Augustin (Straßenzeitung)
Logo der Zeitung Augustin

Der Augustin ist eine Wiener Straßenzeitung.

Inhaltsverzeichnis

Über die Zeitung

Der Augustin entstand als eine der ersten österreichischen Straßenzeitungen aus dem bereits 1991 gegründeten Straßenzeitungsprojekt Uhudla. Er bezieht seinen Namen vom historischen Wiener Volkssänger Marx Augustin („Der liebe Augustin“) und orientiert sich an internationalen Vorbildern wie The Big Issue aus London. Die Zeitung wird von Obdachlosen und/oder ausgegrenzten Menschen auf der Straße verkauft. Dabei bleibt die Hälfte des 2,50 Euro betragenden Verkaufspreises den Verkäufern. Er erscheint seit Januar 2007 nicht mehr zwei mal im Monat, sondern jeden zweiten Mittwoch, außer in den Monaten Juli, August und Dezember. Die Zeitung erfuhr eine sehr hohe Akzeptanz, wodurch die Auflage innerhalb von 10 Jahren verachtfacht werden konnte. Betrug die verkaufte Auflage Anfang 1996 im Monat noch knapp 10.000 Stück, so werden zur Zeit 40.000 Stück pro Ausgabe (80.000 im Monat) gedruckt und auch verkauft. Der Augustin wird zur Gänze durch Einnahmen aus dem Zeitungsverkauf und privaten Spenden finanziert.

Das Wesen der Zeitung

Laut einer Untersuchung der deutschen Straßenblätterszene, die zwischen eher „aufklärungsorientierten“ und den eher „verkaufsorientierten“ Obdachlosenzeitungen unterscheidet, vereinigt der Augustin beide Tendenzen.

Einerseits betreibt er Lobbying für die unterprivilegierten Randgruppen unserer Gesellschaft, informiert über die Tätigkeiten von Sozialprojekten und Initiativen, versteht sich als gesellschaftskritische Tribüne. Andererseits wendet er sich - „mit den Mitteln eines „avancierten Populismus“ (Schreibstil, Themenvielfalt, Service-Elemente, Anti-Horoskop, Leserbindungs-Elemente wie Rätsel usw.,“) an ein Massenpublikum. Ein fixer Bestandteil der Zeitung, derzeit 8 Seiten, ist den Prosa- und Lyrik-Beiträgen obdachloser beziehungsweise ehemals obdachloser Autoren vorbehalten. Diese werden auch ermuntert, journalistische Aufgaben zu übernehmen und ihre Fähigkeiten dadurch auszubauen.

Aufbau der Zeitung

  • SAND & ZEIT: Internes aus dem „Gesamtkunstwerk“ Augustin
  • FANPOST: Hier kommen Leser und Kritiker zu Wort
  • WUNDERWELT (unregelmäßig): Globale Fakten über einen wahnsinnigen Planeten
  • HEROES: Porträts von Augustin-Verkäufern – und von Menschen im Schatten der „Seitenblicke“-Kameras
  • TUN & LASSEN: Das sozialpolitische Magazin, das Magazin der sozialen Bewegung
  • SPERRSTUNDE (unregelmäßig): Plattform der Häftlinge, Plattform für Justiz- und Strafvollzugs-Kritik
  • DENK.BAR (unregelmäßig): Ein bisschen Theorie, ein bisschen Utopie und immer wieder Anstöße zum gepflegten Streit
  • BRIEFE AN DR. SOMMER (jede 2. Ausgabe): Mehr oder weniger verborgene Satire
  • SPARKÜCHE (jede 2. Ausgabe): Christa Neubauers günstige Rezepte
  • HOROSKOP (jede 2. Ausgabe): Einblicke in die persönliche Zukunft
  • KREUZ & WORT: Eva Wagners groteske Kreuzworträtsel
  • MARKTPLATZ: Private, kostenlose Kleinanzeigen
  • STRAWANZERIN: 8-seitiges Veranstaltungsprogramm mit Radiotipps
  • VORSTADT: Über das unverwechselbare Wien. Ständig mit Porträtserie LOKALMATADOR und mit garantiert stronachferner Fußballberichterstattung
  • ART.IST.IN: Die Kunst- und Kulturseiten des Augustin
  • DICHTER INNENTEIL: 8 Seiten Literatur der vom Literaturbetrieb Ausgeschlossenen. Enthält die ständige Rubrik TAGEBUCH eines Augustinverkäufers

Projekte

Logo der Aktionsplattform F13

Neben dem Zeitungsverkauf sind im Laufe der Jahre einige Projekte entstanden die jedoch auch aus den Einnahmen des Zeitungsverkaufs finanziert werden.

  • Radio Augustin - Sendung auf Radio Orange 94.0 dem einzigen freien Radio Wiens
  • „Lesen - Hören -Sehen - der Augustin dreht auf“ Monatliche Fernsehsendung auf Okto dem einzigen freien Fernsehsender Wiens
  • Augustin-Feste - „Integrative Ereignisse, die die Begegnung von Menschen ermöglichen, die sonst durch soziale Mauern getrennt sind“.
  • Stimmgewitter - Erster Wiener Obdachlosenchor[1]
  • F13 Freitag der 13. - ein vom AUGUSTIN initiiertes Netzwerk von Aktionisten und Aktivisten[2]
  • 11% K.Theater - kabaretUNartiges Theater
  • FC Schwarz-Weiß Augustin - Schwarz-Weiß AUGUSTIN, Obdachlosenhallenmaster 2004[3]
  • Sperrstunde - Vom Augustin mitinitiiertes Netzwerk von strafvollzugskritischen Initiativen und engagierten Gefangenenbetreuern

Film

  • „Der AUGUSTIN als Gesamtkunstwerk und seine soziale Bedeutung für die VerkäuferInnen“ von Erich Rappold, Marc Nana-Gyan Ackwonu und Sebastian de Vos. Wien 2004, 20 min.

Siehe auch

Einzelnachweise

  1. Erster Wiener Obdachlosenchor
  2. Freitag der 13. - Aktionstage
  3. Fußballmannschaft „schwarz weiß augustin“

Weblinks


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