen“ hervor, denn der Herausgeber hat jeweils dort, wo der Autor „überdeutlich an Geschlechtliches rührt“, stets drei Punkte setzen lassen. [3]

Krieg und Kultur

Einsiedel ging nach der französischen Revolution von einer historischen Betrachtungsweise einer Kulturentwicklung der Menschheit aus. Auf der anderen Seite finden sich bei ihm als ehemaligem Offizier Überlegungen zu Krieg und Militär. Ausgangsbasis seiner Denkweise ist die Schaffung der Produkte durch menschliche Arbeit und die Eigenberechtigung eines jeden menschlichen Individuums. Durch die Unterhaltung des Militärs und Produktion der Waffen und Ausrüstung würde menschliche Arbeit verschwendet (Dobbek Nr. 238). Durch den Krieg selbst würden die Produkte menschlicher Tätigkeit und die menschlichen Individuen vernichtet (Dobbek Nr. 238). Das Anpreisen der Militärinstitute sei in höchstem Maße unanständig, da man doch wisse, daß sie zu nichts dienen, als die Menschen schlechter zu machen (Dobbek Nr. 236). Der Soldat werde im Krieg oft zum Brudermörder (Dobbek Nr. 235). Der Soldat unterscheide sich insoweit nicht von einem Banditen, denn beide seien um Geld gedungene Mörder, wobei der Bandit in der unmittelbaren Entscheidung noch frei sei (Dobbek Nr. 235). Dem Soldaten werden im Krieg die moralischen Werte durch Töten, Rauben und Stehlen genommen und er stumpfe hinsichtlich eines Mitleides gegenüber anderen Menschen ab (Dobbek Nr. 237). Der im Militärstand bestehende blinde Gehorsam verbunden mit dem finanziellen Privatvorteil des Soldaten mache ihn nur schlechter (Dobbek Nr. 234). In Zeiten reichs-, lehens- und erbrechtlicher Rechtfertigung von Kriegen findet er heraus, daß tatsächlich die Fürsten einen Nutzen, einen finanziell-wirtschaftlichen Vorteil durch neue Länder und Untertanen ziehen. Mithin sei eine Beseitigung von Kriegen mit einer Beseitigung der Nutznießer von Krieg und Militär und einer weiteren Kulturentwicklung verbunden. Jeder, der mit Rat und Tat zum Kriege beitrage, solle als ein Verbrecher der beleidigten Menschheit angesehen werden (Dobbek Nr. 238). Der Krieg an sich beweise schon Unkultur (Dobbek Nr. 239).

Werke

  • Nachricht von den innern Ländern von Afrika, auf einer 1785 nach Tunis unternommenen Reise, aus den Berichten der Eingebornen gesammelt; 1791
  • Ideen. Eingeleitet und mit Anmerkungen versehen und nach J.G. Herders Abschriften in Auswahl herausgegeben von Wilhelm Dobbek. Berlin/DDR: Akademie-Verlag 1957

Literatur

  • Adalbert Elschenbroich: Einsiedel, August von. In: NDB Band 4, Seite 398 f.

Weblinks

Einzelnachweise

  1. August von Einsiedel: Ideen. Hg. Wilhelm Dobbek, Berlin/DDR: Akademie-Verlag 1957, S. 129
  2. ebd., S. 125f
  3. ebd., S. 58

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