Augustinerhof

Der Augustinerhof ist der Projektname für die Bebauung eines zentralen Areals in der Nürnberger Altstadt. Ein erster Versuch scheiterte 1996, 2008 startete ein zweiter Versuch.

Inhaltsverzeichnis

Lage

Das 5000-Quadratmeter-Areal zwischen Winklerstraße, Karlstraße und Pegnitz liegt nördlich des Flusses in der Sebalder Altstadt. Der Name Augustinerhof hat historisch keine Bedeutung.

Geschichte

Auf dem Gelände zwischen Schustergasse/Südliche Augustinerstraße und Karlstraße/Winklerstraße bestand seit 1265 das Augustinerkloster. Die wegen der Auflösung des Klosters leerstehenden Gebäude wurden nach der Reformation vom Stadt- und Landalmosenamt genutzt. Nach unterschiedlichen Nutzungen standen die Gebäude später leer und verfielen langsam, bis sie 1872 abgebrochen wurden. An der Pegnitz stand die 1299 erstmals urkundlich erwähnte Pfannenmühle, die im Zweiten Weltkrieg durch Bomben zerstört wurde.

Auf dem südlichen Teil des Klosters entstanden die Gebäude des Druckerei-Verlages von Franz Willmy (1856-1922), der dort die Nordbayerische Volkszeitung drucken ließ. Sein Sohn, Max Willmy, gab das 8-Uhr-Blatt (später: Abendzeitung), den Kicker und die Fränkische Tageszeitung (später: Fränkischer Kurier) heraus. Während des Nationalsozialismus wurde der Stürmer gedruckt. Um 1973 wurde das Gelände zu klein, die Druckerei gab die Betriebsgebäude auf und zog um.

Der Entwurf Jahns

1989 erwarb der Kaufmann Mohammad Abousaidy das Grundstück und plante Neubauten mit einer gemischt-gewerblichen Nutzung. Während die Nürnberger Altstadtfreunde ein Bebauungsplanverfahren forderten, strebte der Baureferent Walter Anderle eine spektakuläre Lösung an. Im Januar 1991 präsentierten Bauherr und Baureferent die Planungen des gebürtigen Zirndorfers und Chicagoer Stararchitekten Helmut Jahn. Sein ambitionierter Entwurf eines Glaspalastes, bewusst als Kontrapunkt zur Nachkriegsbebauung der Umgebung, begeisterte den Stadtrat. In der Bevölkerung erzeugte er aber auch Widerstand, der durch die Altstadtfreunde organisiert wurde und in der Folgezeit wuchs. Eine Bürgerinitiative wurde gegründet (Rettet die Sebalder Altstadt) und der Entwurf als „aufgeschnittene Bratwurst“ bezeichnet.

Auch nach Korrekturen am Entwurf blieb die Kritik bestehen: die Dimensionen des Baukörpers seien zu groß und der Umfang der gewerblichen Nutzung sei überzogen. An der öffentlichen Diskussion beteiligten sich weite Kreise der Bevölkerung. Ein erster Bebauungsplanentwurf zur Ausweisung des Augustinergeländes als Kerngebiet wurde durch den Stadtrat abgelehnt, ein zweiter, leicht reduzierter Entwurf im Dezember 1991 knapp gebilligt. Zur Aufstellung des Bebauungsplanentwurfs hatte Edmund Stoiber als damaliger Innenminister und Chef der obersten Baubehörde die Stadt verpflichtet.

Unterdessen sammelten die Gegner mehr als 50.000 Unterschriften und im September 1993 trat der Oberbürgermeister Peter Schönlein wegen mangelnder Akzeptanz in der Bürgerschaft auf die Bremse. An Konzept und Baumasse wurde weiter gefeilt, doch die Mehrheit im Stadtrat bröckelte. Der Bürgerentscheid im Januar 1996 - der erste und bisher einzige überhaupt in Nürnberg - brachte mit fast 69 Prozent der Stimmen gegen das Projekt das endgültige Aus für den Jahn-Entwurf. In der kurz darauf stattfindenden Bürgermeisterwahl wurde Oberbürgermeister Schönlein überraschend nicht wiedergewählt. Der Investor, M. Abousaidy, ging pleite, die Immobilie kam unter Zwangsverwaltung und gehörte nun der Frankfurter Bank Eurohypo.

Verschiedene Pläne in den folgenden Jahren hatten keinen Erfolg, was auch an zu hohen Erwartungen des Eigentümers lag. Mehr als zehn Jahre lang lag das Gelände in einem Dornröschenschlaf. [1] 2001 kam eine Zwangsversteigerung wegen des Widerstandes der Nachbareigentümer nicht zustande.

Der Entwurf Staabs

Abrissarbeiten 2008
Parkplatz 2010

2008 kaufte die Nürnberger Alpha-Gruppe das Gelände für 5,8 Millionen Euro in einer förmlichen Zwangsversteigerung. Die Immobiliengesellschaft von Gerd Schmelzer hatte in Nürnberg bereits mehrere Projekte mit Wiedernutzung alter Immobilien zum Erfolg geführt. Am 3. April 2008 begannen die umfangreichen Abrissarbeiten.

In einem Architekturwettbewerb gewann der Berliner Architekt Volker Staab, der in Nürnberg das Neue Museum entworfen hatte und in Stuttgart ein neues Innenministerium baut. Der Entwurf sieht eine Investition von 60 Millionen Euro vor. Die Neubauten mit Steildächern passen sich in die Umgebung ein und bieten auf 5230 m² Platz für ein Vier-Sterne-Hotel, für Wohnungen, Läden, Büros und Gastronomie. 2.300 m² Grundfläche sollen unbebaut bleiben.[2]

Der ursprünglich geplante Baubeginn gegen Ende 2009 konnte nicht eingehalten werden. Im Herbst 2009 wurden auf dem Gelände Parkplätze angelegt.

Einzelnachweise

  1. http://www.nn-online.de/artikel.asp?art=902935&kat=10
  2. http://www.nuernberginfos.de/bauwerke-nuernberg/augustinerhof-nuernberg.html

Weblinks

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